Bochums bezahlbare Buden: Studis wohnen günstig

Studentenwohnheim an der Querenburger Höhe | Foto: Lina Niermann

Gute Neuigkeiten für Bochumer Studierende. Wie eine neue Studie offenbart, lebt es sich in der Ruhrgebietsstadt so günstig wie sonst fast nirgendwo.

Studierende müssen fürs Wohnen immer tiefer in die Tasche greifen. Laut einer im April veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln erhöhten sich zwischen 2010 und 2016 die Mieten in deutschen Universitätsstädten um durchschnittlich 25 Prozent. Die Forscher untersuchten den studentischen Wohnungsmarkt an insgesamt 15 Hochschulstandorten.

München ist am teuersten

Spitzenreiter in Sachen Wohnkostenbelastung ist nach wie vor München. Eine typische Studentenbude von 30 qm kostet dort im Schnitt 634 Euro pro Monat. In Bochum ist das anders. Dort zahlt der akademische Nachwuchs nur etwa ein Drittel dieser Summe. Mit 6,57 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter belegt die Stadt den zweiten Platz beim Städtevergleich. Günstiger ist nur noch Leipzig mit 6,29 Euro.

Wie kommt diese große Diskrepanz zustande? Als maßgeblichen Grund für die Verteuerung nennt die Studie den zu geringen Wohnungsbau. Gerade in den Metropolen fehlt es an WG-tauglichen und bei Studenten beliebten Zwei- und Dreizimmerwohnungen. In Bochum zeigt sich dagegen ein positives Bild. „Im ganzen Ruhrgebiet ist der Wohnungsmarkt für Studenten vergleichsweise entspannt“, sagt Peter van Dyk, Pressesprecher des Akademischen Förderungswerks. „Wer sich zu Beginn des Semesters meldet und keine großen Sonderwünsche hat, bekommt bei uns immer einen Wohnheimplatz.“ Das IW Köln kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Laut Studie ist der Bedarf an Studentenwohnungen in Bochum zu hundert Prozent gedeckt.

Umfrage auf dem Bochumer Campus

Grund genug, sich einmal auf dem Campus der Ruhr-Universität umzuhören. Die Psychologiestudentin Christine Kraus (23) hat bis vor Kurzem in Bochum gewohnt und fand es erstaunlich einfach, eine passende Bleibe für sich und ihren Freund zu finden. „Wir haben in Riemke gewohnt. Die Warmmiete lag bei knapp unter 500 Euro für 60 Quadratmeter. Von dort aus ist es mit der U35 nicht weit zur Uni. Ich war super zufrieden.“ Sie ergänzt: „Allerdings muss ich dazu sagen, dass wir als Studenten mit geringem Einkommen einen Berechtigungsschein für eine Sozialwohnung hatten.“Ganz anders lief es dagegen für Sophia Goldfuß (25): „Ich habe erst spät einen Studienplatz in Medizin bekommen, als schon alles Gute weg war. Mein WG-Zimmer habe ich schließlich auf der Plattform „WG-Gesucht“ gefunden. Vom Wohnheim brauche ich zu Fuß etwa zwölf Minuten zur Uni. An der Lage stört mich allerdings, dass die Bahnverbindungen abends und am Wochenende nicht so gut sind, um in die Stadt zu kommen. Aber das sind wohl Abstriche, die man für den niedrigen Preis machen muss.“ Der Mathematik-Student Juri Straßheim (21) zahlt für sein 16-qm-Zimmer 245 Euro Warmmiete inklusive Internet/Telefon und Strom. Für ihn ist die Atmosphäre im Studidorf entscheidend: „Ich fühle mich dort total wohl. Man knüpft sehr leicht Kontakte zu anderen Leuten, weil es viele organisierte Events gibt, z. B. Kennlernpartys und Cocktailabende.

Neues Wohnheim für 260 Studenten

Damit auch langfristig genügend Wohnraum zur Verfügung steht, entsteht ab Juni 2017 ein weiterer Wohncampus an der Laerheidestraße für 260 Studenten. Holzfassaden und der Einsatz von flexiblen Fertigkomponenten verkürzen die Bauzeit, sodass die komplett barrierefreie Anlage bereits nach 13 Monaten bezugsfertig sein soll. Peter van Dyk warnt aber vor allzu großer Euphorie: „Der Neubau an der Laerheidestraße ist ein Projekt, das wir nur mit Fördergeldern des Bundes realisieren können. Vom Land hingegen bekommen wir seit zwanzig Jahren das gleiche Budget, obwohl sich die Studentenanzahl verdoppelt hat. Qualität kostet. Für die soziale Infrastruktur an den Universitäten muss auch das Land mehr Geld in die Hand nehmen.“ Lina Niermann