Ein Leben für die Musik: Karl Bartos

Karl Bartos | Foto: © Patrick Beerhorst

Karl Bartos war 15 Jahre lang Mitglied der Düsseldorfer Elektro-Band Kraftwerk. Ende August hat er seine Autobiografie veröffentlicht. In „Der Klang der Maschine“ erzählt er von dem Moment, in dem er sich ins Musikmachen verliebt hat und von der Schöpfung des Kraftwerk-Sounds.

„Bäng!“ - das ist das erste Wort im ersten Kapitel der Autobiografie des ehemaligen Kraftwerk-Schlagzeugers. Bäng, wie der Schlag auf eine Trommel. Dass die Trommel ihn sein Leben lang begleiten würde, hätte sich der zwölfjährige Karl im Bayern der Nachkriegszeit wohl nicht vorgestellt: „Das war der Moment, in dem Klang eine neue Bedeutung für mich bekam und ich Musiker werden wollte.“ Er beschreibt das erste Mal, in dem er „A Hard Days Night“ von den Beatles hörte, ein Schlüsselerlebnis: „Das gab meinem Leben Ordnung und Sinn.“

Der Klang der Maschine | Cover: Eichborn Verlag

"Großartige Lehrer"

Bartos lernt Gitarre, wenig später wechselt Bartos zum Schlagwerk. Es folgt ein Studium am Robert-Schumann-Konservatorium in Düsseldorf. „Ich hatte großartige Lehrer, von denen ich die Hingabe zur Musik lernte.“ Und diese Hingabe zieht sich seit nunmehr fast 50 Jahren durch Bartos‘ Leben. Zu Kraftwerk stieß er 1975, mit 23 Jahren. Als Schlagzeuger war er zunächst nur für den Beat zuständig, nach und nach beteiligte er sich auch am Songwriting. An sechs Alben wirkte er maßgeblich mit. „Gleichwohl wurde ich für die Öffentlichkeit erst in dem Moment sicht- und hörbar, als ich die Gruppe verließ.“

Natürlich geht es, obwohl es sich um die Autobiografie eines auch selbstständig sehr erfolgreichen Musikers handelt, in „Der Klang der Maschine“ vordergründig um Kraftwerk. Und alles andere wäre auch nicht möglich, ist doch Bartos‘ Leben als Musiker untrennbar mit der Gruppe verbunden. „Schließlich trug ich einiges an Leben und Musik ins Kling Klang Studio hinein.“ Unabhängig sei er, und könne deshalb alles so erzählen, wie er es erlebt habe: „Zum Glück liegen weder unbezahlte Rechnungen in meiner Schublade, noch muss ich jemandem einen Gefallen tun oder habe mich aus irgendeinem Grund zum Schweigen verpflichtet.“ Nicht nur für Kraftwerk-Fans eine vielleicht einmalige Gelegenheit, etwas tiefer einzutauchen in den mythenumwobenen Kosmos der Elektro-Helden der 80er. Lesenswert! 

Karl Bartos: Der Klang der Maschine, Eichborn Verlag; VÖ: 25.8.