Kommentar: Stress mit der GEMA

GEMA Pressekonferenz zur neuen Tarifstruktur | Foto: Stephan Görlich

Der Fluch der Playlist

Es ist ja auch wirklich zum Haareraufen. 863 Millionen Euro hat die GEMA im Jahr 2010 als Vergütung erhalten. Wie sollen diese Millionen bloß gerecht verteilt werden? Nicht nur die GEMA-Tarife selbst sind ein undurchdringlicher Dschungel, auch das Verteilkonzept scheint in seiner Komplexität nicht von dieser Welt zu sein. Das fängt schon bei einem einzelnen Konzert an. Wie soll die GEMA ihre Erträge aus diesem einen Konzert verteilen? 

Am besten wäre eine Playlist, die die gespielten Songs auflistet inklusiver alle Künstler, die an der Entstehung und an der Aufführung jedes Songs beteiligt waren. Viel Arbeit, und die Veranstalter haben es sich längst abgewöhnt, mit Formular und Stift hinter den Bands herzurennen. Diese winken nämlich ab, weil sie wissen, dass sich der Aufwand nicht lohnt. In dem verzweifelten Versuch, es möglichst gerecht zu machen, hat die GEMA ein bürokratisches Dickicht erschaffen.

Das größte Problem der GEMA ist aber nicht, dass dieser oder jener Künstler vielleicht zu viel oder zu wenig Geld erhält. Das größte Problem ist, dass Intransparenz immer für böse Blicke sorgt. Das gleiche gilt für die Grundlagen, auf denen die GEMA Tarife beschließt. Beispiel: Ab 2013 liegt die Mindestvergütung eines Discoabends bei einer Größe des Veranstaltungsraumes von bis zu 100 Quadratmetern und einem Eintrittsgeld von bis zu zwei Euro bei genau 22 Euro. Warum nicht bei 21 oder 19 Euro?

Das kann niemand erklären, auch die GEMA nicht, 

denn: Sie rettet sich mit fadenscheinigen Hinweisen auf den „Musikmarkt“, auf die „Spruchpraxis der Schiedsstelle“, auf „Erfahrungswerte“. Ah, ja. So wird typisch deutsche Gründlichkeit zum typisch deutschen Problem, weil sich jeder von jedem behumpst fühlt. Die GEMA wittert Betrug und „schlechte Geschäftsmodelle“, die Veranstalter fühlen sich raubrittermäßig abgezockt. 

Was die GEMA braucht, sind nicht nur neue Tarife, sondern vor allem übersichtlichere, dazu auch ein schlanker, klarer Verteilungsschlüssel. Erst dann wird offenkundig, ob sich die Beträge in ihrer aktuellen und zukünftigen Höhe halten lassen. Das Argument, schlankere Schlüssel beeinträchtigten die Verteilungsgerechtigkeit, ist Unsinn, denn gerecht geht es zurzeit ja auch nicht zu, und wenn, dann höchstens in biblischem Ausmaß: Wer hat, dem wird gegeben.

Darüber hinaus braucht die GEMA einen eiserner Besen, eine neue Aufsichtsbehörde, die den Namen auch verdient. Das Patent- und Markenamt in allen Ehren, aber die GEMA muss ein Gremium vorgesetzt bekommen, das regelmäßig bis in die Details für Öffentlichkeit sorgt. Und zwar umfassend, ungefragt und vor allem nachvollziehbar und neutral. Nur Offenheit und Transparenz schaffen Vertrauen – auf beiden Seiten, bei den Veranstaltern und den

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Stress mit der GEMA

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