Blick nach vorn: 40 Jahre zakk in Düsseldorf

Das zakk wird 40 | Foto: zakk

Partys, Konzerte, Lesungen, Poetry Slams – das sind die Dinge, die man vordergründig mit dem zakk verbindet. Zum 40-jährigen Jubiläum des Kulturzentrums haben wir einen Blick hinter die Kulissen gewagt und mit Oliver „Olli“ Schneider gesprochen. Der 50-jährige Stahlarbeiter ist Vorstandsvorsitzender des zakk e.V., des hauseigenen Vereins, der sich um repräsentative und finanzielle Belange kümmert.

Was ist eure Aufgabe als Verein? Wie seid ihr strukturiert?
Wir sind der Trägerverein vom zakk. Eigentlich eine Art Kontrollgremium. Zur Zeit haben wir ungefähr 170 Mitglieder. Der Vorstand besteht aus sechs Leuten, mit mir als Vorstandssprecher. Wir gucken zum Beispiel auf den Haushalt, das heißt die finanzielle Seite der ganzen Sache. Den müssen wir als Vorstand genehmigen und verabschieden. Auch wenn Anschaffungen getätigt werden, ein neues Mischpult beispielsweise. Da sind wir gefragt, wir vergleichen Kosten, wägen Vor- und Nachteile ab. Oder bei Festanstellungen. Da haben wir auch ein Mitspracherecht. Außerdem repräsentieren wir das zakk in der Stadt, auf kulturpolitischen Veranstaltungen, bei offiziellen Empfängen der Stadt, auch bei Demos oder Kundgebungen. Oft werden wir gefragt, ob wir auch Konzerte veranstalten oder was organisieren können, aber mit dieser Seite haben wir arbeitstechnisch nichts zu tun. Wir unterstützen gerne das Team, zum Beispiel helfen wir traditionell beim Bücherbummel-Abbau, oder beim Edelweißpiraten-Festival, aber inhaltlich haben wir keinen Einfluss.

Wie sieht eine typische Sitzung aus? Geht es manchmal heiß her hinter verschlossenen Türen?
Wir treffen uns einmal im Monat, viel wird inzwischen auch über Mail kommuniziert. Meistens dauert so eine Sitzung rund drei Stunden. Über den Monat sammeln wir Themen, die dann besprochen werden. Zum Beispiel, wenn eine neue Festanstellung im Haus ansteht, oder wenn in der Stadt auf kulturpolitischer Ebene etwas anliegt, von dem wir betroffen sind, Etat-Entscheidungen oder so etwas. In den letzten Sitzungen war das 40-jährige Jubiläum ein großes Thema. Natürlich geht es manchmal heiß her, aber das bleibt dann auch hinter unseren Türen. Wichtig ist, dass wir nach außen eine Wand bilden, einstimmig sprechen. Es gibt keine Anwesenheitspflicht, aber alle versuchen, regelmäßig dabei zu sein, zumindest vom Vorstand.

Was sind eure Kernziele?
Wir haben uns der Soziokultur verschrieben, wollen Inklusion ermöglichen, Integration. Unser Refugees-Welcome-Projekt zum Beispiel, das liegt uns allen am Herzen. Es gibt natürlich auch eine Hierarchie, die muss es geben, sonst funktioniert auch Demokratie nicht. Aber damit kommen alle gut klar, echte Probleme gibt es selten.

Vereinsvorstand Olli Schneider | Foto: Tossia Corman

Was ist dein Background? Seit wann bist du im Verein aktiv? Und wie war dein Weg zum Vereinsvorstand?
Geboren bin ich in Glücksstadt an der Elbe, aber hier in Erkrath aufgewachsen. Mit 16 hab ich begonnen, meine ersten Partys und Konzerte zu organisieren, parallel zu meiner Ausbildung zum Stahl-Aufbereiter. Mein Background ist der Punkrock, da ist do it yourself ja ein großes Motto. Wenn es nichts gibt, macht man es halt selber. Wir haben im Kolpinghaus die ersten veganen Brunches veranstaltet, irgendwann auch Lesungen. Wir waren das „Kommando Rote Rübe“, haben irgendwann auch Band-Catering gemacht, bei Nazi-Aufmärschen die Gegendemonstranten mit Essen versorgt. Und weil die alternative Szene nicht so riesig groß ist, kennt man irgendwann jeden. Darüber bin ich dann nach Düsseldorf geraten und habe nach und nach auch immer mehr Leute aus dem zakk-Umfeld kennengelernt. Natürlich auch Menschen, die im Verein zakk e.V. aktiv sind. Ich war in meinem beruflichen Umfeld als Stahlarbeiter schon in der Gewerkschaft, war auch da in der Delegiertenversammlung und auch Betriebsrat, darum war das ganze Terrain rund um den Verein nicht neu für mich. Seit sieben Jahren bin ich Mitglied im zakk e.V., vor fünf Jahren bin ich gefragt worden, ob ich nicht für den Vorstand kandidieren will. Das wollte ich – und wurde direkt gewählt. Durch meinen Werdegang in der alternativen Szene haben sich, glaube ich, einige gedacht, ich wäre gut für diese Position. Ich weiß, wie Soziokultur funktioniert, ich komme aus der Szene, ich kenne Gott und die Welt. Das zakk ist natürlich eine Nummer, ein Treffpunkt für die alternative Kulturszene. Ich war selber 1984 zum ersten Mal hier, mit 16, beim Vollmond-Schwoof. Seitdem begleitet mich der Laden, darum war dieser Schritt auch für mich nur logisch.

Wieviel zakk gibt es in deinem Alltag?
Sehr viel! Die Arbeit im Vorstand ist eine schöne Abwechslung zu meinem Job als Stahlarbeiter, der ist ja eher dreckig, ölig und staubig. Da ist es schön, sich auch mit Kultur beschäftigen zu können. Meine Frau sagt immer, dass der Job im Vorstand das Beste ist, was mir passieren konnte. Ich schreibe zum Beispiel die Mitglieder-Rundbriefe, das schult den Geist.

Was sind die Ziele für die nächsten 40 Jahre?
Wir gucken immer nach vorne! Überlegen, wie wir das zakk und unsere Arbeit gut in dieses immer digitaler werdende Zeitalter integrieren. Wir versuchen, mit der Zeit zu gehen, ohne all zu viel an den Strukturen ändern zu müssen. Zakk ist ein Heimathafen für viele Menschen unterschiedlichster Herkunft und Positionen, und das ist das Wichtigste: Dass es so bleibt. Für mich bedeutet die Arbeit im Vorstand auch etwas sehr Familiäres, und das hoffe ich über die nächsten Jahre, auch in meiner Rolle als Vorstandsvorsitzender, beizubehalten und zu pflegen.

Tossia Corman

40 Jahre zakk Geburtstagsparty, 9.9., 21 Uhr, zakk Düsseldorf