Wetter ist Chaos: Unser Besuch bei den Wetterexperten

Rebekka Krampitz, Lars Dahlstrom und Andreas Neuen | Foto: Patrick Wendt

Als Monatsmagazin eine Wettervorhersage abzudrucken, macht in etwa so viel Sinn, wie die kommenden Lotto-Zahlen vorherzusagen. Und so dient der Besuch beim Bochumer Sitz des global agierenden Unternehmens MeteoGroup auch mehr dem Interesse, wie es denn so generell um das Wetter im Ruhrgebiet bestellt ist.

In Sachen seriöser Vorhersage bestehen, das macht Diplom-Meteorologin Rebekka Krampitz sofort klar, zeitliche Grenzen: „Drei Tage kann man sehr gut schätzen. Hier liegt die Treffsicherheit mittlerweile bei 92 Prozent. Mehr als fünf Tage sind schwierig.“ Für annähernd präzise Angaben gilt es, so viele Daten wie möglich von Messstationen auf der ganzen Welt sammeln. Temperatur, Windstärke, Bewölkung, Niederschlag- und Schneefallgrenze sowie der Energiegehalt in der Luft, all diese Faktoren nehmen Einfluss auf den Wetterverlauf. Vor allem aber in Bezug auf erwartbare Niederschläge bleibt aber oft ein unvorhersehbarer Restanteil. Oder wie es Krampitz´ Kollege Andreas Neuen ausdrückt: „Das Wetter ist Chaos.“

Stadtwärme und Normalhöhennull

Maßgeblich beeinflusst wird das Ruhrgebietswetter von Atlantikluft, die von Südwesten zu uns gelangt. Neuen: „Ein Hoch über England bringt uns in der Regel viele Wolken.“ Die erste wirklich Einfluss nehmende geologische Grenze ist in dem Fall das südlich gelegene Bergische Land. Flussläufe dagegen haben kaum Auswirkungen: „Das Wetter hält sich nicht am Wasser auf.“

Ein gemeinsamer Blick ins Kartenbuch mit den Wetterdaten mehrerer Jahrzehnte zeigt, dass es im Ruhrgebiet durchaus bemerkenswerte regionale Unterschiede zu verzeichnen gibt. Auf der Hellweg/Haarsteig-Linie, die im Dortmunder Osten beginnt und über Unna bis nach Soest reicht, regnet es statistisch gesehen, weit weniger als zum Beispiel in Duisburg oder Marl. Auch Höhenlagen spielen eine Rolle. Während Wesel gerade mal 23 Meter über Normalhöhennull liegt, befindet man sich auf dem Wengeberg in Breckerfeld auf 442 Meter Höhe. Für spürbare Temperaturunterschiede sorgt außerdem der Mensch. Ausgelöst durch Auto-Motoren, Heizungen und der dichten Besiedelung ist es in städtischen Ballungszentrum nicht nur gefühlt wärmer als in Natur geprägten Außenbezirken.

Quellwolken und Hundstage

Mitten im Gespräch klingelt es in der Bochumer Unwetterzentrale, die für zahlreiche Medien und Kommunen in Deutschland und den Benelux-Ländern Warnmeldungen registriert und weiter verbreitet. Im Schwarzwald haben sich soeben ein paar beachtenswerte Quellwolken gebildet. Lars Dahlstrom wirft einen prüfenden Blick auf die Daten und kommt schnell zum Fazit: nichts Dramatisches. Während er die Entwicklung an sechs Bildschirmen im Auge behält, geht es mit Krampitz und Neuen rauf aufs Dach. Hier nehmen die Meteorologen täglich Moderationen fürs TV und den Netzauftritt von wetter.info auf. Andreas Neuen zeigt vom eigenen Standort in Ehrenfeld hinüber in Richtung Riemke, wo eine potenzielle aber bis heute nicht als Messstation genutzte Erhebung aus dem viel bebauten Bezirk hervorsticht. „Seht ihr da hinten den Tippelsberg? Der wird vom Umweltservice Bochum verwaltet. Ich hätte gerne, dass der USB mir einen 10-Meter-Telegrafenmast da hinsetzt. Am besten aus Holz, denn Metall zieht Blitze an. Das Anbringen der Messgeräte übernehme ich dann.“

Bei der Verabschiedung im Treppenhaus ein letzter Versuch, vielleicht doch eine vage Einschätzung zu den Sommer-Aussichten im Erscheinungsmonat zu bekommen. „Na ja, die Hundstage mit viel warmer Luft gehen bis Mitte August. Und während der Cranger Kirmes ist eigentlich immer gutes Wetter.“