Kinderarmut: „Armer Anfang ist schwer“

„Wir möchten einen Beitrag leisten, dass jedes Kind eine Chance auf ein selbstbestimmtes und gesichertes Leben erhält, um zu verhindern, dass unsere Gesellschaft auseinanderfällt.“ Klingt beim ersten Hingucken ganz freundlich. Beim zweiten ist klar, dass da was nicht stimmt. Und es stimmt ganz gewaltig etwas nicht. Diese Aussage kommt nämlich aus dem Hause Alte Feuerwache, und dort sieht man ausgerechnet am Beispiel von Kindern, wie sie (immer weiter) auseinanderfällt, unsere Gesellschaft.

„Nicht nur wir sehen uns mehr und mehr mit der Problematik konfrontiert, dass Kinder in die Einrichtungen kommen, die zu Hause nicht genug zu essen bekommen, über keine ausreichende Bekleidung verfügen und zunehmend Verwahrlosungstendenzen aufweisen“, informiert der Leiter der Alten Feuerwache, Joachim Heiß. „Die Kinder sind unruhig, können sich nicht konzentrieren, sie fallen durch eine hohe Stressbelastung sowohl im psychischen als auch physischem Bereich auf, was sich einerseits in Traurigkeit, Ängsten und Ärger und andererseits u. a. in Bauch- und Kopfschmerzen ausdrückt. Besorgniserregend hoch sind mittlerweile die Verordnungszahlen von Antipsychotika für Kinder und Jugendliche. Von 2005 bis 2012 sind die Verschreibungen um 41 Prozent gestiegen.“

Wer jetzt, auch angesichts der Tatsache, dass Deutschland nach wie vor ein schwerreiches Land ist, die Wut kriegt, möge sich die folgende Mitteilung noch auf der Zunge zergehen lassen: „Wir sehen es mit Sorge, dass die Bundesmittel für die Schulsozialarbeiter im nächsten Jahr nicht weiter finanziert werden.“ Und da die Sorge richtig groß ist, hat die Alte Feuerwache die Kampagne „Armer Anfang ist schwer“ ins Leben gerufen. Eine Kampagne, die wachrütteln und der Frage nachgehen will, in was für einer Gesellschaft wir denn eigentlich leben wollen? (Immer auch eine spannende Frage kurz vor einer Bundestagswahl) „Wir möchten eine gesamtgesellschaftliche Diskussion anstoßen. Hierbei möchten wir die Problem- und Bedürfnislage von Kindern in den Fokus rücken, die in der Öffentlichkeit weitestgehend nicht wahrgenommen werden.“

Auftakt ist eine zweitägige Fachtagung am 12.+13. September, die sich an Vertreter aus Politik, Kultur, Wissenschaft und sozialer Arbeit wendet.

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Es ist eine laue Sommernacht Ende Juli, als sich eine Gruppe von knapp 50 Leuten um kurz nach Mitternacht im Essener Stadtteil Frohnhausen zu einem Chor zusammenschließt und gemeinsam den Ton-Steine-Scherben-Klassiker „Rauch Haus Song“ anstimmt. Empfänger des Soli-Lieds sind die Hausbesetzer der ehemaligen Schule Bärendelle. Diese hatten zwei Tage zuvor den Gebäudekomplex für sich eingenommen. [mehr...]


Nachttanzdemo: 6.9. (19 h) ab Vorplatz Hbf, Duisburg

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