Starks & Greta: Kino-Apps für Blinde und Hörgeschädigte

Die Schauburg testet die Apps Greta & Stark mit

Untertitel für Hörgeschädigte sind im deutschen Fernsehen seit über 30 Jahren dank Videotext keine Besonderheit mehr. Auch bei DVDs sind sie längst selbstverständlich. Aber was ist mit dem aktuellen Kinoprogramm? Werden Blinde, Sehbehinderte und Hörgeschädigte hier ausgegrenzt?

Am 8. April stellte die Schauburg auf der Brückstraße in Dortmund zwei Apps vor, die es kostenlos sowohl für Apple als auch Android Smartphones gibt: zum einen "Starks" für Taube und Hörgeschädigte zum anderen "Greta" für Blinde und Sehbehinderte.

Die Bedienung der beiden Apps ist denkbar einfach und nahezu identisch, nur bei Starks muss eine größere Audiodatei heruntergeladen werden. Das sollte man auch schon bereits daheim per WLAN machen, denn beim 1,5 Stunden langen Vorführfilm waren es gleich mal eben 118 MB. Nach dem Start der Apps und einer kurzen Anmeldung, bekommt man eine Übersicht angezeigt, für welche Filme dieser Service derzeit angeboten wird. Ebenso eine Vorschau, was bald dazukommen wird. Dann einfach auf den Download Button klicken und auf Abspielen. Schließlich muss man nur noch die Synchronisation starten.

Praxistest: Technisch einwandfrei

Beide Apps funktionierten beim Vorführfilm ausgezeichnet. Die Synchronisation gelang reibungslos. So kamen die Audiokommentare bei Greta immer genau dann, wenn keiner der Schauspieler sprach. Die Untertitel bei Starks erschienen immer einen kleinen Moment zeitversetzt, nachdem die Darsteller die Lippen bewegt hatten. Allerdings war es für mich extrem anstrengend immer zwischen den beiden Bildschirmen hin und her zu blicken. Dort wird noch an einer Verbesserung gearbeitet, es soll noch im Sommer 2014 eine Datenbrille entwickelt werden, sodass dieser Kritikpunkt wohl auch bald beseitigt wird. Bei der Benutzung der Greta App sollte man Kopfhörer benutzen, damit die anderen Besucher im Kino nicht durch die zusätzliche Audiospur gestört werden.

Update: Die Apps sind filmgebunden und funktionieren in jedem Kino

Nach der Pilotphase arbeiten die Apps jetzt nach demselben Prinzip wie Musikerkennungsprogramme wie Soundhound oder Shazam. Prinzipiell könnten die Apps also in jedem Kino und für jeden Film genutzt werden. Einzige Vorraussetzung: Es gibt entsprechende barrierefreie Fassungen, also entweder einen Audiokommentar oder Untertitel zum Film. Diese werden von einigen Verleihfirmen bereitgestellt. Derzeit wird dieser Service für 16 aktuelle Filme angeboten, das Angebot wächst aber stetig.

Das neue Filmförderungsgesetz aus 2013 beinhaltet die Klausel, dass alle geförderten Filme auch barrierefrei sein müssen. Allein in Deutschland betrifft das jährlich zwischen 80 bis 100 Filme. Darum wollen und müssen die Filmverleihe das Kino barrierefrei machen, am besten in Zukunft europaweit.

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