urbanatix: Fortsetzung folgt!

| Foto: Frank Oppitz

"Notfalls stellen wir ein Zelt auf"

Das Interesse im Ruhrgebiet an der Street-Artistik-Show urbanatix ist weiter ungebrochen. Knapp 16 000 Zuschauer sahen die 15 Shows der dritten Staffel "CloseUp" in der Bochumer Jahrhunderthalle. Die Mischung zwischen regionalem Nachwuchs und internationalen Profis passte auch 2012.

Regisseur Christian Eggert erklärt im Interview das Erfolgsrezept, gibt einen Einblick in den Backstage-Bereich und nennt die Voraussetzungen für eine neue, dringend benötigte Trainingsstätte.

 

urbanatix-CloseUp ist mit einem neuem Besucherrekord zu Ende gegangen. Wie erklärst du dir die stete Popularität der Show?

Für mich steht urbanatix für das „Urbane“, das „X“ im Namenszug dagegen für das „Crossing over“. Ich glaube es ist genau dieser temporeiche und außergewöhnliche „Crossover“ von moderner Bewegungskunst, Street-Artistik, Tanz, Musik und Videoperformance, der urbanatix so attraktiv für den Zuschauer macht. Wir zeigen akrobatische Höchstleistungen in einer Form, die in Deutschland nur wenig bekannt ist, da man hier Artistik meist nur mit dem herkömmlichen Zirkus oder dem Varieté-Theater in Verbindung bringt. Moderne Bewegungskunst ist aber weit mehr.

Hier werden Geschichten erzählt und neben artistischen Elementen auch Elemente aus dem Tanztheater und benachbarten Disziplinen in die Choreographien eingebunden. Diese grundsätzliche Offenheit macht moderne Bewegungskunst so interessant, deswegen passt der Crossover zur Street-Artistik, urbanen Tanzstilen, moderner Musik und Videoperformance auch so gut ins Konzept. Dass der Funke zum Publikum immer so überspringt ist aber sicherlich dem ansteckenden Enthusiasmus unserer Street-Artisten zu verdanken. Ich kenne ein Kind, das nicht mehr nur einfach Fahrrad fährt, sondern sagt: „Ich gehe urbanatixen“.

Dem 90-minütigen Programm gingen nur drei gemeinsame Probentage aller Artisten voraus. Ein Balanceakt zwischen Wahnsinn und Vertrauen?

Ja, das ist schon jedes Mal der Wahnsinn und klappt nur mit einem hoch motivierten Team, das von der Sache überzeugt und bereit ist über die eigenen Grenzen zu gehen. Die Street-Artisten gehen ja meist noch zur Schule, sind in der Ausbildung, gehen zur Arbeit oder studieren. Viele Bühnenproben können dadurch erst am späten Nachmittag oder Abend angesetzt werden, dadurch wird es für alle immer sehr spät.

Beschreibe den künstlerischen Austausch von Profis und regionalen Künstlern hinter den Kulissen?

Die Zusammenarbeit zwischen den internationalen Künstlern und den Street-Artisten hinter den Kulissen ist etwas, was der Zuschauer ja leider nicht sieht – vielleicht spürt das Publikum aber den besonderen „Groove“ der gesamten Cast, der nicht nur durch die gemeinsame Probenphase im Vorfeld der Shows, sondern auch durch den intensiven künstlerischen Austausch im Backstage-Bereich zustande kommt. Die internationalen Profis sind immer total begeistert vom artistischen Potential unserer Street-Artisten und der Leidenschaft, mit der diese bei der Sache sind. Wir haben da hinter den Kulissen gemeinsam jede Menge Spaß und erleben die spannendsten Sachen.

Dieses Jahr haben die internationalen Künstler den Street-Artisten fast täglich vor den Shows Workshops gegeben: Ob im Bereich Hand-auf-Hand-Akrobatik, Trapez-Artistik oder Akrobatik am Chinese Pole – da war für jeden etwas dabei und alle waren mit Feuereifer bei der Sache. Nicht nur die Street-Artisten haben dabei viel von den internationalen Profis gelernt, auch die internationalen Künstler haben sich an neuen Requisiten ausprobiert und den Backstage-Bereich als eine Raum erlebt, die mit einer Energie und Spielfreude beseelt war, die viele der Profis wieder zurück zu ihren Wurzeln geführt hat.

Die Termine für eine Fortsetzung der Show stehen bereits fest. Wo werden die Street Artisten nach dem Abriss der Marienkirche in Zukunft trainieren?

Vom 15. bis 24. November 2013 werden wir wieder in der Jahrhunderthalle spielen. Wo wir in Zukunft trainieren werden, wissen wir momentan leider noch nicht. Als Trainingsstätte wäre prinzipiell eine Industriehalle geeignet, da wir mindestens eine Fläche von 800 qm und eine Raumhöhe von 7-8 m benötigen. Außerdem müsste diese Halle, um für urbanatix geeignet zu sein, gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sein, denn unsere Street-Artisten kommen aus ganz NRW und haben meist kein Auto. Die Marienkirche, unsere alte Traininglocation, war perfekt geeignet, auch weil sie fußläufig vom Hauptbahnhof aus erreichbar war.

Doch es hat keinen Zweck, jetzt den Kopf hängen zu lassen. Wir blicken optimistisch in die Zukunft und wollen im März 2013 wieder mit dem Training beginnen. Bis dahin müssen wir einen neuen Trainingsort gefunden haben – wir sind da auch für ungewöhnliche Vorschläge offen! Notfalls stellen wir auch ein Zelt auf.

Wie laufen die Arbeiten am Filmprojekt „urbanatix – Basix Of Life“ und für wann ist die Kinopremiere geplant?

Anfang Dezember fahren wir nach Hamburg und treffen dort die Produzenten von „Goodlands Film“, Drehbuch Autoren sowie 3D-Spezialisten, um uns über den Stand der Dinge auszutauschen. Das ist ein spannendes und neues Aufgabenfeld für uns, wir sind selber gespannt wie es weitergeht und hoffen, dass der Film 2014 in die Kinos kommen wird.