Mietpreisvergleich: Wohnen im Ruhrgebiet ist billig und schön

So wohnen Studis in Bochum an der Querenburger Höhe | Foto: Lina Niermann

Wohnen wird immer teurer. Die Berliner Morgenpost hat einen Mietpreisvergleich deutscher Großstädte veröffentlicht, der offenbart, wie brachial teuer das Leben in unseren Metropolen teilweise ist. Ausnahme: Der Pott! Dessen Großstädte rangieren mit verträglichen Mietpreisen von etwa 5 bis 8 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter auf den hinteren Plätzen.

Stellen wir das mal von Anfang an klar: Kommt uns nicht mit „Aber Ruhrgebiet ist ja auch nicht Berlin“. Denn ja, das Ruhrgebiet ist nicht Berlin, es hinkt gerne allen Trends ein paar Jährchen hinterher, entwickelt sich generell etwas behäbiger und ist nicht die Hipsterhochburg der Nation, aber lebens- und liebenswert ist der Pott. Und er sprudelt vor Ideen, Konzepten und mutigen Machern, die jeden Tag daran arbeiten, aus dem Städtekonglomerat eine pulsierende Metropole zu machen – und darin nicht unerfolgreich sind. Ende der Durchsage, zurück zu den Zahlen: Am teuersten ist das Wohnen, das dürfte nicht überraschen, in München. In der bayrischen Metropole kostet ein Quadratmeter kalt im Durchschnitt 15,18 Euro. Für eine mickirge 45 Quadratmeter Wochnung muss ein Münchener also durchschnittlich 683,10 Euro im Monat bezahlen - plus Nebenkosten. Und da steht das Abendessen noch nicht mal auf dem Tisch. In den teuersten Münchener Gefilden (in denen vermutlich keine 45er-Wohnungen zu finden sind) wären es übrigens 832,50 Teuro. Erstaunlich weit hinten, auf Platz 22 von 79, liegt Berlin. 9 Euro Kaltmiete im Durchschnitt ist dennoch ein satter Wert – galt die Hauptstadt doch lange als erschwingliches Pflaster und Studentenparadies. Schlimmer noch – die Berliner Morgenpost zitiert eine Analyse, laut derer sich Durchschnittsverdiener in Berlin jedes zehnte Postleitzahlengebiet nicht mehr leisten können, da sie ein Drittel ihres Monatseinkommens allein für die Miete aufbringen müssten.

Mietschreck Düsseldorf, Mietoase Ruhrgebiet

Erschreckend für NRW sind die Zahlen aus Köln und Düsseldorf. Die Landeshauptstadt liegt in der Teurer-Wohnen-Rangliste auf Platz 12, der Mietpreisdurchschnitt beträgt 9,70 Euro, die Mieten rangieren hier von 8,24 bis 12,26 Euro. Die 45-Quadratmeter-Wohnung, in die ein einzelner Student passt, kriegt man hier für 436,5 Euro Kaltmiete im Monat. Kölner zahlen sogar durchschnittlich noch 13,50 Euro mehr. 

Und dann kommt das Ruhrgebiet. Weit abgeschlagen hinter Städten wie Bonn, Göttingen, Bremen, Neuss und Dresden ist die erste Pottstadt auf der Liste die westliche Grenzstadt Moers mit durchschnittlich 6,45 Euro Kaltmiete im Monat. Nur zwei Plätze dahinter auf Rang 56 steht Mülheim mit 6,38 Euro. Es folgt ein dichtes Feld kaum variierender Preise mit Dortmund (6,36 Euro), Essen (6,36 Euro) und Bochum (6,20 Euro). Auch kleinere Flecken im Pott gibt’s für günstiges Geld: Bottrop ist mit 6,03 Euro dabei, Oberhausen mit 5,71 Euro, Recklinghausen mit 5,56 Euro und Duisburg mit einem Rekordniedrigpreis von 5,50 Euro – einer der letzten Plätze auf der Liste.

Nun sind diese blanken Zahlen für ein Ruhrgebiet, dass sich als attraktiver Wohnort präsentieren will, wunderbar. Ein Single-Student mit dem Anspruch auf seine 45 Quadratmeter bezahlt etwa in Dortmund durchschnittlich nur 286,2 Euro. Für die horrenden Münchener 683,10 Euro könnte besagter Pottstudent eine Drei-Personen-Weg auf guten 107 Quadratmetern gründen. Vermutlich wird diese dann aber in der Nordstadt liegen – denn im hippen Kreuzviertel wird diese Rechnung nicht aufgehen. Gleiches gilt für Essens angesagte Ecken, etwa Rüttenscheid. Von Baldeney- und Phoenixseelagen wollen wir gar nicht anfangen.

Nichtsdestotrotz: Das Ruhrgebiet schneidet bestens ab. Die Mieten sind im Durchschnitt erschwinglich und auch wenn es sicher noch mehr Probleme als zum Beispiele eine maue Infrastruktur gibt, ist der Pott doch ein höchst lebenswertes Eckchen Deutschland. Wir haben viel Natur und Freizeitangebote, hoch angesehen Kulturinstitutionen, coole Partystätten, renommierte Universitäten, schicke Viertel und Mieten, die es ermöglichen, all das auch noch zu genießen. Tja – tschö München! 

Lukas Vering

Die ganze Studie findet ihr hier: interaktiv.morgenpost.de/mieten-grossstaedte-deutschland