Flauschig-Fantastisch: Die Rheinland-Alpakas

Flauschige Herde: Die Rheinland-Alpakas | Foto: Isabelle Dannert

Das Ehepaar Maluche hat eine ganz besondere Leidenschaft: Alpaka-Zucht. 2011 fing alles mit dem Kauf von zwei Tieren an. Jetzt beherbergt der Hof schon 13 Alpakas, die zusammen eine muntere und harmonische Herde bilden. Für die Düsseldorfer ein liebenswerter Fulltime-Job. Isabelle Dannert hat die beiden, und ihre Alpakas, auf der Weide besucht.

Der Himmel ist blau, die Sonne strahlt, alle paar Minuten fliegt ein Flugzeug vorbei. Niemand würde vermuten, dass sich hier, auf dem Grundstück eines einfachen Hauses in Düsseldorf-Lohausen, besondere Wesen tummeln. Ihre Heimat haben Alpakas eigentlich in den südamerikanischen Anden, aber auch im Rheinland scheinen sie sich wohlzufühlen. Die Vorgeschichte: Nach dem Tod von Michaela Maluches Pferd, machte sie zusammen mit ihrem Mann Detlef Urlaub in Südtirol. Als die beiden Düsseldorfer einen großen Hof in Oberbozen besichtigten, fielen ihnen, neben den vielen Pferden, besonders die exotischen Alpakas ins Auge. „Wir haben uns einfach in die Tiere verguckt. Es war Spontan-Liebe“, so Michaela Maluche. Zweieinhalb Jahre beschäftigten sie sich mit dem Für und Wider. „Wir fragten uns: Können wir das? Schaffen wir das zeitlich und finanziell?“ Als sich das Paar letztendlich für die Zucht entschied, war es sich der großen Verantwortung bewusst. „Es ist unser Hobby und wie jedes Hobby kostet das Zeit und Geld“, so Detlef Maluche. Auf dem Oberbozener Hof, wo alles begann, kaufte das Ehepaar 2011 die ersten beiden Alpakas.

„Delfine der Anden“
Aus zwei Tieren sind inzwischen 13 geworden. Da die Zucht sehr langsam verläuft und Stuten meist nur ein Fohlen in ihrem Leben bekommen, manche auch gar nicht gebären, kauften die Halter einige Artgenossen zur Vervollständigung dazu. Als Herdentiere leben Alpakas in einer strengen Hierarchie. Hält sich das ranghöchste Tier, wie bei unserem Besuch, an einem Hügel auf, folgt der Großteil der Herde und leistet ihm Gesellschaft. Der Fluglärm stört sie anscheinend überhaupt nicht. Nur die Weide muss ab und an gewechselt werden, wenn sie abgegrast ist. Die Tiere stehen also abwechselnd in Lohausen und auf dem zweiten Grundstück in Kalkum. Praktisch für Besucher: Wer die Weide betritt, muss sich keine Sorgen um die Schuhe machen, denn die Rheinland-Alpakas sind hygienisch: Ihr Geschäft verrichten sie nur an speziell eingerichteten „Toiletten-Plätzen“. Gespuckt wird außerdem nur, wenn die Tiere genervt sind. Von Artgenossen oder dem Anlegen eines Zaumzeugs zum Beispiel, was der dunkle Hengst Valerio offensichtlich gar nicht dufte findet. Der gerade noch gemächliche Zeitgenosse holt bei unserem Besuch zum Spuckangriff aus.

