ÖPNV: Der Klotz am Bein der Metropole

Verspätungen in der Premium-Stadt | Foto: Honke Rambow

Mitten im WM-Fieber beschließt der VRR eine Ticket-Preiserhöhung um durchschnittlich 3,8 Prozent für das nächste Jahr. Auch das Semesterticket soll davon betroffen sein. Die wesentliche Frage: Hat der VRR ansonsten noch Ideen?

Es wird ja alles teurer. Der öffentliche Personennahverkehr im VRR gilt aber vielen Menschen ohnehin schon als überdurchschnittlich teuer. Stimmt das überhaupt? Ein Monatsticket für das Stadtgebiet Essen kostet derzeit 74,20 Euro. In Berlin kostet das für die erweiterte Innenstadt 78,– und in Köln 64,30. So groß sind die Unterschiede nicht, aber das Ruhrgebiet möchte eine Metropole sein.

Teure Mobilität

Es lohnt sich also ein Vergleich der Tarife über den Innenstadtbereich hinaus. Der Großraum Berlin mit Potsdam und Spandau kostet 97,–, Köln, Bonn, Leverkusen und Bergisch Gladbach 110 Euro – das entspricht mindestens dem Gebiet der Preisstufe C, eigentlich sogar eher D im VRR. Und die kosten schon 137,25 bzw. 167,15 Euro. Dass der ÖPNV im Ruhrgebiet so teuer ist, liegt an der komplexen Struktur der Region. Tarifgebiete können nicht in Kreisen um ein Stadtzentrum gelegt werden. Wir haben Waben. Lassen wir einmal dahingestellt, ob irgendein Tourist dieses System versteht, es macht auf jeden Fall die Mobilität in der Metropole Ruhr – wenn wir diesen Begriff ernst nehmen wollen – unverhältnismäßig teuer.

Ohne Vernunft

Und die Verantwortlichen scheinen um die Schwierigkeiten ihres Tarifsystems zu wissen, weshalb in schöner Regelmäßigkeit eine neue Idee alles gerechter machen soll. Leider lassen diese Ideen allzu oft Vernunft und Realitätssinn vermissen. Zuletzt war das die Einführung von zwei unterschiedlichen Zusatztickets. Eine Regelung, die so ungerecht und unverstehbar war, dass sie ganz flott wieder abgeschafft wurde.

Nun gibt es eine neue Idee: Die Premium-Stadt. Der neue Tarif A3 soll für Städte mit besonders dichtem ÖPNV-Netz gelten. Nach Ansicht des VRR sind das Dortmund, Bochum, Düsseldorf, Essen und Wuppertal. Ob eine Schwebebahn für die Premium-Auszeichnung reicht? Dass das Essener Netz mit letzten Abfahrten der Tram vor 0 Uhr, Halbstundentakt an Abenden und Wochenende und seinen überalterten Bahnen und rasant zunehmenden Verspätungen wegen Fahrzeugstörungen nicht premium ist, müsste auch dem VRR klar sein.

Entwicklungshemmer

Ja, das Ruhrgebiet hat eine komplizierte Struktur, und ja, Preiserhöhungen gibt es nicht nur beim ÖPNV, aber, lieber VRR, es wäre doch klug gewesen, wenn du mit der Preiserhöhung auch versprochen hättest, dass vielleicht irgendetwas ein bisschen metropolitaner wird. Und wenn es nur gewesen wäre, um uns Bus- und Bahnfahrer zu beschwichtigen. So aber ist der ÖPNV auch weiterhin ein großer Klotz am Bein, der das Ruhrgebiet auf dem Weg hin zur Metropole Ruhr behindert.