Westfälische Rundschau: Nur noch ein Feigenblatt

Demo gegen die Schließung der Lokalredaktionen

Von einem kämpferischen Optimismus beseelt, betitelte Autor Marc Burger den Leitartikel der aktuellen coolibri-Ausgabe noch mit den Worten „Alle reden vom Zeitungssterben. Wir nicht!“ Spätestens seit den neuesten Hiobsbotschaften Anfang der Woche kommen wir nicht mehr darum herum, das Übel beim Namen zu nennen. Zeitungssterben! Neben den wenig vielversprechenden überregionalen Entwicklungen, u .a. die kaum hoffnungsvollen Tendenzen bei der Rettung der Frankfurter Rundschau, schlug vor allem das „Aus“ der Westfälischen Rundschau im Ruhrgebiet ein wie eine Bombe.

Das Siechtum der WAZ-Publikation war kein Geheimnis, doch das jetzt mit einem Schlag gleich alle Lokalredaktionen des Blatts zum Monatsende dicht gemacht werden, überraschte doch.

Die Westfälische Rundschau soll es weiter geben. Die überregionalen Nachrichten liefert die WAZ-Zentrale in Essen, während die Lokalseiten in Zukunft zum Teil von der verlagseigenen Westfalenpost, zum Teil von der Konkurrenz, den Ruhr Nachrichten, bestückt werden. Eine Bankrotterklärung!

120 festangestellte Mitarbeiter in Dortmund, Hagen, Schwerte, Lünen und Arnsberg verlieren ihren Job. Hinzu kommt eine bisher ungezählte Zahl an freien Autoren.

Gewerkschaften, Politiker, Kulturbetreiber und Leser der Westfälischen Rundschau zeigen sich dieser Tage geschockt von der Aufgabe der Zeitung.

„Hier wird die Medienkrise für einen weiteren Kahlschlag in der nordrhein-westfälischen Medienszene benutzt“, klagt etwa Helmut Dahlmann, NRW-Landesvorsitzender des Deutschen Journalisten Verbands. Norbert Römer fordert im Namen der SPD-Landesfraktion: „Ich erwarte von der WAZ ein klares Signal an die betroffenen Journalisten und Mitarbeiter, dass der Verlag seiner sozialen Verantwortung gerade jetzt gerecht wird. Es darf keine Entlassungen in die Arbeitslosigkeit geben!“ Bülend Ürük, Chefredakteur des Branchenportals Newsroom, findet ebenfalls klare Worte: „Eine Zeitung ohne eigene Redaktion kann nun überhaupt nicht funktionieren, ist nur ein Feigenblatt. Wer will einen Abklatsch, eine Kopie, wenn am Markt das Original erworben werden kann.“

Am morgigen Samstag wird es in Dortmund um 11 Uhr unter dem Titel „WR muss bleiben“ eine Demonstration vom Redaktionshaus bis zum Alter Markt geben. Es wäre der Kollegen in den Redaktionen zu wünschen, dass der derzeitige öffentliche Protest in der WAZ-Verlagsgruppe Wirkung zeigt und die gefällten Entscheidungen noch einmal überdacht werden, indes die Aussicht darauf tendiert gegen Null.

Kommentar hinzufügen

* Pflichtfeld