Ruhr Reggae Summer setzt Zeichen gegen Homophobie

| By Ludovic Bertron from New York City, Usa [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons

SIZZLA darf künftig nicht mehr beim Ruhr Reggae Summer auftreten. Der für seine Hasstiraden auf Homosexuelle bekannte Dancehall-Act leistete sich auf dem weltweit größten Reggae-Festival auf Jamaika einen erneuten Ausrutscher und wurde dort von den Veranstaltern scharf verurteilt. Nun kündigte auch das heimische Ruhr Reggae Summer einen Boykott an.

„Eine Weile haben wir noch daran geglaubt, dass der Mann umdenkt oder zumindest ein Minimum an Anstand und Hirn zeigt. Falsch gedacht. Deswegen auch von uns in aller Deutlichkeit:
Solange der Mann nicht ernsthaft seine Meinung überdenkt und mal überlegt, für was seine Show denn nun stehen soll - solange betritt Sizzla Kalonji auch bei uns keine Bühne mehr.“

Heißt es auf der Facebookseite der Veranstalter.

Das Fass zum Überlaufen brachte SIZZLAs Auftritt beim Sting-Festival, dem größten Reggae-Festival der Welt, das jährlich auf Jamaika stattfindet. Dort verglich er Lesben und Schwule mit Kinderschändern und rief wiederholt Beleidigungen in sein Mikrofon. Die Veranstalter des Sting-Festivals kündigten im Anschluss ebenfalls einen Boykott des Künstlers an.

Beide Reaktionen zeigen einen erfreulichen Richtungswechsel an. 2009 hatten die Veranstalter des Ruhr Reggae Summers, die gleichzeitig die Betreiber des Wuppertaler U-Clubs sind, SIZZLA noch im Club auftreten lassen. Damals wurden sie dafür öffentlich heftig kritisiert. Auch Künstler wie Elephant Man (2011) oder Beenie Man (2012), die ebenfalls für ihre homophoben Texte bekannt sind, durften im U-Club auftreten. In einer Stellungnahme hieß es damals:

„Man kann und sollte Äußerungen nicht außerhalb ihres Kontexts betrachten. Homophobie ist auf Jamaika kulturell, religiös und sogar gesetzlich verankert." Das sei zwar zu bedauern, "aber wir hören jamaikanische Musik – und wir hören sie nicht, weil sie homophob ist (und das ist auch nur ein sehr kleiner Ausschnitt des Reggae und Dancehall!), sondern weil wir die Musik lieben“

Tatsächlich ist Homosexualität auf Jamaika eine Straftat und gesellschaftlich nicht anerkannt. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Übergriffen auf Schwule und Lesben. Dass ein Jamaikanisches Reggae-Festival Hasstiraden und Gewaltaufrufe gegen Homosexuelle nun öffentlich verurteilt und ablehnt, ist daher ein bedeutendes Zeichen. Dass ein deutscher Veranstalter erst im Anschluss nachzieht, ist bedauerlich, aber, besser spät als nie.

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