Düsseldorfer Büdchenmann mit neuer Kunstaktion

Ökkes Yildirim mit Sohn Lejan und Hampelmann

Ö wie Öberbilk, Ö wie Ökkes

Ökkes Yildirim ist im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Seit 12 Jahren lebt der Kurde im Veedel hinter dem Bahnhof. An der Linienstraße Ecke Flügelstraße betreibt der 36-Jährige „Das Büdchen“; eine Melange aus Kiosk und Café. Kaffee und Kuchen gehören genauso zum Sortiment wie Trend-Limonaden oder Rauchware. Yildirim versteht sich aber nicht in erster Linie als Büdchenmann, sondern als Mann der Kunst. Davon zeugen zahlreiche selbstgemalte Bilder an den Kiosk-Wänden. Und natürlich eine Kunstaktion, mit der er im Jahr 2011 von sich reden machte.

Damals hängte Yildirim, unterstützt von Freunden, mehrere Dutzend Gitarren in die Bäume an der Flügelstraße. Die Aktion kam gut an. Ständig standen Menschen mit Kameras auf der ruhigen Seitenstraße, um die im Wind schwingenden Instrumente im Bild festzuhalten. Was die Gehry-Bauten für den Medienhafen sind und der Schlossturm für die Altstadt, waren die Baum-Gitarren über viele Wochen für Oberbilk. Selbst die Tierwelt offenbarte Kunstsinn. Ein Vogel baute im Bauch einer Gitarre sein Nest.

Schon seit geraumer Zeit plant Yildirim ein Folgeprojekt, das abermals in seinem Kiez realisiert werden soll. Während auf der Flügelstraße erst in der kommenden Woche der Startschuss fällt, hängt ein Vorbote der Aktion bereits seit gestern in Himmelgeist, in der alten Kastanie. Der Hampelmann ist einer von insgesamt 208 Hampelmännern, die Yildirim auf eigene Kosten produziert und von Kindern der Hulda-Pankok-Gesamtschule in Düsseldorf bemalen lassen hat. Auch das Shirt zur Aktion ist bereits fertig. Grün ist es, versehen mit dem Schriftzug „Öberbilk“ nebst Hampelmann. Warum nun ein Hampelmann? Selbiger gelte als willensschwach und manipulierbar, lässt der Künstler verlauten, als Marionette, als Spielball anderer, die die Strippen ziehen. „Wir sollen uns nicht zu Hampelmännern machen lassen und unseren eigenen Stil leben“, fordert Yildirim in der ihm eigenen unmissverständlichen Art.

Der Mann mit den wilden Haaren und dem wilden Bart plädiert für Toleranz – gegenüber anderen Religionen und Lebensmustern. Das Datum für den Beginn der Aktion auf der Flügelstraße hat er in dem Zusammenhang durchaus bewusst gewählt. Am 21. März beginnt das kurdische Neujahrsfest Newroz. Um 9 Uhr morgens schweben Yildirim und seine Unterstützer auf einer Hebebühne hinauf in die Baumkronen, um sie mit Hampelmännern zu bestücken. Er möchte die Menschen zum Denken anregen, gibt der 36-Jährige zu Protokoll. „Alle Hampelmänner sind identisch, denn alle Menschen sind ja gleich.“ Drei Wochen darf gehampelt werden auf der Flügelstraße. Dann kehren die Hampelmänner zurück zur auf den Boden der Tatsachen. Was dort mit ihnen passiert, ist bisher noch ungewiss.

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