Little Nemo Bochum: Comics für jeden Geschmack

Filialleiter Markus Pfeffer im Mangabereich | Fotos: Anna Dörnemann

Seit dem 19. Juni kann Bochum einen weiteren Comicladen auf seiner Landkarte anstreichen. Little Nemo nennt er sich und vertreibt alles von klassischen und modernen Comics über Mangas, aktuellen Jugend- und All-Age-Romanen sowie Fanartikel. Trotzdem ist Filialleiter Markus Pfeffer dabei eines ganz wichtig: Jede Zielgruppe ansprechen. Ob jung oder alt, ob Comic-Veteran oder Neuling. Pfeffer ist sich sicher, dass im Laden für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Es riecht noch nach Farbe, betritt man das weitläufige, gut 300 Quadratmeter große Geschäft am Südring 37. Hell und freundlich präsentiert sich Little Nemo beim ersten Betreten. Komplett fertig sei der Laden aber noch nicht, erklärt Pfeffer: „In den nächsten Wochen werden eine Leseecke und eine Ecke für Schallplatten entstehen und der ganze hintere Bereich des Ladens nimmt noch weiter Gestalt an. Ich finde es gar nicht schlimm, dass hier und da noch eine Baustelle ist. So kriegen unsere Kunden hautnah mit, wie der Laden immer mehr wächst“. Nun könnte man meinen, dass es doch ungewöhnlich ist einen Laden schon zu eröffnen, selbst wenn die Umbaumaßnahmen nicht gänzlich abgeschlossen sind. Pfeffer vertritt aber seine ganz eigene, unkonventionelle Philosophie: „Das hier ist kein typischer, klassischer Comicladen. Wir wollen alle Leute ansprechen – besonders die, die sich noch etwas Kindliches und Fröhliches bewahrt haben. Dafür steht auch der Name Little Nemo“. Zurückzuführen ist die Bezeichnung auf den amerikanischen Künstler Winsor McCay, der Anfang des 20. Jahrhunderts einen wöchentlichen Comic - namens Little Nemo - zum letzten Teil der Sonntagszeitung beisteuerte. Im Gegensatz zu anderen Comics der damaligen Zeit, die eher flach und rein unterhaltend waren, stimmten McCays Zeichnungen und Geschichten einen nachdenklicheren und melancholischeren Ton an. Mittelpunkt seiner Geschichten war ein kleiner Junge, der in seinen Träumen kuriose Geschichten erlebte.

Gute Vernetzung ist das A und O

Geschichten aller Art findet man im Laden zuhauf. Tummelt sich im vorderen Bereich alles, was gerade neu auf dem Markt erschienen ist, verstecken sich im hinteren Bereich des Geschäfts Fanartikel und echte Schätzchen der Comicwelt. Die Frage, ob auch wirklich alle seiner Kundennachfragen erfüllt werden könnten, beantwortet Pfeffer selbstbewusst: „Wir haben sehr gute Quellen und sind sehr effizient vernetzt, da unser Geschäftsführer ja noch andere Filialen besitzt, mit denen wir im Fall der Fälle in Kontakt treten können. Außerdem arbeiten wir auch mit vielen anderen Comicläden und einer Unmenge an Verlagen zusammen. So können wir eigentlich fast immer die Wünsche unsere Kunden erfüllen“.

Ein Comic für alle Fälle

Dabei ist sich der 30-Jährige sicher, dass er für jede Zielgruppe etwas Ansprechendes im petto hat. Besonders auffällig sei, dass das Interesse an Comics in der Generation 40 plus in den letzten Jahren immer mehr gewachsen sei. So werde oft nach Klassikern wie Tim und Struppi oder Lucky Luke gefragt. Man müsse sich einfach nicht mehr dafür schämen ein Comicfan zu sein. Das Internet habe viele Grenzen gesprengt und es erleichtert mit Gleichgesinnten in Kontakt zu treten. „Außerdem schwelgen wir doch alle gerne in nostalgischen Kindheitserinnerungen und da gehören für viele eben Asterix und Obelix oder Tim und Struppi dazu“, merkt Pfeffer an.

