Breit aufgestellt und fangbereit

| Foto: Matt Hennem

Oh Gott, der Junge will Artist werden!“ Vermutlich hat es so oder so ähnlich im Kopf der Eltern von Malte Steinmetz ausgesehen, als der vor gut zwanzig Jahren das Jonglieren für sich entdeckte. Er beschreibt sich selbst als obsessiven Jongleur – und ist seit einigen Jahren weltweit mit seiner Kunst unterwegs.

In einer alten Fabrikhalle in Barmen trainiert Malte Steinmetz seit vielen Jahren mit Keulen, Bällen und Ringen. Früher mehr, heute weniger, gehört er doch mittlerweile zu den meist etablierten Jongleuren Europas – da muss man nicht mehr viel üben, da funktioniert man auf Abruf. Und gerufen wird der 34-Jährige immer öfter. „Letztes Jahr hatte ich 280 Auftrittstage. Angestrebt sind 300.“ Ups, das klingt nach Fulltimejob.

Aktuell ist Malte Steinmetz in vier Formationen aktiv, daneben gibt es ebenfalls auf internationalem Terrain Auftritte bei Corporate Events. „Da ist man dann drei Tage lang irgendwo auf der Welt, um zum Beispiel im Rahmen einer Autopräsentation die perfekten 15 Sekunden im richtigen Moment abzuliefern.“ Mit solcher Präzisionsarbeit verdient er seinen Lebensunterhalt: einmalige Buchungen, mehrwöchige oder auch mehrjährige Engagements. Da wäre beispielsweise Gandini Juggling, international besetzt, weltweit aktiv. Malte Steinmetz gehört seit 2006 zum Ensemble, die Show „Smashed“ zeigt jenseits von Zirkusjonglage vollendete Choreographie, ja Poesie. „Die Show ist tatsächlich mit Tanztheater a la Pina Bausch vergleichbar“, sagt der Jongleur, der in „Smashed“ unter anderem Äpfel jongliert, die er währenddessen aufisst. Perfektes Timing teilt er da mit einem vielköpfigen Ensemble. Auf nur ein Gegenüber muss er sich konzentrieren, wenn er mit seinem Bühnenpartner Niels Seidel auftritt. Als Spot The Drop bietet das Duo atemberaubende Jonglage, subtile Komik und artistische Meisterleistungen. „Das Schöne ist, dass Spot The Drop wirklich aus sich heraus entstanden ist. Wir haben lange völlig unabhängig voneinander in der gleichen Halle trainiert. Niels ist ein genauso obsessiver Jongleur wie ich. Und irgendwann lief das zusammen und mündete in eine gemeinsame Show.“

„Showtime“ heißt es für den in Wetter an der Ruhr geborenen und in Wuppertal lebenden Artist nun mehrfach pro Woche. Zu organisieren gilt es Tourneen, Einzelevents oder auch Blöcke, wie er sie mit Niels Seidel beim GOP Varieté in Essen absolviert. „Zwei Shows pro Abend, exakt gleicher Ablauf, montags Ruhetag“, umreißt er das Prozedere, das nach Arbeitsalltag riecht. „Eine glasklare Routine, die genau vorgibt, wie die Tage abzulaufen haben.“ Was den Verdacht aufkommen lässt, dass ein Artistendasein stinklangweilig sein kann, rückt Malte Steinmetz eher in den Bereich Pflicht und Kür. „Dadurch, dass ich die ganzen Standards aus dem Effeff kann, bleibt mir mehr Zeit für künstlerische Weiterentwicklung.“ Geprobt werden im stillen Kämmerlein also neue Dinge, die dann bei Spot The Drop, beim Flight Club oder beim Klappstuhlorchester auf den Tisch bzw. in die Luft kommen. Feuershows, Comedy, Jonglage zu Live-Musik – das Repertoire ist da umfangreich. Den Überblick behält denn auch eine Agentur, sodass Malte sich um fettfreies Equipment kümmern kann. „Lampenfieber habe ich schon ganz lange nicht mehr. Aber vor dem Auftritt die Keulen abwischen, das ist zum Ritual geworden.“ Na denn: Guten Wurf.