Review: Der Sonntag bei Bochum Total

Wettertechnisches Allerlei an Tag 4 | Foto: Lukas Vering

Nach drei Tagen Dauereinsatz und jeder Menge Fotos und Berichte, die darauf warten von uns online gestellt zu werden, kommen wir am Sonntag etwas verspätet in den Festivaltag. Dafür aber pünktlich zum ersten Regenschauer. Also rein ins grüne Regencape und ab geht die Party.

Foto: Lukas Vering

Auf dem Weg zur Hauptbühne führt uns unser Weg unvermeidlich an der Wortschatzbühne vorbei, an der ein minimal begabter Barde seine Texte ins Mikro kräht. Wir verstehen was von Rubbellosen, andere Passanten gar Dinge, die wir nicht wiederholen möchten. Aber egal, der Weg ist hier schließlich nicht das Ziel, denn das ist in unserem Fall das neuste, heißeste Pferd aus dem Hause Chimperator. Teesy ist knapp 24 Jahre alt und bringt gleich zwei Talente mit: Rappen und singen. Nutzen tut er das, indem er seine Lines durch R’n’B Refrains melodisch abschmeckt. Auf der Bühne lässt er sich von Schlagzeug und Gitarren unterstützen, wir freuen uns über dieses runde, individuelle Gesamtpaket und einen gelungenen Start in den Sonntag.

Fangirls

Foto: Lukas Vering

Leider spielt zeitgleich auf der Sparkassenbühne ein anderer vielversprechender Act, weshalb wir nach der Hälfte des Auftritts weiterziehen müssen. Ryan Keen ist ein Songwriter, der locker mit Ben Howard oder Ed Sheeran mithalten  kann. Das hat sich offensichtlich auch in Bochum schon rumgesprochen: Vor der Bühne hat sich der offizielle deutsche Ryan Keen Fanclub positioniert. Ausgestattet mit T-Shirts und Jutebeutel wird jedes Lied mitgesungen und Ansagen mit einem Kreischen quittiert. Ryan selbst scheint davon ehrlich überrascht und quittiert das mit einem schlichten “cool!” Im Laufe des Auftritts kann er sich das freudige und nebenbei sehr charmante Grinsen dann auch nicht mehr verkneifen. Zum krönenden Abschluss gibt es dann noch Autogramme vor der Bühne. Hach…

Kuscheltiger

Für uns gibt es derweil eine kleine Erfrischung in der Rotunde, wo unsere, in der letzten Ecke des Schrankes wiedergefundenen, kultigen coolibri-Vintagepins für Freude sorgen. Aber auch hier wird sich nur schnell das Getränk in den Rachen geschüttet, schließlich wartet noch eine reizende, belgische Entdeckung auf uns. Die Intergalactic Lovers hatten im Interview schon unsere Düsseldorfer Redaktion verzaubert und auch wir sind nach wenigen Songs entzückt.

Angenehmer Indiepop und sympathische Ansagen lassen das Line-Up des Sonntags in unserer internen Topliste immer weiter nach oben klettern. Sängerin Lara Chedraoui erklärt uns beispielsweise, dass alle ihre Bandkollegen Kuscheltiger seien und wir auf unseren deutschen Inseln alle was besonderes sind. Irgendwie wirr aber irgendwie auch süß. Nebenbei räumen die Lovers noch den Preis für den besten Abgang ein: Instrument für Instrument für Instrument begeben sie sich einzeln von der Bühne, bis der Bass ein Solo spielt.

Intergalactic Lovers
Foto:Lukas Vering
Rantanplan Foto: R. Nunes

Selbstläufer

Während bei Ryan Keen und den Intergalactic Lovers die Sonne wieder zum Vorschein kam, lassen uns die Hauptacts erneut im Regen stehen. Dem Bochum Total Publikum scheint das aber nichts auszumachen. Bei Rantanplan werden innovative Belehrungen á la “Bei der WM machen Politiker besonders böse Sachen” einvernehmlich und tanzend angenommen. Unsere Einstellung zu Mark Forster scheint auch eine Randerscheinung zu sein, zumindest ist die Hütte voll und uns Pamela Falcon ist selbstredend ein popreferentieller Selbstläufer.

Derweil ziehen Scharen enttäuschter Poetry-Fans von der Rotunde ab, da der angekündigte Sebastian23 krankheitsbedingt absagen musste. Schade, denn wären sie geblieben und hätten sie sich auf den rappenden Ersatz “2 Seiten” eingelassen, wären sie auch auf ihre Kosten gekommen. Gut, HipHop mag den zartbesaiteten Gedichtelauschern wohl ein zu hartes Brecheisen sein, aber 2 Seitens schlaue Texte übersteigen die Qualität von so manchem Slammer und die Beats gibts gratis obendrauf. Zum Abschluss spielten Colektivo. Mit Trompete, Ska und jeder Menge gute Laune untermalten sie musikalisch den diesjährigen Abschied von Rotunde und coolibri. Schön wars gewesen. Bis nächstes Jahr.

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