Für Interessierte, Neugierige oder Einsteiger kann der ausgebildete Buchhändler für Empfehlungen aus einem umfangreichen Repertoire schöpfen: Für Jugendliche und Erwachsene beispielsweise die Neuauflagen der Marvel und DC Superhelden Serien wie Spider Man oder Batman. In den letzten Jahren seien die Geschichten rund um diverse Superhelden einfach zu undurchsichtig geworden, als dass man als Neuling noch in die Handlungen hätte einsteigen können. Durch die Neuauflagen sei dies nun problemlos möglich. Im Bereich japanischer Comic legt Pfeffer Mangas wie Jiro Taniguchis Vertraute Fremde oder Naoki Urasawas Billy Bat ans Herz.

Selbst für die ganz Kleinen findet sich etwas im Angebot von Little Nemo. Nach Pfeffers Ansicht sei es doch verwunderlich, dass alte Vorurteile gegen Comics das Argument vorbrächten, Comics seien schlichtweg nur etwas für Kinder. De facto gäbe es nämlich kaum Comics, die wirklich für Kinder geeignet sein. Ein Markt für pädagogisch wertvolle Comics hätte sich erst in den letzten Jahren etabliert.

Alte Vorurteile sind überholt

Wirkliche Vorurteile gegen Mangas und Comics gäbe es nach Pfeffers Einschätzung aber schon länger nicht mehr wirklich. Die einen seien eben Fan, die anderen nicht. Konkrete Kritik habe er bei seiner vorherigen Arbeit in einem Buchladen nie erlebt. Ganz im Gegenteil: „Ich kann mich noch ganz genau an einen bestimmten Nachmittag erinnern. Ich habe damals in dem Buchladen, in dem ich gearbeitet habe, eine große Comicabteilung aufgebaut. An einem Tag kam ein älterer Herr in den Laden, der eigentlich am Infopoint eine Anzeige aufgeben wollte und dabei zufällig einen Blick auf die Comicabteilung erhaschte. Ich weiß noch genau wie der Ausdruck auf seinem Gesicht war, als er die Komplettausgabe von Tarzan erblickt hat. Seine Augen haben richtig gefunkelt“, erzählt Pfeffer. Er habe sich dann noch eine halbe Stunde mit dem Mann über Comics unterhalten. Am Ende hätte der Herr den Laden schließlich mit zwei Ausgaben unter dem Arm verlassen.

Einmal über den Tellerrand gucken

Auf die Frage, ob er denn einen Lieblingscomic, einen Lieblingsmanga oder einen bestimmten Must-have Artikel ausmachen könnte, hat Pfeffer eine ganz klare Antwort: „Ich kann das gar nicht so genau sagen und das möchte ich auch eigentlich nicht. Ich finde es eh immer schade, wenn man sich auf einen bestimmten Bereich festlegt. Ich beobachte das auch bei unseren Kunden. Die einen mögen nur Superhelden, die anderen nur Comics oder Mangas. Ich denke, man sollte sich mehrere Bereiche erschließen, um sich einen guten Eindruck verschaffen zu können; einmal über den Tellerrand gucken. Manchmal lässt man sich vom Cover oder dem Klappentext in die Irre führen. Für mich zählt nur, dass ich eine gute Geschichte habe, die mich mitnimmt – dann ist mir das Genre völlig egal.“

Ob also Comicfrischling oder alter Hase in den unendlichen Gefilden von Comic und Co., bei Little Nemo dürfte sich so ziemlich jeder gut aufgehoben und beraten fühlen.

Infos zum Laden

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag: 10.00 Uhr bis 18.30 Uhr

Samstag: 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr

Adresse

Little Nemo,

Südring 37,

44787 Bochum,

Tel.: 0234/ 709 482 48