Großstadtvogel: Judith Weißenborn

Judith Weißenborn | Foto: Christof Wolff

Drei Fragen. Von Großstadtvogel zu Großstadtvogel. In unserer Porträt-Reihe stellt coolibri euch monatlich bekannte und unbekannte, umtriebige und zurückgezogene, große und kleine, laute und leise Leute vor. Kurzum: All diejenigen, die die Stadt zu einem schöneren Ort machen. Im März ist das Judith Weißenborn, 31, Dramaturgin am Jungen Schauspiel Düsseldorf.

Wie läuft’s in der Stadt?
Stetig im Wandel. Ich bin gebürtige Düsseldorferin und nach meinem Studium und ersten Jobs wieder in der Stadt gelandet. Im Stadtbild hat sich einiges verändert. Orte sind teuren Neubauten gewichen, Subkultur wurde aus der Stadtmitte verdrängt. Sie hat sich aber neue Plätze gesucht, wie auf dem Gelände der Alten Farbwerke in Flingern. Dort haben Cafés, Theatermacher und Musiker ein neues Zuhause gefunden. Oder in Rath findet man im Foyer des Jungen Schauspiels das Café Eden. Bei Konzerten, Kleidertauschbörsen oder Theatervorstellungen treffen hier Menschen aus der ganzen Welt aufeinander. Solche Begegnungsorte machen die Stadt für mich spannend.

Läuft bei dir?
Ich hatte vor einem Monat Premiere mit dem Kinder-Stück „Der kleine Angsthase“. Die Vorstellungen sind super lebendig, die Kinder diskutieren darüber was sie sehen, beziehen Haltung und teilen sie lautstark mit. Besonders schön finde ich, wenn sie an Stellen lachen, die die Erwachsenen nicht verstehen und umgekehrt. Hier entsteht Reibung. Deswegen lausche ich auch gerne nach den Vorstellungen im Foyer, wie sich die Kinder mit ihren Omas, Opas oder Eltern angeregt über Ängste, Angstmacher und Diskokugeln unterhalten. Dann denke ich mir: Theater macht echt Sinn. Wann kommen schon verschiedene Generationen so offen ins Gespräch darüber, was sie bewegt?

Was fehlt zum Lauf deines Lebens?
Im Theater habe ich gelernt: Es gibt nichts, was man nicht auch mit einer Rolle Gaffa-Klebeband hinbekäme.

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