Helft Horst: Interview mit Veranstaltungsleiter Oliver Leonards

| Foto: Karl Kubik

Rund 10.000 Euro fehlen den Veranstaltern des Horst Festivals derzeit in der Kasse derzeit ist deshalb noch unklar, ob es Horst im nächsten Jahr geben wird. Höhere Eintrittspreise kommen für die Veranstalter jedoch nicht in Frage und auch der kostenlose Sonntag soll bleiben. Alexandra Wehrmann sprach mit Veranstaltungsleiter Oliver Leonards über aktulle Probleme und die Zukunft des Horst Festivals. Teil 2 des Interviews.

Anfangen habt ihr ja 2009, damals noch überwiegend mit lokalen und regionalen Acts.

Korrekt. 2009 war die Gewichtung noch anders, wobei das Konzept sich davon mal abgesehen kaum verändert hat. Bis heute kommen rund ein Drittel der Bands aus der Region – das ist uns ganz wichtig! Bei der ersten Festival-Ausgabe hießen die Headliner übrigens Bosse und Asaf Avidan. Die waren damals aber natürlich noch wesentlich unbekannter als heute.

Wie haben sich die Eintrittspreise seitdem entwickelt? Wie der Etat? Wie die Besucherzahlen? Wie das musikalische Programm?

Bis 2012 waren wir komplett umsonst, ein weiteres Indiz dafür, wie sehr sich die Loveparade-Katastrophe auch auf uns ausgewirkt hat. Hier alles drauf zu schieben würde aber nicht dem Erfolg von Horst gerecht werden, der aber eben zugleich auch Bürde ist. Denn mit den steigenden Zuschauerzahlen (2009: 4000; 2010: 8000; 2011: 16.000; 2012: 17.000) haben sich auch die Anforderungen an unsere Infrastruktur und Technik geändert. Der Etat ist somit auch von ursprünglich mal 40.000 Euro in jedem Jahr um weitere 40.000 Euro gestiegen. Heute liegen wir bei fast 200.000 Euro. Das Gute ist, dass wir in diesem Jahr den unseres Erachtens perfekten Aufbau des Festivals gefunden haben. Eine weitere Veränderung in den nächsten Jahren und damit verbundenen Etatsteigerung ist also nicht mehr zu rechnen.

In diesem Jahr hattet ihr an drei Tagen 12.000 Zuschauer auf dem Gelände. Wie viele mehr hättet ihr gebraucht, um kostendeckend zu arbeiten?

Das Minus des Festivals wird sich aller Voraussicht nach auf etwa 20.000 Euro belaufen. Der Verein hatte ja Reserven aus den Jahren zuvor, die eben alle kostendeckend verlaufen waren oder sogar ein Plus erwirtschaftet hatten. Im Prinzip hätten also vielleicht schon 1000 Eintrittzahler mehr gereicht, getrunken hätten sie ja auch noch. Man darf an dieser Stelle eben nicht vergessen, dass der Sonntag kostenlos war. Wir denken, dass wir im nächsten Jahr 2000 Zuschauer mehr benötigen, um auf der sicheren Seite zu sein. Das sind angesichts der Zahlen der Vergangenheit alles andere als utopische Erwartungen. Andererseits würde es mit großer Wahrscheinlichkeit auch ausreichen, wenn das Festival nicht um 22 Uhr enden müsste.

In eurer Pressemitteilung klingt es so, als habe euch die Zuschauerzahl nicht wirklich überrascht, als hättet ihr auch im Vorfeld schon nicht mit mehr Zuschauern gerechnet. Hättet ihr dann nicht von Vorneherein die Kosten reduzieren können?

