Hausbesetzung in Essen nach 12 Stunden beendet

Der Rat der RÄ.P.U.B.L.I.K. hält ein Thyssen Krupp Gelände in Essen besetzt | Foto: Patrik Welzel

Rat der RÄ.P.U.B.L.I.K. (Räume für Politik Ungewissheit Bedingungslose Liebe Ideologiekritik und Kunst) nennt sich das Kollektiv, das am Montagmorgen ein Gelände im Essener Westen zwischen Altendorf und Frohnhausen besetzte.

Das weitläufige Gelände und seine Gebäude seien vom Eigentümer Thyssen- Krupp länger nicht mehr genutzt worden, erklärte eine Pressevertreterin der Aktion. „Die Gebäude sind noch in recht gutem Zustand, verfallen aber zunehmend.“ Das Gelände böte von seinem Aufbau aber sehr gute Möglichkeiten für Jugendeinrichtungen, nicht-kommerzielle Konzerte und Partys sowie Freiräume und Büros. „Egal, ob der Eigentümer nun Thyssen Krupp oder die Stadt Essen ist, niemand hat das Recht solche Räume ungenutzt verfallen zu lassen, anstatt sie der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.“ Auch die Lage des Geländes zwischen den eher vernachlässigten Stadtteilen Frohnhausen und Altendorf und mit guter Anbindung an die Innenstadt und den Bahnhof West sprächen für eine soziale Nutzung des Geländes.

Gut zwölf Stunden nach dem Bekanntwerden der Besetzung war die Aktion beendet. Die letzten Aktivisten verließen auf Druck der Polizei das Gebäude.

Das sagen die Beteiligten:

Initiative AFFE als Sprachrohr der Aktivisten:
...zum Verlauf der Aktion: "Es war unser übergeordnetes Ziel, Räumlichkeiten für Kultur zu bekommen und einen Diskurs über Leerstände in Essen zu führen. Es hat sich gezeigt das der Eigentümer kein Interesse an einem derartigen Diskurs hat."

zur drohenden Strafverfolgung der Besetzer: "Wir sind in Kontakt zu Anwälten. Es wird bestimmt einige Soli-Veranstaltungen geben, so dass niemand auf seinen Kosten sitzen bleibt."

Pressestelle der Polizei:

zum eigenen Personal: "Wir hatten Kräfte aus ganz NRW vor Ort. Mindestens eine Hundertschaft."

zum Verhalten der Besetzer: "Wir haben keine gewaltbereiten Leute angetroffen."

zur Bemerkung in den eigenen Pressemitteilungen, dass Beamte mit Urin(-Beutel/Flaschen) bespritzt worden seien, was die Aktivisten verneinen: "Es kann auch schlechte Apfelschorle gewesen sein, die wie Urin riecht. Das will ich nicht ausschließen. Wir werden jetzt keine chemische Analyse durchführen lassen."

Chronologie der Ereignisse:

Um 12 Uhr sind zahlreiche Mannschaftswagen der Polizei auf dem Gelände eingetroffen. Aus Kreisen der Behördenvertreter ist mit einer schnellen Räumung zu rechnen. Den Vorwurf, dass Aktivisten die Polizei mit Urin gefüllten Beuteln beworfen hätten, weisen Vertreter von AFFE zurück, es habe sich bei dem Inhalt lediglich um Apfelschorle gehandelt.

Update 12:45 Uhr: Die Polizei ist mit einer Hundertschaft auf dem Gelände präsent. Pressevertretern wird der Zugang verweigert. Besetzer halten sich z. T.weiterhin auf dem Dach eines Hauses auf.

Update 13:15 Uhr: Auf dem Gelände soll es nach Angaben der AFFE-Presseabteilung bereits zu zwei Festnahmen gekommen sein. Eine offizielle Bestätigung liegt derzeit allerdings nicht vor.

Update: 13:30 Uhr: Eines der beiden besetzten Gebäude ist mittlerweile leer. Im anderen halten sich weiterhin Aktivisten auf.

Update 15:15: Im bisherigen Verlauf der Besetzung gab es bis dato insgesamt drei Festnahmen, zwei Aktivisten sollen noch bis 18 Uhr in Gewahrsam gehalten werden, eine minderjährige Aktivistin ist bereits wieder auf freiem Fuß. Ansonsten scheint von Seiten der Polizei derzeit kein direkter Zugriff auf das noch besetzte Gebäude zu erfolgen.

Update 21:00 Uhr: Nach etwas mehr als zwölf Stunden verlässt der letzte von rund 20 Aktivisten unter dem Applaus der Unterstützer vor dem Gelände das kurzfristig besetzte Gelände. Ihnen droht eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch.

Fotos: Patrik Welzel

Die Besetzung bei Twitter

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