Brückenschläge beim Weltmusikfestival: Bassekou Kouyaté und Habib Koité

Habib Koité | Foto: Hamza Saad

An der Philharmonie Essen ist am Wochenende ein neues Weltmusikfestival gestartet: „Sounds of…“ stellt alle zwei Jahre eine außereuopäische Musiktradition in den Fokus. Den Anfang machte Afrika und zwei Stars der Szene aus Mali schüttelten den großen Alfried Krupp Saal zum Auftakt am Freitagabend einmal ordentlich durch: Bassekou Kouyaté und Habib Koité.

Bassekou Kouyaté spielt ein traditionelles Instrument aus seiner Heimat: die Ngoni, eine bis zu fünfsaitige Langhals-Laute, die normalerweise im Sitzen gespielt wird. Doch Kouyaté hat die Brücke zur westlichen Musiktradition geschlagen und hängt sich das kleine Instrument um wie eine Gitarre, nutzt Verstärker-Verzerrung und Effekte wie das Wah-Wah-Pedal, um eine ganz eigene Version von Mali-Blues-Rock zu spielen.

Auch Habib Koité hat seinen eigenen Weg gefunden, um Brücken zwischen Musiktraditionen zu schlagen: Er hat Zupfmuster von Instrumenten wie Kora oder Ngoni auf eine normale sechssaitige Gitarre übertragen und verbindet so die Traditionen der malischen Lobpreissänger Griots mit der des Singer-Songwritings.

Habib Koité (l.) und Bassekou Kouyaté (r.) | Foto: Hamza Saad

Trotz der Brückenschläge ist der Sound der beiden Mali-Musiker absolut außergewöhnlich und in unseren Breitengraden ein seltenes Ereignis. Schon das erste Stück, das Kouyaté und Koité rein akustisch im Duo spielen, sorgt in der Philharmonie Essen für offene Münder. Kouyaté spielt die winzige Ngoni so differenziert und genau und entlockt ihrem feinen, hohen Klang einen dermaßen unwiderstehlichen Groove, der sich perfekt mit Koités Gitarrespiel ergänzt, dass es das Publikum schlicht von den Socken haut. Diese Musik ist repetitiv, lebt also von wiederkehrenden Motiven, doch ihr Zauber liegt in den kleinen Variationen. Kein Motiv erklingt auch nur zweimal exakt gleich. Genaues Hinhören lohnt.

Bis endlich die ersten Besucher im fast ausverkauften Saal aufstehen und tanzen, dauert es allerdings eine ganze Weile. Überraschenderweise scheint in den Rängen eher ein typisches Klassikpublikum zu sitzen – hoher Altersdurchschnitt, kulturell wenig durchmischt. Doch nachdem die malischen Stars mit einer grandios aufgelegten Band aus zwei fulminanten Perkussionisten, E-Gitarristen, Bassisten und einer Sängerin (Bassekou Kouyatés Frau) eine Stunde lang wirklich alles tun, um Gesäße zu bewegen, erheben sie sich tatsächlich. Erst scheu, dann stellenweise nahezu ekstatisch. Ein schönes Bild.