coolibri-stage@Rotunde Tag 2: Schweißtreibend

De Fofftig Penns | Fotos: Markus Holzer

Der Sänger von Findus hat den roten Faden des Abends in einer Publikumsansprache schon ganz gut getroffen: „Wir schwitzen uns zu Tode für euch!“ Jede der fünf Bands des dichten Freitagsprogramms hat sich auf der Bühne richtig verausgabt, es wurde geackert, gesprungen, getanzt und gesungen, bis die 100 Prozent mehr als erreicht waren.

Der Abend in der Rotunde beginnt mit einem lauschigen Public Viewing in der gemütlichen Atmosphäre eines Rotunde-Hinterraums. Das ein oder andere Bandmitglied lässt sich blicken, das 1:0 fällt und die restliche Zeit wird abgezittert. Als das Spiel endet, steht der erste Auftritt schon kurz bevor.

To the Rats and Wolves

Erste Band und schon ist die Bude voll. To the Rats and Wolves sorgen dafür, dass man gleich zum Auftakt mal eine Menge tätowierter und vollgepiercter Alterno-Kids zu Katy Perry abgehen sehen kann. Damit lässt sich auch der Grundtenor der Band beschreiben: Jung, wild und furchtlos. Musikalisch bedienen sie eine harte Gangart, in die sie melodische Parts einbinden. Klingt nach dancigem Metalcore.

Die ersten Schritte der Bandmitglieder auf die Bühne wurden von der zahlreich versammelten Fanmeute auch gleich richtig abgefeiert. Direkt zum Einstieg bildet sich ein mittelgroßer Pogozirkel, es wird mitgegrölt und abgefeiert. Die Jungs haben sofort einen Draht zu ihrem Publikum und spielen damit auch geschickt. Ob Wasserversorgung, Ghettofaust oder Stage-Dive (naja), die Liebe zu den Fans wird reichlich verteilt und mit euphorischen Reaktionen zurückgegeben.

Fotos: Markus Holzer
To the Rats and Wolves

Im Gegensatz zum deutschen Fußballspiel hat sich hier nach dem ersten Treffer die Energie nicht verkrochen, sondern wurde bis zum letzten Song hochgehalten. Springen, Schreien und in Teamchoreo zum Takt bangen bis zum Äußersten. Zum Finale wurde zu einem Ke$ha-Cover ausgerastet („Die Young“). Und während die Fans Arm in Arm die Spaßlyrics der Popgöre gröhlen, kommt so ein schönes Gefühl von Versöhnlichkeit auf. Das ist Pop-Magie, die auch ein herzhaft brüllender Frontsänger nicht wegschreien kann und genau das macht To the Rats and Wolves aus: Sie sind jung und scheuen sich nicht vor Polkulturreferenzen, gratulieren auch der Nationalmannschaft (was in der Hardcoreszene durchaus mit kritischer Distanz bewertet wird) und bitten ihre Fans bei der Wall of Death aufeinander aufzupassen und sich lieb zu haben. O-Ton der Band als Zusammenfassung: „Das war der krasseste Auftritt, den wir je hatten!“

Idle Class

Hastig weiter im Programm: Diesmal leider eher mit gerade mal halb gefüllter Rotunde. Die Ratten und Wolf-Fans brauchen wohl noch eine Verschnaufpause, die Fanbase von Idle Class scheinen eher Genießer zu sein: wildes Tanzen und Abfeiern kommt hier erstmal nicht auf. Dennoch: Die Band gibt volle Power und Schreikraft, bis die Halsschlagadern hervortreten und der Schweiß fließt. Man wagt sogar den A-Capella-Test: Gut gemeint, aber eher milde unterstützt. Musikalisch bringt die Band ordentlich gemachten Hardcore mit zügigem Tempo, live zeigt die Band Leidenschaft und Spaß für ihr Ding. Zum Ende wurde das auch mit mehr und mehr interessiertem Publikum belohnt.

