Folgt auf Facebook-Debatte analoge Fortsetzung?

Bochumer Künstler diskutieren im Netz die Vergabepraxis kommunaler Subventionen

Die Bäume auf dem Baugelände an der Marienkirche sind abgeholzt, das jüngste Bürgerbegehren im Ansatz gescheitert. Fest steht: das Musikzentrum Bochum wird gebaut. Dennoch hält die Diskussion um den Sinn und Zweck des Prestigebaus weiter an und zieht einen tiefen Riss durch die städtische Kulturszene. Ein aktueller WAZ-Artikel über die Probensituation der Bochumer Symphoniker, für die das Musikzentrum eine eigene Heimat weren soll, sorgt derzeit auf dem Facebook-Profil von Kulturdezernent Michael Townsend für eine rege Diskussion.

Nachdem zunächst vor allem Wolfgang Wendland, in Personalunion Sänger der Punkband Kassierer sowie Wattenscheider Kommunalpolitiker, mit Theatermacher und Journalist Honke Rambow über den Sinn und Zweck der öffentlicher Subventionierung von klassischer Musik debattierte, haben sich mittlerweile auch Singer/Songwriter Tommy Finke und Comedian Hennes Bender in die Runde eingeklingt.

Kleine Webperlen a la „Lieber Herr Rambow, leider ist diese Diskussion zu scheitern verurteilt da auf Ihrer Seite keine qualifizierte Meinung zu dem Vorhanden ist, was Punk ist. Es handelt sich bei dem was Sie schreiben nur um Vorurteile. Hingegen weiß ich sehr genau, was Klassische Musik ist. Nämlich Musik von Toten für alte Leute.“ (Wendland) oder „Aber Punk scheint irgendwie ein Problem zu haben, sonst müsste er ja nicht dauernd beteuern, dass er nicht dead ist.“ (Rambow) flankieren die Diskussion über die Verwendung kommunaler Haushaltsgelder, Auftrittsmöglichkeiten für Punkbands und den Abbau sozialer Standards wie die Schließung von Bibliotheken oder Schwimmbäder.

Klar ist, es herrscht weiterhin Redebedarf. Dieser soll sich jetzt aber nicht nur auf das Internet beschränken sondern auf Finkes Vorschlag - „Ich bring auch Kekse mit“ - in einer analogen Diskussionsrunde münden. Wendland und Bender haben bereits ihre Bereitschaft an einer Teilnahme erklärt. Zudem sollen noch Townsend und Sybille Broll-Pape vom Prinz-Regent-Theater die Runde ergänzen. Für die Organisation der Runde hat sich Rambow angeboten. Süffisanter Zwischen-Kommentar von Tommy Finke: „Ist vielleicht auch näher an unserem schönen Bochum, als extern eingekaufte Spitzenredner.“

Update: Mit Zurückhaltung hat Michael Townsend auf den Vorschlag einer öffentlichen Diskussionsrunde reagiert:

"Ich bin auch weiterhin gerne bereit, alle Fragen, die mit dem Musikzentrum und den anderen angesprochenen Themen zu diskutieren. So aufgeheizt, wie bei einigen Leuten die Stimmung aber ist, verspreche ich mir nichts davon eine Podiums-Schaufensterdiskussion zu veranstalten, bei der es nur darauf ankommt, wer den größten Momentapplaus erhält."

Stattdessen favorisiert der Kultudezernent einen persönlichen "Gedankenaustausch" im Kreise der Facebook-Diskutanten. Nach Weihnachten.

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