Wie ist die Idee zum U-TOPIA-Festival denn überhaupt entstanden?
Ich bin schon recht lange Veranstalter im Bereich der elektronischen Musik. Vor zehn Jahren habe ich das Künstlerkollektiv „Sternschaltung“ gegründet, wo wir mit Veranstaltungen ungewohnte Wege gehen wollten. 2004 haben wir dann zu den „Internationalen Kulturtagen“ in Dortmund eine Veranstaltung organisiert, wo wir deutsche und Schweizer Künstler für eine Festivalserie zusammengebracht haben. Über vier Wochen haben wir damals in der Phoenixhalle ein Programm gemacht. Das war die Geburtsstunde für das, was später kam. Daraus haben sich Veranstaltungen wie Electronic Baltikum entwickelt, wo wir mit dem Museum Ostwall, dem Künstlerhaus und der Phoenixhalle zusammengearbeitet haben. Das lief immer im Zusammenhang mit Ausstellungen.
Mit der von dir veranstalteten Audiodigitale gab es ja auch einen direkten Festivalvorläufer, der in eine ähnliche Kerbe geschlagen hat.
Als klar wurde, dass das U ein „Zentrum für Kunst und Kultur“ werden sollte, stand ich irgendwann mit Dr. Inke Arns vom HartwareMedienKunstVerein (HMKV, d. Autor) in der Phoenixhalle, und habe mit ihr darüber gesprochen, dass dann ein großes, internationales Festival hermüsste. Das war im Sommer 2008. Im Herbst 2008 haben wir die erste Audiodigitale gemacht, das war der Vorläufer von U-TOPIA. Auch da war der Netzwerkgedanke schon fest verankert. 2009 konnten wir zur Ausstellung Wach sind nur die Geister noch einmal etwas in der Phoenixhalle organisieren.
Wieso schien die Sache dann ausgerechnet zum Kulturhauptstadtjahr ins Stocken zu geraten?
2010 wollten wir mit der Audiodigitale dann ins U gehen, was sich damals aber sehr schwierig gestaltet hat. Es gab halt viele Unbekannte – die räumliche und die Kostensituation. Trotzdem haben wir mit den Budapest Nights eigentlich die erste „richtige“ Veranstaltung am Dortmunder U gemacht. Der HMKV hat die erste Ausstellung eröffnet und wir haben im Auerbachs Keller DJs, Musiker und VJs aus Budapest präsentiert.
Inwiefern kann das U von einer Veranstaltung wie dem U-TOPIA-Festival profitieren?
Das Dortmunder U hat Strahlkraft, es kann international strahlen! Natürlich erfüllt das Festivalkonzept viel für das U, aber das U erfüllt auch viel für das Festivalkonzept! Es ist die perfekte Location dafür, es kommt alles zusammen: Kunst, Kreativität und Technolgie wird von uns mit Popkultur und Musik kombiniert. Damit schaffen wir einen breiten Zugang für die Menschen. Wir ergänzen das, was ohnehin schon vorhanden ist.
Ist der neue Festivalname eigentlich nur dem neuen Standort geschuldet oder steckt mehr dahinter?
Der Name Audiodigitale fügte sich nicht gut ins U ein, weil er keine richtige Verbindung geschaffen hat. Außerdem haben wir ja auch mehr vor, als ein Konzert mit elektronischer digitaler Musik. Wir wollen Visuals zeigen, Klanginstalltionen, Fassadeninstallationen, spannende Videoinstallationen, jemanden wie Strotter, mit seinen analogen Plattenspielern, den Exil-Dortmunder Jim Campbell, der nur mit Tapes arbeitet. Da ist dann teilweise die Frage schwierig zu beantworten, was daran jetzt „audio“ oder was „digital“ sei. In U-TOPIA ist der ganze Futurismus im Namen enthalten, den braucht man nicht mehr zu erklären. Man muss nicht mehr erklären: „Wir machen einen futuristischen Abenteuerpark für künstlerische Möglichkeiten im Spannungsfeld neuer Technologien“. Außerdem gibt es dem Festival für die Zukunft die Möglichkeit sich neue Freiräume zu schaffen. Das U steht beispielsweise nicht nur für Utopia und Dortmunder U sondern auch das Unionsviertel, die Stadt ist also auch drin.
Du erwähntest mehrfach die internationale Ausrichtung. Inwieweit ist der Anspruch denn vorhanden, eine regionale Verankerung zu schaffen?
Wir wollen mit der Event-Reihe zeigen, dass man das U auch anders nutzen kann. Ein kunstinteressiertes Publikum kann sich auch jenseits der Party im View und jenseits von Ausstellungen für das U interessieren, Stichwort Subkultur. Man soll auch das Gefühl bekommen, die Leute aus dem Viertel sind hier zu Hause und es ist für sie da. Deswegen war es mir auch wichtig die junge Technoszene mit reinzuholen, die jungen Elektronik-Musiker, die ganzen Produzenten, da ist Dortmund und das Ruhrgebiet ein Pfund! Es ist mir wichtig, die ganz eng mit der Veranstaltung zu verknüpfen. Auch diejenigen, die dieses Jahr nicht mit dabei sein können. Um denen zu sagen: Wir haben euch auf dem Schirm, wir wollen mit euch zusammenarbeiten! Auch wenn es dieses vielleicht inhaltlich nicht gepasst hat.