Umfrage: WG-Leben

Im Herbst quillen WG-Suchmaschinen und Internetportale regelmäßig über. Auf verzweifelte Anfragen folgen abgedrehte Castings und neue Bekanntschaften. Das Zusammenleben mit zunächst häufig völlig Fremden birgt so manche Überraschungen. Nele Posthausen hat ergründet, was hinter verschlossenen Türen von auf den ersten Blick harmonisch wirkenden Wohngemeinschaften in Wirklichkeit abgeht.

Dorothea (20) in Tübingen

Im Winter wollte ich meine Wanderstiefel fetten. Dazu muss man sie natürlich erst mal ein bisschen aufwärmen. Ohne groß drüber nachzudenken, habe ich also die Stiefel in den Backofen gestellt. Dann habe ich mich wieder in mein Zimmer gesetzt, um zu lesen. Und habe  die Wanderstiefel wohl irgendwie vergessen. Nach fast einer Stunde kam meine total panische Mitbewohnerin rein und hat mich gefragt, ob die qualmenden, stinkenden Schuhe im Backofen mir gehören. Sie waren völlig hin, total eingelaufen und die Sole geschmolzen.

Moritz (25) in Essen

Wir hatten ein paar Kommilitonen in unserer Zweier-WG zu Besuch. Eigentlich sollte das die Lerngruppe für Physik 1 sein, aber wir waren nur  mäßig motiviert. Einer der Jungs hatte einen Mini-Football dabei, also zockten wir lieber eine Runde. Die Fenster hab' ich lieber zugemacht, weil ich dachte „Nicht, dass der Ball raus fliegt.“ Und zack saust er ins Fenster. Die Scheibe ist zerbrochen – der Ball aber ist abgeprallt und drinnen geblieben. Ich habe später einfach Pappe davor geklebt und eine Sonne drauf gemalt, so hat in unserer Küche immer die Sonne geschienen. Damit haben wir sogar einen Winter überstanden.

Katharina (22) in Essen

Ich habe jetzt drei Jahren mit dem schlimmsten Mitbewohner zusammen gewohnt. Heute zieht er aus! Der Gipfel unseres Zusammenlebens war eine Geburtstagsfeier. Wir hatten alle super viel Spaß, nur der seltsame Kerl blieb in seinem Zimmer. Um 2 Uhr wurde die Party von der Polizei aufgelöst, weil es zu laut war. Am nächsten Morgen wurden wir dann wach, weil wir in unserer Küche Glas zerspringen hörten. Da steht der Griesgram da und wirft vor lauter Frust mit leeren Bierflaschen. Hinterher hat uns der Hausmeister gesagt, dass er ihn die ganze Nacht terrorisiert hätte und schließlich selbst die Polizei gerufen haben muss.

Ali (24) in Papenburg

Nach dem Abitur gab es eine Abschlussparty, auf die mich zwei Freunde mitgenommen haben. Die meisten waren alle in einem Jahrgang. Es war sogar die Schulstreberin eingeladen – halt ein Mädel, das total gut behütet war und wahrscheinlich vorher nie getrunken hat. Sie hat aber voll mitgetrunken und war dann ziemlich stramm. Sie ist auf die Toilette gegangen, und da muss sie wohl ein Virus überkommen haben. Nachdem das Mädchen bereits aus der Tür raus und nach Hause gerannt war, wurde ich zum Klo geschleppt: Ich sollte mir ansehen, was passiert war. Überall war Kot und Kotze. Sie hatte wohl Brechdurchfall. 

Anastasia (22) in Bochum

Vier Kumpels von mir haben die typische Party-WG. Da wird ständig gefeiert. Und das Lustigste ist, dass jedes Mal irgendwelche Leute in Zimmern aufwachen, in die sie nicht  gehören. Mir ist es selbst mal passiert, dass ich dort auf einer Feier war und am nächsten Tag bei einem der Jungs im Zimmer aufgewacht bin. Erst mal war ich völlig verwirrt, wo ich überhaupt war und habe mich lieber schnell raus geschlichen und bin nach Hause. In der Nacht lief natürlich nichts. Aber die Freundin des Zimmerbewohners fand es gar nicht lustig.

