Holm geht heim

| Foto: Sebastian Hoppe

Intendant des Düsseldorfer Schauspielhauses ausgebrannt

Es kam wie ein Blitz aus allerdings schon seit einiger Zeit bewölktem Himmel. Heute Nachmittag meldet die Landeshauptstadt Düsseldorf, dass der Generalintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, Staffan Valdemar Holm, seine Intendanz niederlegt. Bei dem Schweden wurde ein Burn-Out diagnostiziert. Bereits in der kommenden Woche wird er sich in Behandlung begeben. Für die geplante Premiere von „Peer Gynt“ am 2. März will er trotzdem verantwortlich zeichnen. 

Seit Holms offiziellem Dienstantritt im Herbst 2011 bescherte er dem landeshauptstädtischen Haus viel beachtete und gelobte eigene Regiearbeiten wie „Hamlet“, „Richard III.“ oder „Klaus und Erika“ fürs Junge Schauspielhaus. Auch die sympathisch-amüsante Talkrunde „Gebrochen deutsch“, zu der er Düsseldorfer unterschiedlichster Nationen einlud, oblag seiner Moderation. Beinahe persönlich wirkt es nun, dass die Stücke auf seinem mutigen und innovativen Spielplan immer wieder das brutale Tempo dieser Zeiten und den Verfall moralischer Spielregeln thematisierten: Houellebecqs „Karte und Gebiet“ in der Regie von Falk Richter, „Kein Science Fiction“ (Regie: Nora Schlocker“) oder das jüngst als Gastspiel in die Niederlande importierte Tanz- und Theaterprojekt „Rausch“ von Falk Richter und Anouk van Dijk. Nicht nur mit Kris Verdoncks „M, a reflection“ holte Holm einen Ausnahmekünstler ans Haus. Das ambitionierte Programm war nicht immer bequem, aber wir leben in unbequemen Zeiten. Das kriegte auch Holm zu spüren. Bauarbeiten am Haus verzögerten den Start seiner Auftaktsaison. Im Sommer beklagte OB Dirk Elbers die Auslastung der Theatersäle. Im Interview mit der Rheinischen Post tat Holm seine Enttäuschung über diese Stadt kund. 350 000 Euro für experimentelle Theaterarbeit wurden ihm kurzerhand gekürzt. In der Zwischenzeit war das Schauspielhaus auch noch von den Betrieb störenden Baustellen umzingelt. Wie soll kreatives Arbeiten so noch möglich sein? Was zu viel ist, ist zu viel. 

Voller Tatendrang, Verve, charismatisch und humorvoll zeigte sich Holm beim Pressegespräch zu seinem Amtsantritt in Düsseldorf. Schon bei der zweiten Spielplanpräsentation im Mai dieses Jahres wirkte Holm erschöpft. Aber es erfordert Mut, die Bremse zu ziehen. Holm tut es. Respekt. Und er erklärt: „Ich muss zwingend dem ärztlichen Rat folgen und schnellstmöglich die Doppelbelastung von Generalintendanz und Regie abgeben.“. Dieser Schwede wird uns fehlen. Nur bis zum Ende der Spielzeit 2013/2014 wird Holm dem Düsseldorfer Schauspielhaus als Hausregisseur erhalten bleiben. Die Aufgaben des Generalintendanten übernimmt ab sofort kommissarisch der geschäftsführende Direktor Manfred Weber. Zu hoffen bleibt, dass das Potenzial des Hauses nicht zugunsten vollerer Kassen im Boulevard versinkt. Wir wünschen Staffan Valdemar Holm gute Besserung und danken herzlich für das, was er geboten hat.