Wir mussten dieses Jahr vieles aufgrund von erhöhten Anforderungen verändern. Dies lag vor allem an dem unglaublichen HORST-Sonntag 2012 mit Kraftklub und Cro, an dem fast 20.000 Menschen auf das Gelände wollten. Hierzu gehörte insbesondere der neue Aufbau des Geländes und weitere Optimierungen des Sicherheitskonzeptes - beides hat den Etat deutlich erhöht. Zudem kamen wir in den Nachbesprechungen 2012 zu der für uns elementaren Entscheidung, das Eintrittskonzept nochmal gänzlich zu erneuern. Vor dem HORST Festival 2012, das ja überhaupt erstmalig Eintritt kostete, hatten wir uns entschieden, den Eintritt einfach so niedrigschwellig wie möglich zu halten an jedem Tag, ergo drei Euro pro Tag. Dieses Eintrittskonzept gefiel uns aber nicht wirklich im Nachhinein, denn das HORST Festival ist eben nicht als reines Musikfestival konzipiert und hatte besonders sonntags immer die Atmosphäre eines großen, qualitativ hochwertigen Stadtfestes. Neben dem Musikprogramm auf den Bühnen etablierte sich in den Jahren zuvor auch das Rahmenprogramm, unter anderem mit dem Kulturzelt und der kreativen Kinderbetreuung. Wir sind überzeugt, dass genau diese Vielfalt den Erfolg in den Vorjahren ausgemacht hat. Hier wurde zusammengebracht, was viele nicht für möglich hielten, und das mitten in der Stadt, eben nicht in einem Wald oder auf einer Wiese. Das spiegelt sich auch in unserem Publikum wieder, in unserem Line-Up und bis heute in unserem Team. 2012 ging dies ein Stück weit verloren, stellten wir fest. Der Eintritt an allen Tagen, so niedrig er auch war, störte das Konzept, das ja eben auf dem Umsonst-&-Draußen-Gedanken basiert. Wir entschieden uns somit also, dafür lieber zwei Tage teurer zu machen (Festivalticket 16 Euro) und den Sonntag wieder kostenlos. Auch immer mit der Hoffnung, dass die Menschen dieses Konzept als eine Art Crowdfundingkonzept verstehen. Jede/r, der Eintritt zahlt, trägt ein Stück dazu bei, den Sonntag mitzufinanzieren.

Zurück zu deiner Frage: Die Kosten konnten nicht niedriger gehalten werden, denn die einzige wirkliche Variable in diesem Spiel sind die Gagen gewesen. Hier zu sparen, erzeugt zwar weniger Kosten, mit höherer Wahrscheinlichkeit aber auch mehr Schulden. Rückblickend sind wir – abgesehen von dem finanziellen Minus - sehr zufrieden mit dem Festival. Wir hatten gute Stimmung und zufriedene Menschen auf dem Platz, glückliche Künstler auf den Bühnen, haben unseren fast perfekten Aufbau nach 5 Jahren gefunden und die Menschen an das neue Eintrittskonzept gewöhnt. Und dies ja anscheinend trotz allem mit Erfolg. Denn sonst wären nicht ca. 12.000 Menschen gekommen.

Nun klafft ein Loch von 10.000 Euro in der Kasse. Wie wollt ihr das schließen?

Mit Crowdfundingaktionen, die bereits in Planung sind. Mittels der Spendenaktion, die seit August läuft. Und mithilfe unserer Sponsoren, die sich teils sofort bereit erklärt haben, uns zu unterstützen.

Und wie schnell muss es geschlossen werden?

So schnell wie möglich, denn wir müssen ja wissen, wie es weitergeht. Aber niemand muss Angst davor haben, sein Geld nicht zu bekommen. Hierfür ist gesorgt. Vielmehr stellt sich die prinzipielle Frage nach dem wofür oder für wen mache ich das alles. Diese ist nun mal existentiell wichtig für die Motivation jedes Einzelnen und somit des gesamten Teams. Und nichts motiviert da so sehr wie Unterstützung, wenn man sie braucht.

Spenden für Horst

Spendenkonto:

HORST Musik- und Kulturförderung e. V., Stadtsparkasse Mönchengladbach, BLZ 31050000, Konto: 3519956. Verwendungszweck: Horst für alle – alle für Horst

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