Abgehängt: Der Wuppertaler Hbf wird zum Geisterbahnhof

Ab dem 16. Juli (22 Uhr) fahren in Wuppertal keine Züge mehr. | Fotos: Lina Niermann

Schon lange ist es bekannt und dennoch werden wohl einige am ersten Ferientag verwirrt am verwaisten Bahnsteig stehen. Während der gesamten Sommerferien (16. Juli bis 30. August) wird der Eisenbahnknoten Wuppertal vollständig vom Bahnverkehr abgekoppelt. Grund dafür ist die Umrüstung auf eine neue Stellwerkstechnik. Einen kleinen Vorgeschmack gab es bereits in den Osterferien, auch da stand der Bahnverkehr für zwei Wochen still. Jetzt gehen die Baumaßnahmen in die heiße Phase.

Die Wuppertaler sind mittlerweile ja schon einiges gewöhnt. Die Neugestaltung des Döppersberg hat im Stadtzentrum einen riesigen Krater geschaffen. Seit 2014 wird dort gebaut, um ein schöneres und moderneres Bahnhofsviertel zu errichten  und eine bessere Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt zu schaffen. Damit einher gingen die Verlegung des Busbahnhofs an die Ohligsmühle und die Sperrung der B7, der Hauptverkehrsachse des Tals. Auch der Bahnhofstunnel, der zu den Gleisen führte, wurde abgerissen. Seitdem sind die Bahnsteige nur über eine extra eingerichtete Fußgängerbrücke erreichbar. Insgesamt haben sich die Fuß- und Fahrwege dadurch für Pendler deutlich erhöht. Hinzu kommt nun die zweite Komplett-Sperrung des Bahnverkehrs innerhalb eines Jahres, der die Geduld der Tagespendler auf eine harte Probe stellt.  

Die Baumaßnahmen im Detail
Zwischen vierzig und fünfzig Jahre haben die alten Stellwerke auf der 13 Kilometer langen Strecke zwischen Gruiten und Wuppertal schon auf dem Buckel. Nun sollen sie modernisiert werden. Im Rahmen des Bauprojekts „Wuppertal ESTW“ stellt die Bahn auf die elektronische Stellwerkstechnik um. Konkret bedeutet das, dass die alten signaltechnischen Anlagen mit den Stellwerken in Gruiten (Baujahr 1976), Wuppertal Hbf und Wuppertal Vohwinkel (je Baujahr 1964) durch das neue elektronische Stellwerk ersetzt werden. Zukünftig können dann Weichen und Signale von und nach Wuppertal von einem zentralen Ort aus am Computer gesteuert werden.

Auch der Bahnhof Vohwinkel wird abgehängt.
Das Stellwerk in Gruiten wird zurückgebaut.

Die Baumaßnahmen sind umfangreich. Laut Angabe der Deutschen Bahn werden insgesamt 387 Signale aufgestellt, 98 Weichen an die neue Technik angeschlossen und rund 374.000 Meter Kabel verlegt. 195 neue Signalfundamente wurden bereits gegossen und ebenso viele Signalmasten installiert. Zusätzlich sollen zwölf neue Weichen entlang der Strecke verlegt werden. Eine elementare Neuerung ist der Einbau einer Doppelkreuzungsweiche. Diese ermöglicht den Gleiswechsel der Züge unabhängig von ihrer Fahrtrichtung. Durch die neue Weiche kann flexibler auf Gleissperrungen und Bauarbeiten reagiert werden. Die Deutsche Bahn verspricht sich davon eine deutliche Verringerung der Verspätungen. In der jetzt anstehenden Bauphase erhält der Wuppertaler Hauptbahnhof zudem eine neue Tiefenentwässerung, die ins Gleisbett eingebracht wird. Insgesamt investiert die Deutsche Bahn mehr als 32 Millionen Euro in die Modernisierung des Schienennetzes der Region, die Ausstattung mit digitaler Leit- und Sicherungstechnik sowie den Bau des ESTW.

Betroffene Verbindungen
Von der Sperrung betroffen sind die Regionalzüge RE 4 und RE 14, die nicht zwischen Wuppertal-Oberbarmen und Düsseldorf Hbf verkehren und der RE 7 sowie die RB 48 zwischen Solingen und Oberbarmen. Die S-Bahnen S 7, S 8 und S 9 entfallen ebenfalls rund um Wuppertal. Alle ICE- und IC-Züge zwischen Köln und Dortmund/Hamm werden über die Ruhrstrecke umgeleitet oder verkehren mit geänderten Laufwegen. Die Halte in Solingen, Wuppertal und Hagen werden nicht angefahren. Dafür halten die Züge zusätzlich in Düsseldorf. Außerdem werden einzelne Fahrten gänzlich gestrichen.

Informationen für Pendler
Die Deutsche Bahn hat für die gesamten Sommerferien einen Schienenersatzverkehr (SEV) eingerichtet. Generell empfiehlt es sich, morgens etwas mehr Zeit für den Arbeitsweg einzuplanen. In den Bussen und an den Haltestellen des SEV können zudem keine Fahrscheine gekauft werden. Wer also zum Beispiel spontan nach Düsseldorf fahren möchte, muss bereits vor Fahrtantritt im Internet oder an den Automaten der Verkehrsstationen ein Ticket erwerben. Des Weiteren gibt es tarifliche Besonderheiten. Für den Zeitraum der Sommerferien sind laut Bahn alle erdenklichen Umwegfahrten zugelassen, auch wenn ein Ticket diesen Geltungsbereich normalerweise nicht abdeckt. So kann beispielsweise ein Monatsticket für den Bereich Hagen bis Düsseldorf auch für Züge genutzt werden, die über Essen nach Düsseldorf fahren.

Für Pendler hat die Deutsche Bahn einen 104-seitigen Ersatzverkehr-Plan im Pdf-Format zusammengestellt. Weitere Informationen gibt es unter bahn.de/wuppertal und unter der Service-Hotline: 0202/51562515

Ein kleiner Lichtblick für Wuppertaler ist die Wiedereröffnung der B7 am 8. Juli, die mit einem zweitägigen Bürgerfest gefeiert wird. Die Inbetriebnahme des neuen Stellwerks soll Ende August erfolgen. Dann rollt es hoffentlich wieder – und vielleicht sogar besser? – zwischen Wuppertal und Düsseldorf. Lina Niermann