Bochumer Musikzentrum: "Ein unnötiges Prestigeobjekt"

„Bochum braucht kein Musikzentrum“ | Foto: Martin Huch

Mehr als 20 000 Bürger haben in Form von Spenden ihr Votum pro Bau des Bochumer Musikzentrum abgegeben. Comedian und Autor Hennes Bender gehört nicht dazu. Ein Gastkommentar:

Wir schreiben das Jahr „2“ nach der Kulturhauptstadt. Pleite, Panik, Armut! Im GANZEN Ruhrgebiet? Nein! Denn immerhin gibt es noch das Dorf Bochum, welches sich galliergleich den Herrschern in Arnsberg und Düsseldorf widersetzt und trotz leerer Kassen sich ein Konzerthaus für seine Symphoniker baut! Die „BoSys“ haben den unglaublichen Luxus, mehrere großartige Spielstätten in ganz Bochum nutzen zu können. Das sorgt seit vielen Jahren dafür, dass im gesamtem Stadtgebiet allerorts breit gestreut und auf höchstem Niveau musiziert wird! Wenn Generalstabsoberdirigent Sloane sich also nun das neue, zentrale Musikzentrum bauen lässt, fallen diese Orte weg und die eh schon kulturell schwer benachteiligten Stadtrandteile sehen in die Röhre. Und nicht in die Tuba!

Ich als kulturaffiner Bürger hätte mich sofort für ein neues Zentrum begeistert, wäre es denn zwingend nötig gewesen. Da nun aber nachweisbar kein dringender Bedarf besteht UND das gesammelte Geld woanders besser, sprich: sozialer ausgegeben wäre, bleibt der geplante Komplex für mich ein unnötiges Prestigeobjekt und damit ein Schlag ins Gesicht aller sozial Benachteiligten.

Auch dem Argument, dass 25 000 Bürger bereitwillig für das Zentrum gespendet haben, steht die Tatsache gegenüber, dass in Bochum circa 374 000 Menschen wohnen. Und selbst wenn man jene abzieht, welche nicht spenden wollten oder konnten (Kinder, Obdachlose, Hartz-IV-Empfänger), dann kann man wirklich nicht von einer „Befürwortungsmehrheit“ sprechen.

Ich jedenfalls bin froh, dass ich keine Kinder habe, denen ich erklären muss, warum in Bochum viele Kindergärten, Schulen, Schwimmbäder, Stadtteilbibliotheken sowie kulturelle und soziale Einrichtungen vor dem Aus stehen oder bereits geschlossen wurden, während auf der Viktoriastraße zwischen Lidl und Table-Dance-Bar (denn genau auf dieser Achse liegt das Musikzentrum) aus vollen Taschen fidel gefidelt gewerden darf.

Bochum braucht kein neues Musikzentrum, sondern eine gerechte Verteilung öffentlicher Mittel im kulturellen wie im sozialen Bereich, unabhängig von jedwegigen finanziellen Sachzwängen. Auch wenn ich mich mit meiner Meinung in meiner Heimatstadt für einige zur kulturellen „Persona non grata“ mache: In jedem Orchester muss es eben einen geben, der die Arschgeige spielt!

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