Review: Der Donnerstag bei Bochum Total

So war der Donnerstag bei Bochum Total | Foto: Ricardo Nunes

Alte Liebe rostet nicht“, sagt man im Volksmund. Das dachten sich wohl auch die Festivalplaner von Bochum Total und luden in diesem Jahr gleich mal ein ganze Reihe altbekannter Gesichter ein: Stammgast Jupiter Jones, MC 'no diggity' Fitti, Ok Kid, um nur ein paar Namen zu nennen. Aber warum nicht? Da weiß man wenigstens, was man kriegt, und jede Menge neues, frisches Zeug gibt es ja trotzdem zu begutachten.

Den Anfang machen in diesem Jahr die Pop-Rocker von OneFourSix. Bei der Suche nach einem Bandnamen ging man pragmatisch vor: Am ersten April 2006 setzen sie den Startschuss für ihre gemeinsame Musikkarriere. Deswegen, wer mag es erraten: One Four Six. Den Jahrestag vergisst man so sicher nie. Vor der Bühne ist eher Sitzen als Stehen angesagt, und wir werden von einem jungen Herren freundlich gebeten, uns bitte anders hinzustellen, weil er nichts sehen könne. Wir denken „Wie wär´s denn einfach mal mit aufstehen?“, gehen aber bereitwillig zur Seite – wollen ja nicht gleich zu Beginn rumstänkern. Außerdem eine gute Gelegenheit, um aus der Sonne zu flüchten. Schlauerweise haben wir nämlich nicht an Sonnencreme gedacht und versengen uns direkt den Nacken. Gerade als Sänger Alee Martinez der Menge zuruft „We are quite loud“ und den nächsten Song anstimmt, entscheiden wir uns dafür, die Ringbühne anzupeilen. Tatsächlich ist es da hörbar laut – daher wohl die heisere Stimme von Frontmann Chris. Auf der Bühne stehen die Gewinner des Preises „Made in Essen“ Paperstreet Empire. Mit frischem, eingängigem Indiesound bringt die fünf Mann starke Gruppe so einige Leute, die gerade vom Bahnhof Richtung Innenstadt marschieren, zum Stehenbleiben. Unsere coolibri-Füße wippen sofort im Takt der Musik mit. Besonders der Drummer, der das erste Mal mit der Band spielt, scheint sich wie Bolle zu freuen. Chris merkt dazu an „Der kann sich bewegen. Der sieht gut aus. Der hat Spaß. Das gefällt mir.“ Ja, können wir so unterschreiben. Gefällt uns auch.

Sommer, Sonne, Sonnenschein und ein bisschen Feierei

Ahzumjot/ Foto: L.Sänger

Nachdem wir uns warm getanzt haben, geht's erst einmal in den Pressebereich, um uns zu erfrischen. Bei so einer Hitze ist viel Trinken das oberste Gebot. Merkt euch das für die nächsten Tage! Frisch gewässert stehen wir um kurz nach sechs vor der 1Live-Bühne, um Ahzumjot (gesprochen A zum J) zu begutachten. Der junge Hamburger erblickt im Jahr 2011 das musikalische Licht der Welt. Sein Sound reiht sich in die Riege von jungen Hip-Hop-Künstlern wie Cro oder Rockstah (Obacht, der spielt Freitag ebenfalls bei Bochum Total!) ein, die Hip-Hop produzieren, der einer breiten Masse gefällt und nix mit Gangsterrap ala „Ich ***ick deine Mudda“ tun hat. Ahzumjot rappt über die Probleme seiner Generation und über das Heranwachsen. Trotzdem darf während seiner Performance nicht DER obligatorische Hip-Hop-Move schlechthin fehlen (falls es da überhaupt einen anderen gibt ...): einen Arm nach oben und dann immer schön im Takt. Wir machen bereitwillig mit und freuen uns ganz arg, als der gute Mann den Mac-Miller-Track „Donald Trump“ sampled: „Heb mein Glas auf das Leben, das ich nie wollte“. Na dann mal Prost und weiter zum nächsten Act. Auf der Sparkassen-Bühne ist parallel ein Herr zu Gast, der schon seit Jahren große Bekanntheit in der deutschen Musikszene genießt: Rod Gonzales, Bassist der Ärzte. Seit 2011 ist der gebürtige Chilene Frontmann der Band Mas Shake!. Die erfreuen ihre Fans mit Beat-Musik der 1960er Jahre Südamerikas. Vor der Bühne ist es rappelvoll. Bei manchem Zuschauer muss man sich die Frage ebenfalls stellen. Als Bassit Michell nämlich den nächsten Song im Anschlag hat, schreit ein Zuschauer: „Michell, zeig mir deine Brüste“. Der kommt dieser Aufforderung merkwürdigerweise nicht nach. Besonders schön finden wir, dass Katy, die an der Orgel in die Tasten haut, ein orangefarbenes Kleid trägt. Ob sie sich da was von uns abgeguckt hat?!

