Horst braucht Hilfe

| Foto: Michael Blatt

Das Mönchengladbacher Festival schreibt rote Zahlen

Rund 10.000 Euro fehlen den Veranstaltern des Horst Festivals derzeit in der Kasse derzeit ist deshalb noch unklar, ob es Horst im nächsten Jahr geben wird. Höhere Eintrittspreise kommen für die Veranstalter jedoch nicht in Frage und auch der kostenlose Sonntag soll bleiben.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Geld in Nordrhein-Westfalen ungleich verteilt ist. Auf der einen Seite stehen Städte wie die Landeshauptstadt Düsseldorf, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit betont, schuldenfrei zu sein. Etwas schattiger sieht es in Wuppertal oder Mönchengladbach aus. Aber die Ebbe in der Stadtkasse kann durchaus auch eine Chance für die Städte sein. Stichwort bürgerschaftliches Engagement. Der Einsatz vieler Einzelner kann so manchen nicht geflossenen Euro aufwiegen. Das ist auch beim Mönchengladbacher Horst-Festival so, das Anfang August zum mittlerweile fünften Mal auf dem Platz der Republik hinter dem Mönchengladbacher Hauptbahnhof über die Bühne ging. Über 400 Menschen engagierten sich bei der jüngsten Horst-Ausgabe ehrenamtlich – damit ist ein neuer Höchststand erreicht. 200.000 Euro betrug der Etat des Festivals in diesem Jahr. Müsste man die Ehrenamtler entlohnen, würde die Summe auf fast 500.000 Euro steigen.

Mangelndes Engagement von Seiten der Stadt wurde beklagt.

Aber selbst die 200 000 waren 2013 zu viel. Dabei hatte man die Kinderkrankheiten aus dem vergangenen Jahr gut in den Griff bekommen. So sorgten zwei Eingänge für einen besseren Zuschauerfluss, eine neue Bühne für mehr Beinfreiheit und auch der Sound wurde optimiert. Zudem zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite: Drei Tage strahlender Sonnenschein mit Temperaturen bis zu 41 Grad. Zu den 32 Acts kamen rund 12 000 Zuschauer. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das allerdings einen Rückgang. 17 000 Besucher zählte HORST im vergangenen Jahr, was nicht zuletzt den populären Headlinern Cro und Kraftklub geschuldet war: Als die Chemnitzer ihr Set spielten, musste das Gelände wegen Überfüllung geschlossen werden. „Natürlich hätten es in diesem Jahr auch mehr Zuschauer sein können“, sagt Oliver Leonards, seit fünf Jahren Veranstaltungsleiter des HORST-Festivals. Platz genug sei durchaus da. Allein Künstler wie Cro oder Kraftklub habe der deutsche Musikmarkt 2013 nicht zu einem bezahlbaren Kurs hergegeben. „Ein weiterer Sprung für dieses Jahr war nicht zu erwarten“, stellt Leonards fest. Das sahen die Veranstalter übrigens schon im Vorfeld des Festivals so. Nun haben sie den Salat. Nach einem Minus von ca. 20 000 Euro im Jahr 2013 sind nicht nur die Reserven aus den fetten HORST-Jahren aufgebraucht. In der Kasse klafft ein hässliches Loch von 10 000 Euro.

Die Lösung: Öffentliche Gelder?

In solchen Situationen wird ja gerne nach öffentlichen Geldern gerufen, so auch in Mönchengladbach. Zu recht. Leider ist die Stadt nicht nur klamm, man hat auch das Festival als Wirtschafts- und Imagefaktor offenbar noch nicht so recht erkannt. Im Gegensatz zum „Open Source Festival“ in Düsseldorf oder dem Dortmunder „Juicy Beats“ erhielt das HORST-Festival bisher keine öffentlichen Gelder – weder vom Land NRW noch von der Stadt. Mit den städtischen Vertretern, so Leonards, hoffen die Veranstalter nun erneut Gespräche aufnehmen zu können. Zudem setzt man einmal mehr auf die Fans des Festivals. Auf der Facebookseite werden sie zu Spenden aufgerufen. Nie passte das Festivalmotto „Horst für alle – alle für Horst“ besser. „12 000 Likes, 10 000 Euro, das macht noch nicht mal einen Euro pro Kopf“, rechnet da ein Kommentierer vor. Und auch andere beteiligen sich mit konstruktiven Vorschlägen an der Diskussion um die Zukunft des dreitägigen Spektakels: „Ein bis zwei Euro mehr Eintritt sind besser als kein Festival“ ist da zu lesen. Auch ein Eintritt für den bisher kostenlosen Sonntag wird mehrfach als mögliche Lösung genannt.

Es kann nicht die Lösung sein, die Bürger noch mehr zur Kasse zu bitten

Solange der Schuldenberg nicht abgetragen ist, ist unklar, ob das Festival im kommenden Jahr erneut stattfinden wird. An den neu strukturierten Eintrittspreisen möchten die Veranstalter auf jeden Fall festhalten. Die Eintrittsgelder von Freitag und Samstag sollen einen eintrittsfreien Sonntag finanzieren – ein schönes Zeichen, zumal für das Festival bei den ersten drei Ausgaben gar kein Eintritt zu entrichten war. „Es kann nicht die Lösung sein, die Bürger noch mehr zur Kasse zu bitten“, sagt Silke Müller, Vorstandsvorsitzende des Horst e. V. „Sie sind es schließlich, die bereits die Organisation und Durchführung des Festivals übernehmen und einen deutlichen Mehrwert für alle, insbesondere auch für Mönchengladbach, schaffen.“

Spendenkonto:

HORST Musik- und Kulturförderung e. V., Stadtsparkasse Mönchengladbach, BLZ 31050000, Konto: 3519956. Verwendungszweck: Horst für alle – alle für Horst

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