Unverpackt: Tante Lemi

Alles Unverpackt: Gewürzregal | Foto: Tante Lemi

Bei Tante Lemi in Mönchengladbach gibt es weder Folien noch Kartons. In dem kleinen Laden des Vereins Eine Erde ist das komplette Sortiment unverpackt. Das spart Müll und schont Ressourcen. Welches Konzept dahinter steht, erläutert Vorstandsmitglied Oliver Jansen im Gespräch mit Dominique Schroller.

Was gibt es bei Tante Lemi zu kaufen?
Nur trockene Lebensmittel. Neben Reis, Nudeln, Hülsenfrüchten und Gewürzen, verkaufen wir auch Kosmetik, Hygieneartikel und Reinigungsmittel. Wir haben beispielsweise Zahnbürsten aus Bambus, Seifen und Waschmittel – also vieles, was es im Bioladen auch nur in Plastik gibt. Jeder bringt seine eigenen Behälter mit, füllt sich seine Waren ab und wir wiegen sie dann aus. Allerdings sind wir kein gewerblicher Laden, sondern eher eine vereinsinterne Kooperative. Wer bei uns einkaufen möchte, muss Mitglied werden. Da wir das Angebot niederschwellig halten wollen, erheben wir keine Beiträge.

Warum dieses Geschäftsmodell?
Wir machen das alles neben unseren eigentlichen Berufen ehrenamtlich. Deshalb war es nicht möglich, größere Summen zu investieren und uns Vollzeit um den Laden zu kümmern. Es ist eine private Initiative. Wir wollten loslegen.

Wie ist die Idee zu Tante Lemi entstanden?
Aus einer Lebensmittel-Kooperative, die wir mit 15 Leuten gegründet haben. Das Ziel war, die Waren in großen Gebinden beim Großhändler einkaufen und dann aufzuteilen, um Geld und vor allem Verpackungen zu sparen. Doch niemand wusste genau, wie lange er mit zwei Kilo Reis oder Nudeln auskommt. Deshalb haben wir uns entschlossen, die Lebensmittel zentral zu lagern und bei Bedarf abzugeben. Wir haben den Verein gegründet und meine Frau und ich haben einen Raum in unserem Haus zur Verfügung gestellt. Deshalb sind die Öffnungszeiten auch auf drei Stunden in der Woche begrenzt.

Dosen-Nudeln: Tante Lemi | Foto: Tante Lemi

Wen wollen Sie mit diesem Konzept erreichen?
Alle Menschen, die sich ökologischer verhalten möchten. Ihnen bieten wir eine Plattform, um sich zu engagieren. Dieses partizipatorische Prinzip ist uns sehr wichtig. Deshalb sind auch die Preise entsprechend. Jeder soll es sich leisten können, ökologisch zu handeln. Wir möchten die Menschen langfristig zu einem Umdenken bewegen, der Müll ist nur ein Symbol für unsere zerstörerische Lebensweise. Wir Deutschen verbrauchen im Durchschnitt so viele Ressourcen, dass wir drei Erden bräuchten, um sie für alle zu erzeugen. Das zeigt deutlich, dass es so nicht weitergehen kann. Deshalb veranstalten wir regelmäßig Vorträge mit Referenten, die von alternativen Konzepten berichten. Wir sehen darin auch einen Bildungsauftrag.

Inwieweit sind Sie auch selbst Vorbilder?
Wir leben unsere Vision weitgehend selbst. Ein Vorstandsmitglied kümmert sich zum Beispiel um alternative Wohnkonzepte, ein anderes arbeitet bei einem Öko-Strom-Anbieter. Ich selbst habe vor einigen Jahren mein Auto verkauft und fahre nur noch mit dem Rad. Mit der Familie fliegen wir auch nicht in den Urlaub, sondern nutzen Bus und Bahn. Wir ernähren uns biologisch und vegan, Kleidung kaufen wir entweder second hand oder bei nachhaltigen Händlern. Ohne auf etwas verzichten zu müssen, haben wir ein neues Gefühl von Gemeinschaft gewonnen. Weniger Konsum bedeutet auch eine gewisse Freiheit vom Kostendruck und dem ständigen Stress in unserer Gesellschaft.

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