Flauschiger Seelenschmeichler | Foto: Isabelle Dannert

Kein Kindergeburtstag
Die Maluches bieten verschiedene Unternehmungen an: Man kann mit den flauschigen Zeitgenossen spazieren gehen, einen Parcours bewältigen oder sie einfach nur stundenlang streicheln. Besonders interessant ist der Hof auch für Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung oder Senioren. „Die Alpakas gehen anders auf Menschen zu, sie fühlen das Handicap.“ Und wirklich: Die Tiere scheinen in sich zu ruhen und strahlen diese Gelassenheit auf ihr Umfeld aus. Die Rheinland-Alpakas begleiten Menschen in schwierigen Situationen auch bei therapiegestützten Aktivitäten oder, mit professioneller Hilfe, bei Therapien. „Deshalb werden sie auch ‚Delfine der Anden‘ genannt“, so Michaela Maluche.
Anders verhält es sich bei ganz jungen, lauten Kinder, die oft zu hektisch und wild sind und daher nicht zur ruhigen Natur der Alpakas passen. Stichwort Spuckgefahr. Das „Hautnah-Erlebnis“ ist Michaela Maluche bei der Begegnung Mensch-Alpaka besonders wichtig. Man sollte bereit sein, sich auf das sanfte Wesen der Tiere einzulassen. „Wir bieten keine Kindergeburtstage oder ähnliches an.“ Spürbar ist, dass das Paar es umso mehr liebt, sein Alpaka-Wissen zu teilen und Laien diese erstaunlichen wie entzückenden Lebewesen näher zu bringen. Erwachsene, Jugendliche und ruhige Kinder ab sechs Jahren sind mit Voranmeldung auf dem Hof willkommen.
Eine kleine zusätzliche Einnahmequelle für die Maluches ist der Verkauf von kuscheligen Wollprodukten, die thermoregulierend, antiallergisch sowie geruchs- und schmutzabweisend sind. Von Bettdecken und Ponchos über Stolas, Socken und Mützen ist alles für den Winter im eigens eingerichteten Shop erhältlich. Leiden müssen die Alpakas dafür nicht, da sie sowieso einmal im Jahr geschoren werden. Stehen bleibt nur eine schicke Frisur an Kopf und Beinen, für die die Maluches persönlich sorgen. Die beiden erklären: „Die Tiere sind an sich robust, aber unvorhersehbar.“

Stolze Alpaka-Eltern: Michaela und Detlef Maluche | Foto: Isabelle Dannert

„Ans Herz gewachsen“
Ursprünglich sollten Zucht und Haltung komplett durch den Verkauf einzelner Individuen finanziert werden. Doch, weil die Trennung zu schwer fiel, entschied das Paar sich um: „Die Alpakas sind uns zu sehr ans Herz gewachsen. Zu jedem Tier gibt es eine Geschichte“, so Michaela Maluche, während sie ihre Schätzchen liebevoll beobachtet. Die nicht gerade günstige Alpakazucht finanziert das Paar in erster Linie mit normalen Jobs. Die Aktivitäten mit Kleingruppen und der Verkauf von Wollprodukten liefern nur einen kleinen Zuschuss. Detlef Maluche ist Zahnmediziner, seine Frau arbeitet als Eventmanagerin in Teilzeit. Wenn sich ein Fohlen in der Herde befindet oder eine Geburt ansteht, nehmen die beiden Urlaub. Die ständige Aufsicht ist obligatorisch: „Wenn ich in einem Meeting sitze und sich der Nachwuchs ankündigt, gehen die Tiere natürlich vor“, so Michaela Maluche. Im Stall der Rheinland-Alpakas sind deswegen Kameras installiert. So kann das Geschehen auch während der Büroarbeit verfolgt werden. Chef und Kollegen sind eingeweiht und akzeptieren die zeit- und kraftaufwändige Herzensangelegenheit. Michaela Maluche war früher mal Reitlehrerin und eine absolute „Pferde-Frau“. Die Haltung der Exoten gestaltet sich dagegen etwas schwieriger, da es keinen Tierarzt in der Nähe gibt, der sich mit Alpakas auskennt.
Die Fahrt zum nächstgelegenen Züchter nimmt mindestens zwei Stunden in Anspruch. Besonders bei Notfällen wie zurzeit dem schwachen Fohlen Avellana, profitieren die Rheinländer vom Austausch in Social Media-Gruppen und dem Kontakt zu befreundeten Haltern. Vor Kurzem ist das dreizehnte Alpaka „Rapanui“ bei Detlef und Michaela Maluche eingezogen und macht die Herde endgültig komplett. Beim „Tag der offenen Weide“ am 19. November kann man den jungen Wallach und seine Freunde, darunter auch zwei Fohlen, kennen- und liebenlernen.

Tag der offenen Weide: 19.11., 12-15 Uhr, Weide gegenüber von Schloss Kalkum, Düsseldorf