Das geplante Containerterminal im Reisholzer Hafen stößt auf Widerstand

Reisholzer Hafen heute

Nur Wut, Bürger!

Düsseldorf ist eine vergleichsweise satte Stadt. Es mag genau daran liegen, dass sich die NRW-Kapitale mit Widerstand – wogegen auch immer er sich richtet – oft einigermaßen schwer tut. Dennoch gibt es durchaus Infrastrukturprojekte, die das Potential haben, selbst den saturiertesten Landeshauptstädter aus dem Sessel schnellen zu lassen – mit merklich geschwollenem Hals. Das Containerterminal im Reisholzer Hafen ist so ein Fall. Wenn es den Planern (Stadt Düsseldorf, Industriekreis Düsseldorf und Neuss-Düsseldorfer-Hafengesellschaft) nachgeht, soll der kleinste der drei Neuss-Düsseldorfer Häfen von momentan rund 0,7 Hektar auf 56 Hektar Fläche anwachsen. Dagegen macht die im Jahr 2012 gegründete Bürgerinitiative „Hafenalarm“ mobil. Im Vorfeld der Kommunalwahlen im Mai lädt diese für den 26. März zu einer Podiumsveranstaltung in die Freizeitstätte Garath. Dort stellen Experten für Wirtschaft, Verkehr, Umwelt und Recht das Thema dar. Im Anschluss darf diskutiert werden.

Das Gebiet, um das es geht, ist derzeit mehr oder minder eine Industriebrache. Selbige ist umzingelt von Naturschutzgebieten. Himmelgeister Rheinbogen, Urdenbacher Kämpe und auch – auf der anderen Rheinseite – der Zonser Grind liegen in direkter Nachbarschaft des Areals. „Ein großer Hafen mit überregionaler Bedeutung gefährdet die Naturschutzgebiete rund um die Urdenbacher Kämpe“, erklärte Michael Süßer, Vorsitzender des BUND Düsseldorf. Selbst ein Absinken des Grundwasserspiegels könne nicht komplett ausgeschlossen werden. Teile der Urdenbacher Kämpe könnten regelrecht austrocknen.

Welche Dimension das Ganze haben soll, verdeutlichen diese Zahlen: 300.000 Container pro Jahr sollen im Terminal, so besagt es die Bedarfsanalyse, bis 2030 umgeschlagen werden. An sieben Tagen in der Woche. Im Rund-um-die-Uhr Betrieb. Mit Folgen. Mit Güterzügen, vor allem aber LKW müsste die Fracht an- bzw. abtransportiert werden. Die Feinstaubbelastung würde erheblich steigen. Und auch die Stickstoffoxide in der Luft würden zunehmen, schließlich fahren die Binnenschiffe – wie Kreuzfahrtschiffe – mit Schweröl. Warum soll es überhaupt genau dieses Gelände sein? Es gibt mehrere Gründe, die in den Augen der Planer dafür sprechen. Zum einen ist das Areal ohnehin als Industriegebiet ausgewiesen. Zum anderen sind Kaimauer, Schienen und Straßenanbindung bereits vorhanden, sodass die großen Containerschiffe ohne Rangieren in engen Becken schnell an- und wieder ablegen könnten. Das Fehlen des Hafenbeckens ist allerdings gleichzeitig auch ein Nachteil: Im Falle einer Havarie würden freigesetzte Schadstoffe direkt in den Rhein gelangen.

Und was ist mit Arbeitsplätzen? Mit denen wird doch nur allzu gerne argumentiert bei Infrastrukturprojekten dieser Größenordnung. Laut Industriekreis Düsseldorf sollen in dem computergesteuerten Containerterminal, so es denn realisiert wird, Arbeitsplätze im „2-stelligen Bereich“, also irgendwo zwischen 10 und 99, entstehen. Eine Zahl, die sich vermutlich bei der Ansiedlung anderer Branchen locker überbieten ließe. Auch scheint an alternativen Standorten kein Mangel zu herrschen: Sowohl in Duisburg als auch in Neuss oder Krefeld wären die Bedingungen gegeben. Dennoch scheinen Stadt Düsseldorf, Industriekreis und die neu gegründete Hafen-Projektgesellschaft wild entschlossen. Noch in diesem Jahr soll eine sogenannte Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden. Die prüft allerdings nicht, ob das Terminal gebaut wird, sondern wie es zu realisieren ist.

Podiumsveranstaltung: 26.3., 20 Uhr, Freizeitstätte Garath, Düsseldorf