Pretty Closed: Interview zur Schließung des Pretty Vacant

| Foto: groove supply

Die Düsseldorfer Clubszene hat einen weiteren namhaften Abgang zu verzeichnen. Ende Januar schließt mit dem Pretty Vacant eine Anlaufstelle für Freunde von Indie- und Elektronikklängen.

Sieben Jahre lang war die zweigeschossige Räumlichkeit im Herzen der Düsseldorfer Altstadt ein selbsternanntes „Biotop des guten Geschmacks“ – umzingelt von den in dieser Gegend allgegenwärtigen Ballermann-Konzepten. Nun wirft Betreiber Alex Brassel aka Mr. Buzzpop überraschend das Handtuch. Er wird sich in Zukunft auf den 2011 eröffneten Livemusik-Club The Tube konzentrieren, der ebenfalls an der längsten Theke der Welt residiert. Für die Räume an der Mertensgasse 8 hat Brassel einen Nachfolger gefunden, der keine Drinks aus dem 10-Liter-Eimer servieren wird und musikalisch nicht auf Rihanna oder David Guetta setzt. Alexandra Wehrmann hat mit Alex Brassel gesprochen.

Alex, warum beendest du das Kapitel Pretty Vacant?

Weil es an der Zeit war, es zu beenden.

Für die Besucher kam das Aus ziemlich plötzlich. Wie kurzfristig hast du deine Entscheidung getroffen?

Sehr kurzfristig, da die Option, dass der gute Geist der Sache überlebt, recht unerwartet in Gestalt von Nico Schiffer (neuer Betreiber der Räumlichkeit, die Red.) quasi vor der Tür stand.

Gab es vorher nie Interessenten, die die Räume an der Mertensgasse übernehmen wollten?

Na ja, es wurde im Laufe der letzten sieben Jahre immer mal wieder mehr oder minder ernsthaft angeklopft. Aber da wollte eigentlich nie jemand ein Pretty Vacant übernehmen, sondern nur einen Raum für ein weiteres Ballermann-/Mainstream-Konzept abgreifen...

Was kannst du programmatisch über deine Nachfolger, die in Paderborn das Cube betreiben, verraten?

Noch nicht wirklich viel. Nur dass wir zumindest ähnlich ticken und sie auf alle Fälle auch Überzeugungstäter sind. Das heißt unser „Biotop des guten Geschmacks" hoffentlich weiterhin pflegen und hegen werden.

Wird nach der Schließung des PVC Ende Januar erst einmal umgebaut oder geht der Betrieb nahtlos weiter?

Es geht erstmal nahtlos weiter bis Karneval, das heißt es werden auch Party-Formate des Pretty übernommen. Nach Karneval kommen die Maler und geben dem den Räumen eine neue persönliche Note. Und im März wird man dann mit neuem Programm durchstarten.

Wird der Laden weiterhin Pretty Vacant heißen?

Nein, die Betreiber werden den Club Cube nennen.

An welche Veranstaltungen im PVC erinnerst du dich besonders gerne?

Puh... nach sieben Jahren und gut 2 000 Veranstaltungen verwässert leider die Erinnerung ein wenig. Jedes Format, sei es nun Indie oder Dubstep, hatte das ein oder andere Highlight. Es gab aber zudem unzählige Live Shows, bei denen der Funke so richtig übergesprungen ist. Mediengruppe Telekommander, Staggers, Die Türen, Epoxies, Dune, Bratze, Friska Viljor, Shit Disco, Tunng... und ganz besonders bei Stefan Honig, Pelle Carlberg, James Cook & Spearmint.

Was bedeutet das Ende des Pretty Vacant für das Programm im The Tube, das du weiterhin betreibst - inwiefern wird sich dort etwas ändern?

Das wird sich zeigen. Das Cube will auch die Indie Crowd versorgen. Und wenn sie es gut machen, dann ist eine weitere beziehungsweise neue Indie-Party im The Tube nicht nötig.

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