Warum der Hype um die Einhorn-Schokolade?

Kein Einhorn-Produkt ohne Hype | Produktfoto: © Ritter Sport

Dieses verrückte Internet. Es besteht aus stillstehenden, lebenden Mannequins, lustig-lachenden Chewbacca-Masken, jeder Menge Memes, Gifs und natürlich aus Einhörnern. Einhorn-Emojis, Einhorn-Instagram-Posts und Einhorn-Schokolade. Moment. Einhorn-Schokolade? Wer kommt denn auf diese Idee? 

Das Traditionsunternehmen Ritter Sport aus Cannstatt landete mit der „Limited Edition“ einer pink glitzernden Einhorn-Schoki einen Social-Media-Hype, einen viralen Hit und einen PR-Coup. Auf jeden Fall auf den ersten Blick. Beim genaueren Hinschauen gab es nach dem — im wahrsten Sinne des Wortes — Candystorms es auch donnernden Shitstorm.Es begann Anfang November, als Ritter Sport via Facebook verkündete, es werde eine Einhorn-Edition der rechteckigen Süßigkeit geben, in geheimer, limitierter Stückzahl — der Hashtag zum Produkt: #glittersport. Glitzernd, rosa mit einem süß gezeichneten Fabelpferd auf der Verpackung. "Quadratisch, magisch, gut.", lautete der Slogan. Es dauerte nur wenige Stunden, bis die Schoki vergriffen war – online, aber auch im Fabrikverkauf und im Berliner Flagship-Store. Die Nachfrage war gigantisch. "Wir haben zwar mit großer Begeisterung gerechnet, aber das haben wir dann doch nicht erwartet: durch den großen Ansturm ist unser Webshop zur Zeit leider nicht erreichbar", erklärte die Firma im Netz.

Hoffnung auf ein besseres Morgen

Was ein Wirbel um die weiße Schokolade mit rosa Schichten und Sprenkeln. "Hinter dem ganzen Hype steht etwas, das gesellschaftlich ein absolutes Sehnsuchtsfeld ist", erklärte Peter Wippermann der Süddeutschen Zeitung. Wippermann lehrte lange Jahre als Professor für Kommunikationsdesign an der Universität Duisburg-Essen und sagte, Ritter Sport habe Sehnsucht in ein Produkt gegossen: "Die Kunden haben mit der Einhorn-Schokolade das Gefühl, sie könnten Hoffnung essen." Die Hoffnung, auch eine dieser Tafeln Hype-Süßkram zu bekommen, wandelte sich allerdings bei den Fans sehr schnell in Frust. Die Kommentare bei Facebook und Instagram kamen mit unter auch aus einer höllischen Fabelwelt und waren alles andere als fabelhaft. "Quadratisch. Praktisch. Im Bau.", teilte der Hersteller mit, nachdem die Server dem Ansturm auf die Einhörner nicht Stand halten konnten.

"Es geht um die kindliche Naivität, Hoffnung haben zu können angesichts eines Alltags, den Horrorszenarien und dystopische Vorstellungen dominieren. Das Einhorn symbolisiert die kindliche Freude an einem guten Ausgang der Geschichte", so der Kommunikationsdesigner.

150.000 Tafel produzierte Ritter Sport in einem zweiten Gang Mitte November nach. Und wieder: In 20 Minuten war die Edition vergriffen. Und wieder war der Webshop nicht erreichbar. Immerhin: Wer Heißhunger auf die weiße Schokolade mit Joghurt und Himbeer-Cassisgeschmack hat, wird bei Ebay fündig. Für 20 Euro im Sofort-Kauf statt 1,99 Euro. Oder irgendwann im Dezember. Dann will Ritter Sport noch mal nachlegen.