Intellektuell Barrierefrei: Jan Böhmermann im NRW-Forum

Erschwerter Zutritt | Foto: NRW-Forum Düsseldorf / B. Babic

„Wir kommen vom Witz, und da gehen wir auch wieder hin“: Jan Böhmermann eröffnet im NRW-Forum seine Ausstellung „Deuscthland“. Zu betrachten ist, wie unser Chefsatiriker das Land sieht und dies verpackt. Ob eine virtuelle Fahrt durch die Gruselbahn des Zweiten Weltkrieges oder ein Twitterfeed deutscher Abgeordneter, der in Echtzeit gedruckt wird – seine Wurzeln vergisst er auch in der Kunst nicht.

„Ist das noch Satire oder schon Revolution.“ Dieser Satz aus dem Gedicht „Deutschland. Tief durchatmen“, fällt beim Betreten des Ausstellungsraumes als erstes ins Auge. Zuvor wurde das Mobiltelefon eingesammelt. In einem Wärterhäuschen mit der Aufschrift „Passkontrolle“ sitzen zwei gelangweilt aussehende Mitarbeiter in Beamtenuniform und erledigen ebendiese Aufgabe. „Das Kamera- und Handyverbot gilt für alle“, erklärt Böhmermann. „Die Information, die sich im Raum befindet, soll auch dort bleiben. Und nicht, wie alles, was wir sonst machen, verfielfältigt werden.“ Das Besondere an den Exponaten, die Böhmermann in Zusammenarbeit mit der Bildundtonfabrik in seiner ersten musealen Ausstellung präsentiert, ist, dass sie alle noch nie zuvor gezeigt wurden. „Alain Bieber, Leiter des NRW-Forums, ist auf uns zugekommen und hat gefragt, ob wir nicht eine Ausstellung erarbeiten wollen“, erzählt Philipp Käßbohrer. Käßbohrer ist Teil der Bildundtonfabrik, der Produktionsfirma, die auch für das Neo Magazin Royale verantwortlich zeichnet. Sofort sei das gesamte Team von der Idee angetan gewesen. „Wir bewegen uns sonst immer in der Meta-Ebene“, so Böhmermann. „Hier gibt es kein Zeitlimit zum Erfassen der Arbeiten, keine lineare Führung, die eine gewisse Haltung einfordert.“

Seine Sicht: Jan Böhmermann stellt im NRW-Forum aus |Foto: btf/Philipp Käßbohrer

Gegen das Vergessen
Thematisch ist die Sache klar: Die Bundesrepublik macht schwere Zeiten durch, der Polizistensohn aus Bremen kommentiert. „Ich habe mich gefragt, ob dieser „beige“ Zustand, das Leben unter Merkel, etwas ist, was wir schätzen sollten. Oder eher wegwünschen.“ Die Wandergarderobe der Kanzlerin ist zum Anfassen ausgestellt, gepaart mit einer Bildreihe, die Angie beim Bergsteigen mit Ehemann zeigt. Als nächstes: der Reichspark, ein Familien-Urlaubsparadies im Stil einer gewissen holländischen Kette von Feriendörfern, die Erholung und Spaß für alle verspricht. In diesem Fall: im Streichelzoo „Wolfsschanze“, in der Eishalle „Stalingrad Experience“ oder in „Belsenwald-Stutthausen“, dem Erlebnis-KZ. „Gegen das Vergessen“, wie der Slogan im Werbefilm wiederholt, der in Endlosschleife über einen Monitor läuft. Zur Komplettierung des Erlebnisses gibt es einen Virtual-Reality-Ride durch den Führerbunker und zerbombte Städte, inklusive Hitler und Eva Braun, die einem während der Fahrt immer wieder begegnen. „Je mehr Tabuthemen es gibt, desto weniger gibt es“ erklärt Böhmermann. „Ein Thema wird dadurch entschärft, dass plötzlich überall Dinge auftauchen, die mindestens genauso schlimm sind.“ Dadurch werde es immer schwerer, zu schocken und aufzurütteln. Am Ende ist dies gar nicht das Ziel des „Fernsehfuzzis“, wie er sich selbst bezeichnet. „Ich freue mich, wenn bestimme Dinge funktionieren. Wenn das hier drinnen ein bisschen Einfluss hat, auf das da draußen.“ Was das bedeutet, solle jeder selbst herausfinden. „Sie können sich komplett auf die Ausstellung verlassen.“

„Deuscthland“: 24.11. - 4.2.18, NRW-Forum, Düsseldorf