Findus

Die Indie-Punkrock Band Findus aus dem hohen Norden sollte eigentlich Samstag spielen, wurden aber auf Grund einiger Programmänderungen in den Freitag integriert. Dementsprechend blieb der Zuschauerandrang erstmal spärlich. Eingefleischte Fans waren trotzdem vor Ort und jubelten und kreischten, als das erste Soundrauschen und Gitarrenstimmen erklang. Der Sänger tigert alsbald mit geschmeidigen Moves über die Bühne, besteigt auch mal das Schlagzeug oder macht einen Handstand auf der Bass Drum, tritt dabei mal locker nen Scheinwerfer zu Recht oder zimmert mit einem gesottenen Radschlag den Mikrofonständer von der Bühne. Auf der Suche nach größerem Areal zog es den tanzwütigen Frontmann später dann auch in die Menge. Die Show stimmt, die Musik fetzt, der Auftritt wird zum Arbeitserfolg: Der Raum füllt sich stetig, schon bald sind die Kapazitäten so gut wie ausgelastet und die Menge wird (ähnlich wie der Sänger) immer wilder. Das Ende kommt dann jäher als erwartet: Sänger Lüam verabschiedet sich mit einem knackigen „Tschö“, die Band mit einem fetten Soundgewitter. Trotz verlangter Zugabe muss das Programm weitergehen.

Wisecräcker

Und zwar mit den Wisecräckern, was frei übersetzt soviel wie Klugscheißer heißt. Die Band macht Ska, wie man ihn kennt: Trompete, dicke Gitarrenriffs, ein bisschen Punk eingestreut. Das altbewährte Rezept trägt die Band schon seit 1997 durch die deutsche Musikbranche, an Spielfreude haben sie deshalb keineswegs verloren. Wie das so ist bei Ska-Bands tanzt sich der Auftritt von alleine weg, es ist brechend voll und brütend heiß. Zwischenzeitlich ist Einlassstopp (ca. 23:20): Rotunde voll, da ging nix mehr rein. Drinnen wurde zur Ska-Version von „Moskau, Moskau“ abgefeiert und bis Ultimo gespielt.

De Fofftig Penns

Dementsprechend verzögerte sich der Auftritt von De Fofftig Penns. Während in der Nebenhalle schon die Drum&Bass Party lief, wurde hier noch aufgebaut. Die einzige Band des Abends, die auch schon mal bei Pro7 lief (siehe Bundesvision Song Contest) bringt Chaos-HipHop auf Platt, unterlegt mit dicken Elektrobeats zur coolibri-stage. Ganz modern mit MacBook und stilecht im Friesennerz ging es dann auf die Bühne: Bier auf, los geht’s! Laut eigener Beschreibung sind De Fofftig Penns ja eher ein „Tanzprojekt, als ne richtige Band“. Dem bunt gemischten Publikum scheint das zu gefallen, es wird gejubelt und gehüpft und sich wenig dafür interessiert, das man textlich zirka gar nix versteht. Immerhin gibt es kleine Platt-Unterrichtseinheiten zwischendurch, so dass prägnante Sätze gut mitgesungen werden können, wie zum Beispiel das Großstadtgeflüster-Cover “Ich muss gar nichts” das zu “Ik mot gor nix” wird. Charmant und engagiert wirken die Jungs auf der Bühne und man darf schon beeindruckt sein, in welchem Gewehrfeuertakt da das Platt gerappt wird. „Wir haben euch ein bisschen Bums-Musik mitgebracht!“, verkündet Sänger Torbän und irgendwie bleibt das ganze auch bei Bums stehen. Mit der Zeit hat das Ganze ein bisschen Kirmescharakter: Und noch ne Runde vom gleichen Sich-im-Kreis-drehen. Aber gut: Das anwesende Publikum bleibt da unersättlich und feiert die Formation mit dem charmanten Exotenstatus. Warum auch nicht?

Promitreff und Windkanal

Zu später Stunde fanden sich dann noch so einige andere Bands zum Feiern in der Rotunde ein. Gesichtet wurden Mitglieder von KMPFSPRT, Aufbau West und der MC Fitti-Posse. Man darf da schon behaupten, dass die Rotunde zum kleinen Promitreff avanciert und nebenbei eine angenehme Alternative zum proppevollen Bermudadreieck bietet. Beim Public Viewing, beim Bands gucken und beim Feiern. Feine Sache!

PS: Kommt sich eigentlich noch irgendwer so unfassbar dramatisch vor, wenn er in der Rotunde die Treppe zur Toilette (aKa PipiKaka-Area) runtergeht und einem die Windmaschine so übelst durchs Haar weht?

Alle Tagesberichte zum Bochum Total 2014

Bochum Total 2014 Playlist

Alle Video Interviews vom Bochum Total 2013