Sicherheit auf dem Weihnachtsmarkt: Der Pott rüstet auf

Das Konzept für den Essener Weihnachtsmarkt wurde bereits im Sommer getestet. | Foto: EMG GmbH

Ein Attentäter rast mit einem Lastwagen in die Besuchermenge, 11 Menschen sterben, 55 weitere werden verletzt  – seit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im vergangenen Jahr hat das entspannte Schlendern mit Glühwein in der Hand einen bitteren Beigeschmack erhalten. Der allgemeine Tenor in diesem Jahr: Die Weihnachtsmärkte müssen besser geschützt werden. Auch im Ruhrgebiet haben Städte, Polizei und Weihnachtsmarktbetreiber an Sicherheitskonzepten gefeilt und im Vergleich zum Vorjahr deutlich aufgestockt. 

Essen setzt auf 70 Betonblöcke und Container-Schikanen

Betonsperren mit Stahlseilen | Foto: Concepts Event

Bereits seit März arbeitete die Essen Marketing GmbH zusammen mit den Behörden am Sicherheitskonzept des Weihnachtsmarktes. Der Vorteil dieser frühen Planung? Das beschlossene Konzept konnte bereits im September beim Festival „Essen.Original“ getestet werden. Das Festival hatten die Planer ausgewählt, weil die räumliche Ausdehnung in der Essener Innenstadt der des Weihnachtsmarktes stark ähnelt. „Die Generalprobe hat ausgezeichnet geklappt“, erzählt Dieter Groppe, Geschäftsführer von Essen Marketing. Laut Groppe soll das Sicherheitskonzept den Verkehr möglichst wenig einschränken und dennoch die höchstmögliche Sicherheit bieten. Konkret bedeutet das: Aufstellung von 70 Betonblöcken an 17 Orten. Die Sperren sollen die Zufahrt zum Gelände verhindern bzw. regeln. Deshalb wurden drei unterschiedliche Arten von Sperrblöcken eingerichtet. Fest installierte Sperrungen verhindern an insgesamt vier Punkten die Durchfahrt vollständig. An anderen Stellen werden Stahlseile zwischen Blöcke gespannt, die bei Bedarf z. B. für den Lieferverkehr geöffnet werden können. An fünf Standorten stehen die Betonblöcke auf Hubwagen und bleiben damit mobil. Im Fall eines Rettungseinsatzes können diese Sperren schnell aufgehoben werden, um Krankenwagen, Feuerwehr und Polizei durchzulassen.

Die größte Sorge bereitete den Planern die I. Hagen. Die Straße mündet in den Kennedyplatz, dort wo die zweite große Ansammlung an Ständen stehen wird. Bei einem geplanten Attentat könnte die geradlinige Straße als Anlaufstrecke zur Beschleunigung genutzt werden. Deswegen hat man sich hier entschlossen, eine zusätzliche Schikane aus mit Sand befüllten Containern aufzustellen. In dieser Zone gilt außerdem während der Weihnachtsmarktsaison (23.11.-23.12.) absolutes Halte- und Parkverbot. Insgesamt kostet das Sicherheitskonzept die Stadt Essen rund 110.000 Euro, wobei die Personalkosten den Löwenanteil ausmachen.

Duisburg verrät nichts

Die Weihnachtsmarktbetreiber in Duisburg lassen sich nur bedingt in die Karten schauen. Laut des Veranstalters Duisburg Kontor existiert für den Duisburger Weihnachtsmarkt ein umfangreiches Sicherheitskonzept, das bereits im vergangenen Jahr nach dem Anschlag in Berlin deutlich verstärkt worden ist. Mit einer Mischung aus festen und mobilen Sperren soll die Sicherheit der Besucher gewährleistet werden. Außerdem wird die Anzahl an Sicherheitskräften neben der vorhandenen Präsenz von Polizei und Ordnungsbehörden deutlich ausgeweitet. „Details werden aus sicherheitstaktischen Gründen nicht bekannt gegeben“, erklärt Patrick Kötteritzsch, Pressesprecher von Duisburg Kontor.

Bochum macht dicht

Bochum schließt die Zufahrtswege ab. | Foto: Bochum Marketing GmbH, Michael Grosler

In Bochum macht man es sich unterdessen leicht und riegelt den gesamten Bereich des Weihnachtsmarktes großräumig ab. In diesem Jahr wird rund um die Kortumstraße kein einziges Fahrzeug durchgelassen. Das betrifft auch den Boulevard: Selbst die Linienbusse werden zwischen dem 23.11. und 23.12. umgeleitet. Das hat für den Weihnachtsmarkt den Vorteil, dass auf dem Boulevard die Buden nicht zu den Schaufenstern hin ausgerichtet sind und erstmals eine Platz-Atmosphäre geschaffen wird.

Dortmund sperrt mit Beton und Lastwagen

Die letzten Vorbereitungen in Dortmund laufen. | Foto: Lina Niermann

 „Unser Sicherheitskonzept fußt auf drei Säulen“, erklärt Ulrich Finger, Bereichsleiter des Tiefbauamtes der Stadt Dortmund auf der Pressekonferenz zum Dortmunder Weihnachtsmarkt. Neben festen Betonsperren sind mobile Sperren aus geparkten LKW sowie Einfahrverbote für Lastwagen geplant. Konkret sieht das Konzept vor, dass an 15 Standorten innerhalb der Innenstadt Zufahrtswege mit 2,5 Tonnen schweren Betonblöcken inklusive Antirutschboden gesichert werden. Eingerichtet wird diese Art von Sperren u. a. an der Kleppingstraße, am Brüderweg, am Westentor sowie an der  Hansa- und der Kampstraße. An acht der 15 Stellen kombiniert man die Betonblöcke außerdem mit geparkten LKW. „Die Sperren aus LKW und Betonblöcken sind innerhalb von Sekunden abbaubar“, sagt Dirk Aschenbrenner, Direktor der Feuerwehr Dortmund. Durch das Zurücksetzen der geparkten Fahrzeuge könnten Flucht- und Rettungswege unverzüglich freigemacht werden.

Während der gesamten Laufzeit des Dortmunder Weihnachtsmarktes (23.11.-30.12.) besteht außerdem zwischen 13 und 23 Uhr ein Einfahrverbot für Lastwagen: LKW dürfen den Wall sowie die in diesem Gebiet liegenden Straßen nicht befahren. Warum erst ab 13 Uhr, wo der Weihnachtsmarkt doch schon um 10 Uhr beginnt? „Wir haben versucht, einen adäquaten Kompromiss zwischen Sicherheit auf der einen Seite und dem normalen Lieferverkehr auf der anderen Seite zu finden“, erklärt Ulrich Finger. Deshalb habe man sich auf die Kernzeiten ab 13 Uhr verständigt. Insgesamt belaufen sich die Kosten für die technischen Sicherheitsmaßnahmen auf rund 40.000 Euro.

Auch die Polizei hat aufgestockt. Die genaue Einsatzstärke wollte Polizeidirektor Edzard Freyhoff nicht verraten. Nur so viel: Während des Weihnachtsmarktes wird deutlich mehr Präsenz gezeigt. Neben zivilen Polizeistreifen, die sich unter die Besucher mischen, werden auch Kräfte mit Maschinengewehren und Schutzwesten unterwegs sein. 


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