Dunkelbunt: Street Art im Verborgenen

Pdot in Aktion | Foto: Nadine Beneke

Die Stadt ist bunt. Bunter als vor 40 Jahren jedenfalls. Damals malte Klaus Klinger das erste Wandbild in Düsseldorf. Hinzugekommen sind Graffiti, Sticker, Paste-ups, Seedbombs und weitere Stadtbildveränderer. Warum es gerade für die Street Art-Akteure dabei nicht nur angenehme Seiten gibt und wie sie damit umgehen, haben Pdot, seiLeise und Ich bin ARTig Nadine Beneke erzählt.

Pdot: „Human Plotter“
Mehrere Tausende von Geistern hat Pdot bereits in NRW und Berlin verteilt. Sein Motiv verändert er dabei nicht. Warum auch? Unpolitisch und bunt zaubern die Figuren, zumeist an Rückwänden von Schildern, den meisten Vorbeigehenden ein Lächeln aufs Gesicht. Nicht allen. Aber dieses Risiko nimmt der Mann, der anonym bleiben will, in Kauf. „Man muss sich bewusst sein, dass es auch mal schiefgehen kann“, sagt er. Das mache natürlich auch ein wenig den Reiz aus. Der Zauber des Verbotenen umwittert die Szene. Vor den Ordnungshütern wegzurennen. Im Verborgenen zu agieren. Der Kölner Rechtsanwalt Jan Weber, der viele Künstler vertritt, ist davon überzeugt, dass es sich beim Stickern nicht um eine Straftat handelt: „Das Erscheinungsbild wird nur vorübergehend verändert, insbesondere, wenn PVC-Aufkleber verwendet werden. Die sind leicht zu entfernen“, so Weber. Der Straftatbestand der Sachbeschädigung – in Form einer dauerhaften Veränderung von Fremdeigentum – wäre nach dieser Argumentation hinfällig. Ärger hatte Pdot trotzdem schon reichlich. Darüber möchte er aber lieber nichts Näheres erzählen, „um das Ganze nicht anzuheizen.“ Hierzulande, bemerkt er, ginge es ja noch gesittet zu. „In den Neunzigern war es oftmals verpönt, Sprühdosen zu kaufen“, erzählt der Geistermann. Mitgehen lassen lautete die Devise.

Bunte Mischung | Foto: Nadine Beneke

„Wird einer kaputtgemacht, klebe ich zwei Neue hin.“
Das Sprühen hat Pdot, wie viele seiner Street Art-Kollegen, vor Jahren hinter sich gelassen. Zu heikel. Zu groß die Gefahr, erwischt zu werden. Los ging es bei ihm in der Schulzeit mit Postaufklebern, die er bemalte. Seit über sieben Jahren ist er nun in der Street Art-Szene aktiv. Seine Geister schneidet er immer per Hand. Generell sei er eher der analoge Typ, sagt der Mann um die 30 – ein „Human Plotter“. Dass ihm seine Kunst nicht nur Freunde beschert, daraus macht er keinen Hehl. Pdot berichtet: „Ich erfahre aus der Graffiti-Szene auch Inakzeptanz.“ Nicht selten werden Geister übersprüht oder abgerissen. Seine Konsequenz: „Wird einer kaputtgemacht, klebe ich zwei Neue hin.“ Wichtig ist ihm vor allem die bewusste Veränderung der Öffentlichkeit. „Du kannst auch hingehen und überall Petersilie pflanzen“, sagt er. Für ihn zählt außerdem der Entstehungsprozess. Ganze Nächte bastelt er durch – „fast schon manisch.“ Pdot produziert vor, um draußen „auszuflippen“. Diese vermeintlich saubere und ungefährliche Art der Straßenkunst wird von den Sprayern belächelt. Der Geistermann erklärt die verhärteten Fronten folgendermaßen: „Der Zeitaufwand beim Malen ist größer. Und damit auch die Gefahr, erwischt zu werden.“ Innerhalb der Street Art-Szene sei die Stimmung aber entspannt: „Es ist im Großen und Ganzen so, dass alle an einem Strang ziehen.“

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Teil drei (Ich bin ARTig)

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