Sorgen wegen SothA: Sozialtherapeutische Anstalt in Bochum

Der erste Spatenstich | Foto: BLB NRW / Keller

Nach vielen Verzögerungen war es jetzt soweit: In Bochum erfolgte der erste Spatenstich für die neue Sozialtherapeutische Anstalt (SothA) an der JVA Krümmede. Dort sollen ab Ende 2019 verurteilte Sexual- und Gewaltstraftäter unterkommen. Davon sind die Bochumer sind nicht gerade begeistert. Der Leiter der kommende SothA will die Vorbehalte abbauen.

Anfang November fiel mit dem Spatenstich der Startschuss zum Bau der SothA – zwei Jahre später als geplant. „Das erst nachträglich in die Planung eingeflossene gemeinsame Pfortengebäude sowie Fragen im Zuge der Auftragsvergabe hatten den Beginn der Bauarbeiten verzögert“, erklärt Rebecca Keller, Pressereferentin des zuständigen Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB) NRW. Die SothA wird nicht nur in direkter Nachbarschaft des Krümmede gebaut, sondern soll sich mit ihr auch einen Eingang teilen. "Dadurch dass gleiche Abläufe beim Betreten und Verlassen der Anstalten an einer Stelle gebündelt werden, kann die spezifische Sicherheitstechnik von beiden Anstalten gemeinsam genutzt werden. Das schafft Synergien und spart langfristig Kosten", sagt BLB-Leiter Markus Vieth.

Natürlich wird nicht der bestehende JVA-Eingang genutzt, sondern ein neuer Eingang gebaut – zeitgleich mit den Gebäuden der SothA. Der entsteht in unmittelbarer Nähe zur neuen Parkpalette, links vom aktuellen Eingang. An der Zuwegung ändert sich nix: Sie erfolgt weiter über die Krümmede. Nicht nur der Eingang wird derzeit gebaut. Für die SothA entstehen ein Verwaltungstrakt, ein viergeschossiges Hafthaus und ein zweigeschossiges Werkstattgebäude. Alle Gebäude sollen eine helle Ziegelfassade erhalten. Dort werden dann etwa 100 Bedienstete arbeiten und die Häftlinge auf ein Leben in Freiheit vorbereiten, da die SothA eine Entlassanstalt ist.

Besorgte Bürger

Die neue Anstalt stößt in Bochum nicht nur auf Begeisterung: „Warum mitten in einer Stadt??? So etwas gehört weit weit aufs Land.“, „Das hat uns noch gefehlt ....“, „Super Idee! Vor Allem weil sie die alten "normalen" Knastis nicht im Griff haben....“ und „Na wenn der genau so unsicher, wie der alte Knast ist wo man rein und raus spazieren kann, dann mal Prost Mahlzeit... sind nur einige der Kommentare, die man in der Facebook-Gruppe „Du weißt Du bist Bochumer wenn…“ lesen kann.

Die Sorgen kommen nicht von ungefähr: Erst 2016 kam es in der Nähe der Ruhr Universität zu zwei Vergewaltigungen. Ebenfalls in die Köpfen präsent: Die Bochumer JVA stand schon öfter wegen entflohener Sträflinge in der Presse. Beispiele gefällig? 2011 ist ein Untersuchungshäftling durch eine offene Dachluke entkommen. Kurz darauf wurde ein anderer Häftling aufgrund einer schweren Kopfverletzung in einem Krankenhaus behandelt. Da er nicht bewacht wurde, konnte er fliehen. 2013 ist ein Untersuchungshäftling durch den Haupteingang rausspaziert, weil er an eine Besuchermarke kam. Solche Vorfälle sorgen nicht gerade für gesteigertes Vertrauen der Bürger. Das will Alwin Molitor, Leiter der SothA Gelsenkirchen gewinnen.

So soll die SothA aussehen. | Visualisierung: agn Niederberghaus & Partner GmbH

Molitor zieht mit seiner SothA nach Bochum, da die Gelsenkirchener Anlage marode ist. Trotzdem kann er kaum von Ausbrüchen erzählen. „Wie mir von „altgedienten“ Beamten berichtet wurde, ist Ende der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts, also vor dreißig Jahren, ein Insasse aus der Werkstatt und ein Insasse aus dem Hafthaus ausgebrochen. Es wurden anschließend bauliche Veränderungen vorgenommen, sodass eine Wiederholung nicht möglich war“, erzählt Molitor. Aber die SothA setzt nicht nur auf dicke Mauern: „Neben den genannten Veränderungen gibt es insbesondere eine soziale Sicherheit, die durch die therapeutische Nähe entsteht. Es gelten ansonsten in der neuen Anstalt die Sicherheitsmaßnahmen des geschlossenen Männervollzugs mit entsprechender Außenmauer und Kontrolle.“

In Gelsenkirchen war die Anstalt wohl kein Aufreger. Auf die Frage, wie das Echo der Einwohner ist, erklärt Molitor: „Die Sozialtherapeutische Anstalt Gelsenkirchen liegt mitten in der Altstadt in einem Wohngebiet und einem Krankenhaus auf der anderen Straßenseite. Die Lage lässt sich als ruhig und unauffällig bezeichnen.“ Sebastian Ritscher