Spirit auf Anfang: Wie sich der Dortmunder Kultclub neu erfinden will

Ob und wie die Außenwand des Spirits neu gestaltet werden soll, darüber können Gäste bald in einer Befragung abstimmen. | Foto: Julia Hubernagel

Das Spirit schließt nicht! Nicht nur bei DJ Mimi und dem Spirit-Team kam daraufhin große Erleichterung auf – über tausend Metaller und Rocker nahmen die Nachricht glücklich auf. Doch nach der ersten Welle der Begeisterung kommen Fragen auf. Wie ist es dazu gekommen? War das ganze vielleicht nur ein Scherz? Coolibri war vor Ort und hat nachgefragt.

Wir erinnern uns: Ende Juni hatten die Spirit-Betreiber verkündet, den Laden dicht machen zu müssen. Das Spirit, das seit 1989 im Brückstraßenviertel für kultige Metalabende sorgt, erzielte nicht mehr genügend Umsatz. „Wir waren einfach pleite“, bringt Geschäftsführerin Sarah Plat es auf den Punkt, „anders kann man das nicht sagen.“ Nach einer fetten Abrissparty sollte es vorbei sein mit den wilden Nächten in der Helle 9. Doch als unzählige Spiritnostalgiker teils von weit weg anreisten, um von einer der ältesten Diskotheken des Ruhrgebiets Abschied zu nehmen, fanden auch Sponsoren: „Eigentlich ist das Spirit zu kultig, um abgerissen zu werden.“

Hinter dem Tresen wurde ein Klo gefunden. | Foto: Julia Hubernagel

Neue Unterstützer

Die Carlsberg Brauerei und Hartmann Getränke, um die Retter der Stunde beim Namen zu nennen, boten dem Spirit ihre Unterstützung an – aber nur, wenn das Spirit auch das Spirit bliebe. Mitten in den Renovierungsarbeiten befand sich das Spirit-Team zu der Zeit, hatte doch ein anderer Investor Interesse an der Location mit einem ganz neuen Clubkonzept bekundet. „Da mussten wir erst zusehen, wie wir aus den Verträgen wieder rauskommen“, erinnert sich Sarah Plat lachend.

Doch damit auf Umsatzeinbußen nicht weiter Umsatzeinbußen folgen, ändert das Spirit sein Konzept. „Mit der Abschlussfeier geht jetzt eine Ära zu Ende“, erklärt Plat, die seit 2016 den Schuppen leitet. „Wir müssen hier einiges verändern.“ Ganz neu soll es zumindest aussehen, Mimi und Sarah Plat stehen inmitten von Bauschutt, während sie reden. Sind die alten, längst berüchtigten Toiletten des Spirits mittlerweile abmontiert, ist an anderer Stelle eine neue aufgetaucht. Hinter dem Tresen, in einem kleinen abgetrennten Raum, wartet ein im 70er- oder 80er-Jahre Stil gefliester Abort auf Besucher. „Der ist plötzlich aufgetaucht, als wir die Wand runtergenommen haben“, erzählt Mimi und bewegt seine schweren Arme. „Jetzt müssten wir da eigentlich ein Gespenst rein setzen, das hoch und runter schwebt.“ Zumindest in Szene setzen sollte man das Überraschungsklo, findet Plat. „Eine Toilette hinterm Tresen hat nämlich niemand.“

Der Umbau läuft. | Foto: Julia Hubernagel

Auch das Programm will das Dortmunder Diskoteam ändern. Mehr Leute, vor allem auch Studenten, sollen das Spirit als günstigen Ort zum Feiern für sich entdecken. Mittwochs sollen Pop, Rock und Black Music den jüngeren Besuch zum Tanzen bringen, freitags wird DJ Zybon mit Hip-Hop ganz neue Töne durchs Spirit wehen lassen. „Nicht mehr so viel Schwermetall“, erklärt Mimi das neue Konzept. Und auch Live-Musik wird es im Spirit wieder geben: Etwa einmal im Monat sollen Nachwuchsbands durch die neue Anlage zu hören sein. Konzerte gab es schon ewig nicht mehr im Spirit, erzählt Mimi, der seit der Geburtsstunde des Clubs dabei ist, „dabei waren das die schönsten Tage im Spirit.“

Kein Marketing-Gag

Bei all der Neuanfangseuphorie bleibt jedoch ein bitterer Beigeschmack in den Mündern der Crew. „Uns zu unterstellen, dass alles sei ein Marketing-Gag, schmerzt schon“, sagt Plat. Auf Facebook hat sich bereits eine rege Diskussion darüber entsponnen, ob mit einer vermeintlichen Schließung einfach wieder mehr Besucher angelockt werden sollten. Innerhalb von wenigen Wochen löst sich solch ein Problem doch nicht von allein, heißt es in den Kommentaren. „Wer uns kennt, weiß, dass wir sowas nicht machen würden“, erklärt Plat. „Wir lieben das Spirit und seine Besucher.“

Wer sich selbst ein Bild von der neugeborenen Kultdisko machen möchte, sollte am voraussichtlich zweiten Septemberwochenende vorbeischauen. Dann heißt es nämlich wieder: Party im Spirit. Natürlich auch mit DJ Mimi. Julia Hubernagel

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