Buchtipp: Wir Kinder der 90er

Lexikon zur Jugendkultur der 90er | © Goldmann, Cover: FinePic, München

Hach, ein bisschen in den kaugummifarbenen Erinnerungen der eigenen Kindheit zu schwelgen, ist doch immer wieder schön. Anlass dazu gibt ein neues Buch aus dem Hause Goldmann: „Wir Kinder der 90er“ heißt es. Die vier Autoren Johannes Engelke, Karin Weber, Maren Ziegler und Jacob Thomas haben sich hingesetzt und in ihrem Erinnerungsfundus gekramt. Herausgekommen ist ein Lexikon von A wie Arschgeweih bis Z wie Zitronenteepulver. 

Der gute alte Gameboy | Foto: Jan Ott

Wie viele Nachmittage haben wir auf dem Bett gelegen und Tetris gezockt, nur für das erhabene Gefühl am Levelende, wenn die pixelige Rakete abhob und man bei sämtlichen Freunden mit dem errungenen Erfolg angeben konnte? Der heutigen Generation von Kindern, die mit Smartphones, Laptops und Tablets aufwächst, erschließt sich vermutlich gar nicht mehr, was dieser graue Klotz namens Game Boy für eine immense Faszination ausübte. Mit dem gleichförmigen Gedudel machten wir unsere Eltern wahnsinnig und die strikt begrenzten Spielzeiten sorgten für den ein oder anderen häuslichen Wutanfall. Schließlich konnte man beim ersten Super Mario Land die Spielstände noch nicht sichern und musste nach dem Abschalten des Geräts ganz von vorne anfangen. 

Stickeralben, Center Shocks und Diddl-Mäuse

Und der Gameboy ist nur ein Eintrag innerhalb des Potpourris an Alltagsgegenständen, die das Verfasserteam im Lexikon beschreibt. Selbst in ihren Mittdreißigern, sind die Autoren Experten auf dem Gebiet der 90er. Mit ihren Texten schicken sie die Leser zurück in die eigene Schulzeit, in eine Zeit, als auf dem Pausenhof noch Sticker getauscht wurden. Hoch im Kurs standen dabei die mit Stoff überzogenen Tiersticker oder solche, die im Dunkeln leuchteten. Nach der Schule lief man zur Bude, um sich mit Center Shocks einzudecken. Diese mega-sauren Kaugummis waren nur etwas für die ganz Harten. Wer als Erster das Gesicht verzog, hatte verloren. Neben zauseligen Furbies und quengelnden Tamagotchies zogen auch noch dickfüßige Diddl-Mäuse ins Kinderzimmer. 

Bum-Bum-Eis | Foto: Jan Ott

99 Flashbacks in die eigene Kindheit

Für solche und ähnliche Flashbacks in die eigene Kindheit sorgt das 90er-Lexikon. Zudem führt die Lektüre zur Häufung von Aussagen wie: „Stimmt, das hatte ich auch“, „Wir dachten, das sei megacool“ und „Ich weiß gar nicht mehr, warum ich Schnullerketten damals so klasse fand“. Insgesamt 99 Dinge haben die Autoren versammelt, an denen man in dem Jahrzehnt einfach nicht vorbei kam. Unter dem Buchstaben B finden sich beispielsweise Einträge zu Buffalos, Baggy Pants, Bravo Hits und Bum-Bum-Eis. Der Blick der Autoren ist, bedingt durch den zeitlichen Abstand, ein leicht ironischer, aber dennoch schauen sie mit viel Liebe und Begeisterung zurück. Dabei gelingt ihnen eine gute Ausgewogenheit zwischen erläuternder Ausführlichkeit und präziser Kürze: Die Texte sind gerade so lang, dass sich auch Unwissende in der Welt der 90er zurechtfinden und so kurz, dass es Eingeweihten nie langweilig wird. Dazu ein flapsig munterer Sprachstil, der zum Verweilen und Schmökern einlädt. Viel Mühe hat sich der Verlag auch beim Layout gegeben: Ganzseitige Fotos bilden das Pendant zu den Textanteilen, sodass das Jahrzehnt nicht nur vor dem inneren Auge wiederaufersteht. Ein Muss für alle Neunziger-Kids. Lina Niermann

Noch mehr 90er:

5.8., KöPi-Arena, Oberhausen

Musik-Götter statt Diddl-Mäuse: 90er-Party in der KöPi-Arena

Buffalos, Arschgeweih, Diddl-Mäuse: Die 90er-Jahre haben viele Monstrositäten hervorgebracht. Allerdings gab es auch Genialitäten: und zwar die Musik! Die ganz großen Helden, die Ikonen, die Avantgarde, ach was, die Musik-Götter der 90er haben sich nun zusammengeballt und zerlegen Anfang August die KöPi-Arena in Oberhausen! [mehr...]