Gute Luft in Gelsenkirchen: Konzept für ein gutes Klima

Vorzeigeprojekt: Die Klimaschutzsiedlung an der Rheinelbestraße. | Foto: Thomas Robbin/Stadt Gelsenkirchen

Gelsenkirchen hat ehrgeizige Klimaziele. Den Weg zu ihrer Umsetzung erläutert der neue Leiter des Umweltreferats Dr. Thomas Bernhard im Gespräch mit Dominique Schroller.

Was tun Sie für ein gutes Klima in der Stadt?

Gelsenkirchen ist seit mehr als 20 Jahren eine klimaaktive Stadt. Mitte der 90er Jahre war der Betrieb der damals größten Auf-Dach-Solarstromanlage der Welt auf dem Wissenschaftspark der Anstoß zu einer Vielzahl von Initiativen. Gelsenkirchen ist inzwischen Standort von Solar- und Klimaschutzsiedlungen, Solarkraftwerken und vielen weiteren Projekten. Seit 2012 setzen wir unser Klimaschutzkonzept schrittweise um, das mit einem konkreten Ziel verbunden ist: Bis 2020 sollen die jährlichen CO2-Emissionen bezogen auf 2008 um 25 Prozent sinken. Im vergangenen Jahr hat der Rat zudem beschlossen, dem Bündnis klimaaktiver Kommunen auf europäischer Ebene beizutreten. Das Ziel: bis 2030 den CO2-Ausstoß um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken.

Dr. Thomas Bernhard | Foto: Stadt Gelsenkirchen

Wie möchten Sie das erreichen?

Mittel- und langfristige Klimaschutzziele sind nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung der gesamten Stadtgesellschaft erreichbar. Das Klimaschutzkonzept der Stadt mit insgesamt 50 Maßnahmen gibt Orientierung für Anstrengungen im städtischen Bereich, in der Wirtschaft, den privaten Haushalten und beim Thema Mobilität. Die städtische Klimakampagne „klimagenial“, die Internetplattform für Hauseigentümer „Altbauneu“ oder die städtischen Klimatische und -konferenzen bieten vielfältige Informationsmöglichkeiten.

Wie weit sind Sie auf diesem Weg bereits vorangekommen?

Während der zweiten Klimakonferenz Gelsenkirchen im Oktober 2016 haben wir die Ergebnisse der CO2-Bilanzierung für das Jahr 2014 und damit eine Halbzeitbilanz bei der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes bis 2020 vorgestellt. Diese belegen, dass wir bereits deutliche Fortschritte gemacht haben, auch wenn es noch stärkeren Handlungsbedarf in den Bereichen Wärmeverbrauch und Mobilität gibt.

Wo sehen Sie die größten Hürden?

Klimaschutz in einer Stadt kann nur als gemeinsame und von den Bürgern getragene Aufgabe gelingen. Hier müssen wir künftig noch stärker informieren und motivieren. Messbare Erfolge im Klimaschutz hängen aber zum größten Teil von positiveren Rahmenbedingungen und Entwicklungen auf europäischer sowie auf Bundes- und Landesebene ab, die wir als Kommune zwar einfordern, aber letztlich nicht bestimmen können.

Welche Rahmenbedingungen wünschen Sie sich von Stadt und Land?

Die Stadt Gelsenkirchen wünscht sich stärkeren Rückenwind besonders in den bereits genannten Bereichen „Wärmeverbrauch“ und „Mobilität“.

Wo ist Gelsenkirchen bereits vorbildlich?

Drei Solarsiedlungen, eine Klimaschutzsiedlung, das Solarquartier Graf Bismarck, das aktuelle Bauprojekt „Am Waldbogen“ in Buer und das Energielabor Ruhr in Hassel sind nur einige Beispiele für die Vielfalt an Anstrengungen. Im eigenen Handlungsbereich setzt Gelsenkirchen bereits seit 2015 auf 100 Prozent Ökostrom. Mit der Koordinierungsstelle Klimaschutz im Referat Umwelt ist die Stadt auch organisatorisch in diesem Bereich gut aufgestellt.