Camp.Essen: Anlaufstelle für digitale Nomaden

Paula Brandt, Denise Nelle und Frank Heim nutzen das Camp Essen. | Foto: Inga Pöting

Sie sind digitale Nomaden ohne festes Büro, nur mit Internetzugang. Sie arbeiten überall, wo sie online sind und sich Kaffee nachschenken können. Zum Beispiel im Camp.Essen, einer Anlaufstelle für Selbstständige und Gründungsinteressierte im Nordviertel.

„Auf Xing gibt es Karteileichen. Hier triffst du Menschen“, sagt Frank Heim über das Camp Essen im Nordviertel. Es versteht sich selbst als „Plattform für Startups, Digitalisierung und Innovation“ mit Co-Working-Space. Frank hat vor drei Jahren gemeinsam mit der Grafikdesignerin Denise Nelle das Projektbüro „punktbar“ gegründet. Die beiden Mittdreißiger sind spezialisiert auf Webseiten, entwickeln Social-Media-Strategien und beraten zur kreativen Entwicklung in der Online-Welt. Ihre Kunden sind bekannte DJs, lokale Charity-Projekte, Hochschulen und mittelständische Unternehmen. Denise und Frank arbeiten, wann und wo es ihnen gefällt.

Im Camp Essen haben sie Paula Brandt kennengelernt. Die Essenerin ist Coach und Beraterin und hatte prompt einen Auftrag für „punktbar“: Die Neugestaltung ihres Internetauftritts. Nach 20 Jahren als Unternehmensberaterin ist Paula Brandt heute selbstständig, ihr Buch-Debüt heißt „Mayday aus der Chefetage – warum Manager in Krisen scheitern“. Bei ihrer jahrelangen Arbeit mit Topmanagern hat Paula erlebt, was in der Welt der Unternehmer schiefläuft. Zum Beispiel, dass Führungskräfte in Krisensituationen manchmal nicht nur dem Unternehmen schaden, sondern auch schlecht mit Mitarbeitern umgehen. Mit ihren Workshops und Beratungen will sie etwas verändern, zeigen, „wie es auch geht“.

Liebster Arbeitsplatz: Camp. Essen

Andreas Kaminski möchte mit dem Camp Essen etwas Neues anstoßen. | Foto: Inga Pöting

Dazu plant Paula im Oktober ihren ersten tagesfüllenden Workshop für Unternehmer, die lernen wollen, sich selbst und ihre Sache bestmöglich zu präsentieren. Ort des Geschehens ist das Triple Z (ZukunftsZentrumZollverein) in Essen-Katernberg – mit seiner atmosphärischen Industriekulisse Paulas Lieblingsort für Gruppentreffen. Ihr liebster Arbeitsplatz dagegen ist das Camp.Essen. Als der Co-Working-Space Anfang April eröffnete, war sie seine erste regelmäßige Nutzerin. Am Anfang ihrer Selbstständigkeit arbeitete die Essenerin noch in Düsseldorf. Doch die Synergien, die sie suchte, fand sie dort nicht. Essen stellte sich bald als der spannendere Ort heraus: „Hier ist gerade so viel in Bewegung. Das Netzwerken lohnt sich und macht Spaß.“

Was sich bei digitalen Start-ups, Selbstständigkeit und Vernetzung in Essen und Umgebung zuletzt getan habe, findet auch Frank Heim „einfach unglaublich“: „Noch ist nicht alles hundertprozentig definiert. Aber es passiert wahnsinnig viel.“ Das Besondere am Ruhrgebiet ist für ihn die Konzentration auf das Wesentliche: „Wir müssen nicht Schickimicki sein.“ Das zeigt sich auch am Camp.Essen, das mit schlichter Einrichtung, einem sympathischen Team um den ehemaligen ETEC-Mitarbeiter Andreas Kaminski und gutem Kaffee überzeugt. Entwickelt wurde das „Camp“ von der Essener Wirtschaftsförderung. Doch es ist mehr als ein städtisches Projekt, das Trends nacheifert. Andreas Kaminski will hier wirklich etwas anstoßen: „Jeder kann vorbeikommen! Dazu muss noch kein Konzept fertig sein.“ Für kostenlose Stammtische und Workshops können Gründungsinteressierte sich einfach anmelden – und von anderen lernen. Inga Pöting