Gemeinsam Anonym: Das Chaosdorf

Die Schaltzentrale | Foto: Christof Wolff

Was bedeutet eigentlich Hacking? Wer macht so was überhaupt? Und was kann man alles mit einem 3D-Drucker anstellen? Den Kopf voller Fragen, wagte sich Tossia Corman in die Gefilde von Düsseldorfs Computerelite. Und bekam Antworten.

Ein Hauseingang in Düsseldorf-Mitte. Betätigt man die Klingel, ertönt drinnen ein zufällig ausgewähltes Geräusch aus den Computer-Boxen und eine Lampe beginnt sich zu drehen. Klar, wahrscheinlich eine der leichtesten Übungen für die Menschen, die sich hinter der Tür befinden: Die „Bewohner“ des Chaosdorfes Düsseldorf. „Wir sind seit 16 Jahren ein eigener, eingetragener Verein“, betont Rufus. Rufus (ein Spitzname, wie üblich in der Hackerszene) ist in ihrem alltäglichem Leben Sozialarbeiterin, im Chaosdorf ist sie Vorstandsmitglied. „Wir gehören zum Chaos Computer Club, das ist unser bundesweiter Dachverband.“ Ein Club – der Name lässt es erahnen – für computeraffine Menschen. „Aber das ist lange nicht alles, was wir machen“, sagt Rufus.
Ein Rundgang durch die Vereinsräume untermauert dies: Neben einem 3D-Drucker, einem Lasercutter und gefühlt 175 Computern findet sich auch eine Handwerkerbank und eine kleine Fahrradwerkstatt. „Hier gibt es ganz viele Menschen, die total gerne mit ihren Händen arbeiten.“ So wie sie selbst: Möbel macht sie, aus alten Teilen neue. Aber wie passt das zum Hacker-Dasein? „Hacken bedeutet in der ursprünglichen Definition, dass man den ursprünglichen Zustand einer Sache verändert, entfremdet oder weiterentwickelt“, erläutert die sympathische junge Frau. „Wenn ich also den Wasserkocher benutze, um meine Frühstückseier gar zu bekommen, bin ich theoretisch schon ein Hacker.“
Seit 2011 hat das Dorf seine Heimat in dem ehemaligen „Erwachsenen-Amüsierbetrieb“, wie Rufus lachend erzählt. „Mit mehr als 100 Mitgliedern wird das aber langsam ein bisschen eng. Darum sind wir auf der Suche nach neuen Räumen.“ Nicht immer sind alle Mitgleider auf einmal da, aber voll ist es durchaus. Vor allem freitags. „Da haben wir hier Open House, da kann uns jeder besuchen kommen.“ Oft gibt es dann Vorträge von Mitgliedern oder Gästen.

Vorstandsmitglied Rufus | Foto: Christof Wolff

Volles Vertrauen
Einer der Ansätze des Clubs: Das Lehren und Lernen. „Wir reparieren hier keine Computer oder programmieren Homepages. Wir sind keine Dienstleister“, sagt Rufus. Wer aber lernen möchte, wie er an der Software herumdoktert oder den 3D-Drucker benutzt, der ist herzlich willkommen. „Unsere Infrastruktur kann jeder nutzen, wir stehen dann mit Rat zur Seite.“ Regeln gibt es, klar, an die müssen sich alle halten. „Aber wir haben auch großes Vertrauen, dass diejenigen das auch zu schätzen wissen, die zu uns kommen.“ Manchmal sind das auch Querschläger : „Es gibt schon eine gewisse Aluhut-Quote“, berichtet sie schmunzelnd. „Aber die merken, dass sie hier keinen Raum haben und sind dann meist auch schnell wieder weg.“ Und wer lange und regelmäßig reinschaut, der hört irgendwann die Frage, ob er auch zum Club gehören möchte. „Jeder kann Mitglied werden, gegen einen Beitrag. Aber eigentlich läuft das schon so, dass wir, nach einem Plenum, diejenigen fragen, die wir gern dabei hätten.“ Aber auch ohne Mitgliedschaft sind Besucher immer willkommen. Zum Lernen. Zum Basteln. Im Chaosdorf.

Chaosdorf: Hüttenstraße 25, Düsseldorf

Noch mehr Hacker:

Alleestraße 50, Bochum

Ein Paradies für Nerds: Das Labor in Bochum

Hier schneidet ein Laser durch Plexiglas, dort wird über Programmierprobleme geplaudert und ein paar Meter weiter dreht sich alles um das beste Messgerät für Widerstände, während ein 3-D-Drucker unermüdlich kleine Bauteile ausspuckt – ein ganz normaler Tag im Hackerspace „das labor“. [mehr...]