Einkaufsträume: Outlet-Center auf Love-Parade-Gelände?

Der ehemalige Güterbahnhof, auf dem 2010 die Loveparade in einer Katastrophe mündete | Foto: Stadt Duisburg/Bernd Uhlen

Das Gelände, auf dem einst die Loveparade in eine Katastrophe mündete, liegt seit Jahren brach. Ursprünglich sollten dort Büroflächen nach Plänen des Star-Architekten Sir Norman Foster entstehen, dann war ein Möbelhaus geplant und nun soll ein Outlet-Center den Dornröschenschlaf beenden. Doch die Pläne des Investors und der Stadt sind sehr umstritten.

Der Rat hat in einer Sitzung Anfang Februar beschlossen, die Absichten des Investors auf ihre Machbarkeit zu prüfen. CDU und SPD nutzten dabei ihre Mehrheit, um sich gegen die Bedenken aus den kleineren Parteien durchzusetzen. „Wir können uns keinen weiteren Stillstand auf dieser innerstädtischen Fläche leisten. Die von dem Investor auf seinem Grundstück geplante Ansiedlung eines Designer Outlet Centers (DOC) ist eine vernünftige Entwicklungsperspektive und damit eine gute Nachricht für die Stadt. Sollten die noch ausstehenden Prüfungen ergeben, dass ein DOC planungsrechtlich möglich ist, wäre das mit seinem ergänzendem Warenangebot eine Stärkung des Handelsstandorts Duisburg“, begründet der SPD-Fraktionsvorsitzende Herbert Mettler die Entscheidung. Die auf scharfe Kritik von Linken und Grünen stößt. Sie lehnen die monofunktionale Entwicklung der Fläche zu Einzelhandelszwecken ab.

Stadt kann nur mitreden

„Wir wollen dieses Outlet-Center nicht auf den Weg bringen und dafür gibt es gute Gründe“, betont Claudia Leiße als Fraktionsvorsitzende der Grünen. Sie verweist auf ähnliche Projekte wie Multi Casa und Co. in der Vergangenheit, die allesamt früher oder später in der Versenkung verschwanden und bezeichnet das Vorhaben als ebenso wenig nachhaltig wie solide. „Wir wollen den Foster Masterplan mit Büros, Dienstleistungen, Gastronomie und Wohnen, Einzelhandel und Gewerbe in Ergänzung des Urbanen Quartiers.“ Zu einer Umsetzung dieser Vorschläge könne Kurt Krieger als Investor allerdings kaum verpflichtet werden, betont Baudezernent Carsten Tum. „Die Stadt ist in diesem Fall nicht Herr des Verfahrens. Wir können lediglich mitreden. Doch wenn der Investor sein Vorhaben nicht realisieren kann, lässt er die Fläche weiter ungenutzt liegen und das kann auch nicht in unserem Sinne sein.“ Das Designer-Outlet könne ein neues Angebot schaffen und Kunden, die bisher in Düsseldorf oder Roermond einkaufen, in der Stadt halten. „Mit 101.000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist der Einzelhandel im Vergleich zu Essen oder Dortmund unterproportional vertreten“, betont Carsten Tum. Er sieht in einer Anbindung des neuen Zentrums über Pendelbusse, Brücken oder Gastronomie auch eine Chance für die Geschäfte in der Innenstadt. „Die ergänzenden Segmente des DOC könnten somit ein Mehrwert für alle sein.“

Übermächtige Konkurrenz

Das bezweifelt Markus Gerber. Der Experte für Stadtentwicklung bei der Industrie- und Handelskammer sieht in dem Projekt eine übermächtige Konkurrenz für die örtlichen Geschäfte. „Die Distanz von 1,5 Kilometern ist erfahrungsgemäß zu weit. Das nimmt kein Kunde auf sich, um nach einem Besuch im DOC noch in die City zu gehen. Vielmehr nutzen sie die günstige Autobahn-Anbindung, um schnell in das Outlet-Zentrum und ebenso schnell wieder weg zu kommen. Das ist nur für den Investor ideal.“ Ähnlich beurteilt Wilhelm Bommann als Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Niederrhein das Vorhaben. „Es ist der nächste Versuch, in Duisburg eine neue Mitte zu schaffen. Die geplanten 175 Geschäfte auf 30 000 Quadratmetern bedienen mit den Leitbranchen Schuhe, Sport und Bekleidung das Sortiment, das auch eine Einkaufszone attraktiv macht.“

Er erwartet erhebliche Kaufkraftabflüsse, die sich auch auf die umliegenden Städte wie Dinslaken oder Moers auswirken. Die mögliche Sogwirkung eines solchen Zentrums schrecke bereits jetzt potenzielle Investoren ab, sagt Markus Gerber. „Sie kaufen keine Immobilie, um einen Laden oder ein Café zu eröffnen, weil sie fürchten, dass später alle nur noch in das Designer-Outlet gehen.“ Die Befürworter verweisen darauf, dass das Verfahren ergebnisoffen geführt werde. „Der Ratsbeschluss bedeutet zunächst nur, dass wir uns grundsätzlich mit dem Thema beschäftigen. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen“, sagt Carsten Tum. Zunächst müsse der Investor ein konkretes Konzept vorlegen. „Erste Unterlagen erwarten wir im Sommer.“ Bis es ein neues Planungsrecht gibt und das Schnäppchenparadies auf dem Loveparade-Gelände konkrete Formen annimmt, vergehen mindestens zwei bis drei Jahre. Dominique Schroller