Simon (21) in Dortmund

Wie es öfter mal so ist, hatten ich und meine zwei Freunde spontan Besuch in unserer Wohnung. Es waren schon ziemlich viele Leute da und ich bin auch abends echt betrunken ins Bett. Als ich am nächsten Morgen aufgewacht bin, stand da auf einmal ein Einkaufswagen mitten in meinem Zimmer. Ich hatte keinen Schimmer, wie er da hingekommen ist. So ein Ding ist ja auch echt groß und sperrig. Nach der ersten Verwunderung habe ich dann aber einfach angefangen, meine Klamotten reinzulegen. Rechts die Dreckwäsche, links die sauberen Sachen. So ist er zu einer Art multifunktionalem Kleiderschrank geworden. 

Romina (23) in Cádiz

 In meinem Auslandssemester in Andalusien habe ich in einer Vierer-WG gewohnt. Mit einer meiner Mitbewohnerinnen habe ich mich aber von Anfang an nicht so gut verstanden. Ständig hat sie neben meiner Zimmertür mit ihrem Freund per Skype gestritten. Super anstrengend. Das Beste war aber, als eine Freundin von mir zu Gast war. Wir haben alle drei in der Küche gesessen, und da sagt meine Mitbewohnerin auf einmal völlig unvermittelt und total ernst: „Gut dass von euch keiner Margarine mag. Da brauche ich wenigstens keine Angst haben, dass mir jemand meine Margarine weg isst.“

Philip (26) in Essen

Bei uns hat sich die Marotte eingeschlichen, dass jeder Mitbewohner, der betrunken nach Hause kommt, was Lustiges mitbringt. Einer hat mal einen Vogelkäfig von der Straße mitgebracht. Der war natürlich leer. Er stand einfach in unserem Wohnzimmer herum, bis der Mitbewohner Geburtstag hatte. Freunde haben ihm einen ausgestopften Vogel geschenkt. Der hatte sogar ein Zertifikat, dass er eine echte neuseeländische Bachstelze war. Er wurde Pauli getauft und war ein echt super Haustier, total ruhig. Nur irgendwie ist Pauli öfter mal ausgebüchst und dann morgens vor der Zimmertür unserer etwas schreckhaften Mitbewohnerin wieder aufgetaucht.

Ann-Sophie (20) in Marburg

Als ich mir WGs angeschaut habe, war eine dabei, die ging echt gar nicht. Ich kam rein, und es war total düster und eng. Es haben fünf Leute auf ungefähr 35 qm gewohnt, und es gab fast keine Fenster. Um aufs Klo zu kommen, musste man auch noch durch eins der anderen Zimmer laufen. Außerdem waren die Leute alle ein total schräger, zusammengewürfelter Haufen. Bei meiner Besichtigung saßen sie noch halb am Frühstückstisch. Die Situation war furchtbar unangenehm und ich hab mich die ganze Zeit gefragt, wie ich da rauskomme. Irgendwann meinte ich einfach: „Ich muss jetzt noch zu einer anderen Besichtigung, tut mir leid.“

Vera (30), Anette (24), Vildan (23) in Essen

Bis vor ein paar Tagen waren wir drei eine Wohnheim-WG. Bei uns war aber wirklich immer alles super. Eigentlich komisch, weil wir total zusammengewürfelt wurden und uns ja auch hätten gar nicht verstehen können. Unser einziger Streitpunkt war, dass Vera die Heizung immer runter gestellt hat. Sie schläft bei 15° C, und tagsüber hat sie gern so 19° C. Für Annette und Vildan dagegen ist 25° C Wohlfühl-Temperatur. Deshalb ist man immer nur in Decken eingemummelt bei Vera ins Zimmer gegangen. Seit sie ausgezogen ist, wohnen wir in einer richtig schön stickigen, warmen Bude.