Essener Tafel: Klärung der Aufnahmekriterien am „Runden Tisch“

Warenausgabe der Tafel | Foto: Dagmar Schwelle

Die Essener Tafel sieht sich aufgrund der Flüchtlingszunahme gezwungen, ihre Aufnahmekriterien zu verschärfen: Bis auf Weiteres werden nur noch Bedürftige mit deutschem Pass aufgenommen. Dafür hagelte es bereits mächtig Kritik. Nun will die Essener Tafel zusammen mit Vertretern der Essener Migrantenselbstorganisationen an einem „Runden Tisch“ gemeinsame Lösungsansätze ausloten.

Aufgrund der Flüchtlingszunahme in den letzten Jahren sehe man sich gezwungen, zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen, um eine vernünftige Integration zu gewährleisten. So heißt es im offiziellen Statement des Internetauftritts der Essener Tafel. Das sorgte nicht zuletzt für Zündstoff, da nach den offiziellen Grundsätzen der Tafel unabhängig von politischen Parteien und Konfessionen alle Menschen unterstützt werden sollen, die hilfebedürftig sind. Ein Widerspruch in sich, der bundesweite Wellen geschlagen hat. 

In einem Interview gegenüber dem ZDF verteidigt der Vorsitzende der Essener Tafel Jörg Sator die Entscheidung folgendermaßen: „Wir haben immer schon einen größeren prozentualen Anteil an Ausländern versorgt als den Anteil der Bevölkerung.“ Weiterhin erklärt er, das Gedrängel vor der Lebensmittelausgabe habe seiner Ansicht nach zu Unwohlsein gefühlt. Man schließe zwar nun vorrübergehend Ausländer aus, habe aber zuvor zwei Jahre lang Deutsche ausgeschlossen, so Jörg Sator. Provokante Aussagen, die auch in den eigenen Reihen für Aufregung sorgen. Jochen Brühl vom Dachverband der Tafeln in Deutschland wertet die Einschränkung der Aufnahmekriterien als Hilfeschrei und spricht gegenüber dem ZDF seine Bedenken aus. Es sei im Interesse der Tafel, dass das Thema Armut politisch stärker in den Fokus rückt und nicht auf Hilfsorganisationen wie die Tafel abgeschoben wird. Aber auch aus der Politik werden Stimmen laut. Die Migranten-Partei „Allianz Deutscher Demokraten“ (ADD) stellte laut offizieller Mitteilung bereits Strafanzeige gegen die Essener Tafel „wegen dem Verdacht der Steuerhinterziehung aufgrund fehlender Gemeinnützigkeit“. Man habe zuvor versucht, den Kontakt über einen öffentlichen Brief und eine Einladung zum Gespräch zu suchen, sei aber von der Essener Tafel ignoriert worden. Auch gegenüber dem coolibri wollte man sich zu den aktuellen Ereignissen nicht äußern.

Eine Lösung soll her

Anstatt weiterhin nach Schuldigen zu suchen, soll nun eine konstruktive Lösung her. Die Verantwortlichen der Essener Tafel sind den aktuellen Problemen zusammen mit dem Landesverband der Tafeln in NRW, der Tafel Deutschland und der Stadt Essen auf den Grund gegangen, um erste Lösungsansätze anzustoßen. Herausgekommen ist die Idee eines kurzfristigen „Runden Tischs“ mit der Essener Tafel, den Essener Wohlfahrtsverbänden und Vertretern des Verbundes der Essener Migrantenselbstorganisationen. Die Gesprächsrunde soll unter der Moderation des Sozialdezernenten der Stadt Essen stattfinden. Das Ziel der Diskussionsrunde soll sein, dass die Essener Tafel ihre Zielgruppen bestmöglich erreichen kann. Alle Beteiligten sind sich immerhin einig, dass der Fokus der Essener Tafel eindeutig auf der Hilfestellung von Alleinerziehenden, Familien mit minderjährigen Kindern und Seniorinnen und Senioren liegen soll. Man sei sich sicher, durch den kooperativen Austausch tragfähige Lösungen für die Zukunft zu erlangen, um die Zukunft der wichtigen Arbeit der Ehrenamtlichen der Essener Tafel zu gewähren. Ein Termin für den „Runden Tisch“ ist bislang nicht bekannt.