Zerstörungsfreude und ganz viel Gold

Susanne Blech/ Foto: L.Sänger

Nachdem Rod und Co. uns mit ihrer Wohlfühlmusik in beste Feierlaune versetzt haben, tanken wir etwas Energie bei unseren Freunden von Getaddicted. Die haben sich die saubequemsten Sessel dieser Erde organisiert. Unser Internetz ist derweil auf E. Das macht aber nix, weil wir auf dem Weg zu Susanne Blech sind. Auf die Band freuen wir uns schon den ganzen Tag. Feinster Elektro-Pop mit ganz viel „Reiß-die-Hütte-ab“-Potenzial erwartet die Zuschauer. Die Band verkündet noch vor dem Konzert auf ihrer Facebook-Seite: „Allergrößte Zerstörungsvorfreude“. Vor der Bühne wird ihnen das gedankt und frenetisch mitgefeiert. Gut so und kein Wunder, dass man diese Band, die im letzten Jahr noch auf einer der kleinen Bühnen Abriss zelebrierte, in diesem Jahr auf die Hauptbühne gestellt hat. Besonders das MC- und Produzentenduo Sola Plexus, bestehend aus den Brüdern Jerome und Jobin Vazhayil, tanzen ekstatisch über die Bühne und haben sich unserer Meinung nach in die geilste Klamotte des Tages geschmissen. Wir finden: Ein Aerobic-Video is' nix dagegen und warten nur darauf, dass sich einer der beiden auf den Kopf stellt und eine kleine Breakdance-Einlage einbaut. Während all der Feierei reißt Texter und Sänger Timon ein paar Witzchen „Hi friends and lovers! Wir sind Ich+Ich! Das ist unser erstes Konzert. Läuft doch ganz gut.“ So viel Abgespacke und Beats hatten wir gar nicht von Ich+Ich erwartet ... aber die sind ja eh Schnee von gestern. Susanne Blech hingegen feuert am Ende noch die Konfetti-Kanone ab – da muss sich der What´s-Apper-Freitagabend aber ranhalten.

Frida Gold/ Foto: D.Möller RN

Am Schluss des Tages wird es richtig voll vor der Hauptbühne. Um kurz vor neun tritt der Hauptact des Tages auf: Frida Gold. Während die Band rund um Frontfrau Alina vor ein paar Jahren auf den kleinsten Bühnen in den winzigsten Clubs spielt, können sich die Musiker mittlerweile mit etlichen Preisen für ihr Schaffen rühmen. Verglichen mit den vorherigen Acts haben Frida Gold sicherlich die aufwendigste Bühnenshow. Alina steht zu Beginn noch auf einem Podest, um später katzengleich die Stufen vor ihr hinunter zu schreiten (deswegen wohl auch die zwei riesigen Pappgeparden auf der Bühne?!). Insgesamt ist die komplette Show perfekt durchchoreographiert und durchgestylt. Da ein lasziver Blick, hier ein kecker Hüftschwung. Dem Publikum vor der Bühne gefällt's. Textsicher wird beim großen Hit „Liebe ist meine Rebellion“ mitgeträllert. Um kurz vor zehn ist Schluss, und damit neigt sich auch unserer erster Tag dem Ende entgegen. Schön war's (wie immer), und für morgen merken wir uns: Immer gut eincremen!

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