Nachruf auf Jörg Lange

| Foto: Mathias Kehren

6. Dezember 2013. Tief Xaver ist gerade durch, über Nacht überrascht der erste Schnee des Winters die Wuppertaler. Gegen Mittag bewegen sich schätzungsweise 200 Menschen ganz langsam über einen Waldweg. Der Wald ist Teil eines Friedhofes. Als aufkommender Wind den Schnee von den Bäumen auf die Köpfe der Leute weht, wechselt sich hier und da die Traurigkeit mit kindlicher Fröhlichkeit ab.

Der Fotograf Jörg Lange hätte es geschafft, diese sonderbare Stimmung als Foto festzuhalten. Auch die unwirkliche Atmosphäre vorab, als im Eingangsbereich der Kapelle wegen technischer Störungen die Trauerreden nur stark unterbrochen übertragen werden und viele mit fragendem Blick oder gerecktem Kopf zurücklassen, hätte er abzulichten gewusst.

Dieses Gespür fürs Besondere hatte er nicht nur bei Motiven, sondern auch bei Menschen. Deshalb wog Gehalt immer schwer, mit Gerede musste man ihm nicht kommen. Jörg Lange hat als Fotograf und Mensch immer weit über den Tellerrand hinausgeschaut; die vielen, vielen Menschen, die er dadurch kennenlernte, hat er nie aus beruflichem Kalkül vernetzt, sondern weil er jeden einzelnen mochte. Bis zuletzt hat der Schwerkranke eine enorme mentale Stärke gezeigt, und nicht wenige hatten vermutlich sein ironisches Grinsen vor Augen, als bei seiner Trauerfeier wie von ihm gewünscht „Boys Don’t Cry“ gespielt wurde.

Das coolibri-Team und die Bürogemeinschaft Bayreuther Straße haben einen lieben Kollegen und einen wertvollen Mensch verloren.