Götterdämmerung - Der Aufklärungsdienst

Die Website des Düsseldorfer Aufklärungsdienst

Laut Grundgesetz sind Staat und Kirche getrennt. Zumindest theoretisch. In der Praxis nimmt die Kirche tiefgreifenden Einfluss auf gesellschaftspolitische Entwicklungen und wird auch von konfessionsfreien Steuerzahlern kräftig subventioniert. Widerstand kommt vom Düsseldorfer Aufklärungsdienst, der sich vor anderthalb Jahren als religionsunabhängiges Forum organisierte. Mitbegründerin Eva Creutz erzählte Berit Kriegs, was es damit auf sich hat.

Foto: Christof Wolff

Düsseldorfer Aufklärungsdienst, das klingt ein bisschen wie: Das Ordnungsamt erklärt uns die Welt. Woher dieser sperrige, nicht eben selbsterklärende Name?

Wir haben damals in einer Bierlaune gescherzt, dass das Pendant zum Gottesdienst wohl der Aufklärungsdienst sein müsse. Es stimmt, man verbindet damit nicht sofort den philosophischen Gedanken der Aufklärung. Inzwischen kürzen wir uns DA ab, was auch heißen kann: Düsseldorfer Agnostiker, Atheisten oder Aktivisten. Und die sind auch alle angesprochen, uns zu besuchen und mitzumachen.

Welche Idee steckt hinter dem DA?

Es geht darum, säkulares Leben sichtbar zu machen und eine Anlaufstelle zu bieten. Gut ein Drittel der Deutschen ist konfessionslos, in Düsseldorf sind es sogar 45 Prozent. Diese Menschen haben aber keine Lobby. Es gibt eine erstaunliche Verquickung von Staat und Religion, die wir strikt ablehnen, weil in der Politik weltliche Standards gelten müssen.

Bitte ein Beispiel für den unguten Einfluss der Kirche.

Kirchenleute sitzen in den Medien, etwa in den Rundfunkräten, und bestimmen mit. Religiöse Verkündigungsformate gibt es quer durch alle Sender. Problematisch ist auch, dass der Staat die Kirchensteuer eintreibt und die Konfession auf der Lohnsteuerkarte festgehalten ist. Die Kirche ist der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland, und wer in einem kirchlichen Betrieb arbeitet, muss fürchten, seinen Job zu verlieren, wenn er austritt. Oder sich scheiden lässt oder als homosexuell outet. Das sind massive Eingriffe ins Privatleben.

Wird mit der Kirchensteuer nicht vor allem Sozialarbeit finanziert?

Das denken viele, aber dem ist nicht so. Der größte Teil der Kirchensteuer dient der Unterhaltung des Kirchen-Apparats, nur der geringste Teil fließt an karitative Zwecke. Die Kirche besetzt den sozialen Sektor sehr stark, aber konfessionelle Kindergärten, Schulen oder Altenheime werden überwiegend, wenn nicht komplett vom Staat finanziert. Dennoch gelten kirchliche Arbeitsbedingungen. Bischofsgehälter werden aus normalen Steuermitteln bezahlt, nicht aus der Kirchensteuer. Zudem erhalten die Kirchen beträchtliche staatliche Zuschüsse, also von der Allgemeinheit aufgebrachte Steuergelder. Hier fordern wir eine konsequente Trennung. Die Kirchen müssen ihre Finanzen selber regeln.

Wie sieht eure Informationsarbeit aus?

Wir bieten an jedem ersten Dienstag im Monat ein offenes Treffen im Goldenen Ring. Außerdem machen wir eine Veranstaltungsreihe im zakk, zu der wir immer einen säkularen Gast einladen. Im September stellt die SPD-Politikerin Ingrid Matthäus-Maier die Kampagne „GerDiA“ (Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz) vor.

Eure Kritik richtet sich nicht nur gegen die christliche Religion.

Nein. Was uns stört, sind die Privilegien der institutionalisierten Religionen, sei es im Christentum oder Islam, wo die gleichen patriarchalen Strukturen herrschen. In der Islamkonferenz sitzen sehr konservative Gruppierungen, die sich als Sprachrohr der Muslime generieren, aber eigentlich nur einen Bruchteil von ihnen vertreten. Muslim ist man qua Geburt, aber nicht jeder Muslim ist auch religiös.

Religionsgemeinschaften zu kritisieren, ist ein heikles Thema. Sollte man nicht die Glaubensüberzeugungen anderer respektieren?

Natürlich. Wir wollen ja niemanden bekehren, es soll jeder glauben, was er will. Trotzdem möchten wir dazu anregen, die Dinge auch mal zu hinterfragen, skeptisch zu sein, statt zu sagen: Das steht so geschrieben und deshalb ist es so.

Ist Religion überhaupt noch zeitgemäß?

Also, ich sage Nein. Sicher braucht man etwas, das Sinn verleiht im Leben. Aber für mich wirft die Religion mehr Fragen als Antworten auf.

Gibt es eine Alternative zur Religion?

Wissenschaft, Philosophie und Kunst bieten Antworten auf vieles, vielleicht auf alles, was die Menschen bewegt. Letztlich geht es darum, das Diesseits verantwortungsvoll zu gestalten. Die berühmten christlichen Werte sind bei näherer Betrachtung gar keine christlichen, sondern zuallererst menschliche: Toleranz, Nächstenliebe, Humanität usw. Ich glaube, Menschsein ist eine gute Alternative zur Religion.

aufklaerungsdienst.de

Kommentare

  1. von Menschenrechtsaktivist 22.01.14 (21:43 Uhr)

    passt schon

  2. von Ricarda Hinz 10.09.12 (17:53 Uhr)

    DA! es keine Götter gibt, gibt es auch keine göttlichen Gesetze.
    Diese uralte Geschichte, sich als Priesterkaste Privilegien zu verschaffen, ist leider eine vor- und undemokratische Idee. Hält sich aber, Dank der über eineinhalb Jahrtausende währenden Lobbyarbeit und der Sehnsucht der Menschen nach Geborgenheit unter einer Autorität, hartnäckigst.
    Dabei fördern die Erkenntnisse und Horizont-Erweiterungen der Wissenschaften wesentlich Spannenderes zu Tage, als die obsoleten Mythenvereine.
    Im Internet kann man sich über die Kultur-Vielfalt auf unserem Globus grenzenlos informieren. Und die Identifikation mit kollektiven Kulturen läuft inzwischen zunehmend selbstbestimmt und zwanglos... soweit es die Gesetzeslage zulässt.
    Aber diese hinkt leider hinter der Aufgeklärtheit der Menschen her, bzw. scheint sich sogar rückwärts zu drehen. Das "freie, ergebnisoffene Denken" will permanent verteidigt werden, gegen jene, die ihren Gottesstaat an des Rechtsstaates Stelle setzen wollen. Aber: Werte sind und bleiben menschlich. Wir plädieren für Freiheit, Gleichheit, und Aufklärung!

Kommentar hinzufügen

* Pflichtfeld