Umfrage: Ausländerfeindlichkeit im Alltag

Sei es das Anpöbeln auf der Rückbank im Bus, Eintrittsverbot vom Disco-Türsteher oder die Ablehnung bei der Wohnungssuche. Ausländerfeindlichkeit hat viele Gesichter und ist in weiten Teilen der sogenannten Mitte der Gesellschaft verbreiteter als viele zugeben wollen. Denn in den Medien begegnen einem oft nur die schlimmsten Beispiele. Nele Posthausen hat Alltagsgeschichten gesammelt.

Umfrage: Ausländerfeindlichkeit im Alltag (10)

Klickt auf eines der Bilder, um die Fotostrecke zur Umfrage zu starten.

Eva (24)
Ich habe bis vor kurzem in Essen-Stoppenberg gewohnt. Mein Nachbar war der totale Ausländerfeind. Wir hatten im Mietshaus halt viele Bewohner, die nicht aus Deutschland kamen, und der Typ hat regelmäßig im Hausflur seine Nazi-Parolen geschrien und superlaut Musik aufgedreht, mit eindeutigen Texten. Das war einfach nur ätzend, und ich bin ausgezogen. Es war nicht auszuhalten.
http://farm9.static.flickr.com/8121/8659699507_d664d788e2_z.jpg
Eva (24)
Markus (32)
Ein Freund von mir ist Nigerianer. Der wird ständig unterschwellig und auch eindeutig angemacht. Einmal standen er mit seiner Frau zusammen an der Bahnhaltestelle und neben ihnen eine junge Frau und ihre Mutter. Da ging das Mädchen auf einmal weg. Die Mutter fragte sie wieso, und sie sagte nur: „Schau doch mal, der Neger!“ Mein Freund hat sie angesprochen und gefragt, was das denn sollte. Da haben beide gar nichts mehr gesagt.
http://farm9.static.flickr.com/8100/8660798308_097896b558_z.jpg
Markus (32)
Kathrin (20) und Julia (21)
Wir haben viele ausländische Freunde, weil wir Italienisch auf Lehramt studieren. Wir sind auch ständig mit ihnen unterwegs, aber wir müssen sagen, dass es da noch nie Probleme gab. Dabei sprechen einige nicht so gut Deutsch, aber selbst in der Disco oder wenn wir mit vielen anderen Leuten unterwegs waren, gab es nie eine Stress-Situation.
http://farm9.static.flickr.com/8116/8659698175_316652c9d4_z.jpg
Kathrin (20) und Julia (21)
Flo (24)
Ich komme aus Dülmen, und da gab es früher eine Clique von jugendlichen Punks und eine Clique von Dorf-Nazis, die miteinander rivalisierten. Wir haben uns regelmäßig auf einem der Schulhöfe getroffen und gegenseitig angemacht, es gab auch mal Prügeleien. Es ging schon darum, dass die Typen unsere ausländischen Mitschüler immer heftig angemacht haben, aber irgendwann war es natürlich auch losgelöst davon so ein bisschen Katz-und-Maus-Spiel.
http://farm9.static.flickr.com/8115/8660800694_6ddb6340d0_z.jpg
Flo (24)
Beatrice (20)
Ich komme ursprünglich aus dem Münsterland und bin zum Studieren ins Ruhrgebiet gezogen. Da meine Mama Bochum nicht so gut kennt, wollte sie vorher auf Nummer sicher gehen und hat bei der Polizei angerufen: „Was ist denn Dahlhausen so für ein Stadtteil? Ist es da gefährlich?“ Und der Polizist hat knallhart geantwortet: „Da gibt es viele Migranten, also ist es wohl auch gefährlich.“ Natürlich war der Anruf meiner Mama etwas schräg, aber den Anteil an Migranten mit dem von Gewalttaten gleich zu setzen, fand ich echt mies. Ich wohne jetzt eine Weile dort und kann mich absolut nicht beschweren.
http://farm9.static.flickr.com/8104/8659699875_e711b63a33_z.jpg
Beatrice (20)
Aydin (21)
Ich bin Türke und bekomme im Alltag ständig unterschwellige Ausländerfeindlichkeit zu spüren. Krass war es, als ich mir eine neue Wohnung gesucht habe. Bei der Besichtigung wollte der Vermieter alles von mir wissen: Schufa-Auskunft, ob ich vorbestraft bin, natürlich meine Staatsangehörigkeit ... Bei der nächsten Besichtigung war ich mit meiner deutschen Freundin und ihrer Mutter, und sofort lief es ganz anders. Ich musste über fast nichts Auskunft geben und habe super schnell eine Wohnung bekommen. Das fand ich ziemlich eindeutig.
http://farm9.static.flickr.com/8112/8659700141_d1901228bf_z.jpg
Aydin (21)
Tim (25)
Ich bin selbst Brite und wurde letztens in der U-Bahn von einem Türken als Nazi bezeichnet. Der Typ hatte in der Bahn auf den Boden gerotzt, und ich fand das total daneben. Also meinte ich, dass er als Türke doch von Haus aus besser erzogen sein müsste. Das war natürlich auch provokant, aber positiv gemeint. Der Typ hat sich total aufgeregt und mich beleidigt. Die Leute drumherum haben nichts dazu gesagt, sondern nur den Kopf geschüttelt.
http://farm9.static.flickr.com/8117/8660802156_f5958c95be_z.jpg
Tim (25)
Tim (33)
Mein Vater kommt selbst aus Chile, deswegen bin ich selbst auch ziemlich aufmerksam bei so was. Letztens war ich in der S1 unterwegs, und da war so 'ne Truppe von Glatzen. Sie haben niemanden direkt angepöbelt, aber sich in übertriebener Lautstärke abfällig über ausländische Mitbürger geäußert. Die haben sich so richtig unangenehme Anekdoten erzählt. Aber man konnte halt nicht richtig was sagen, sie haben ja niemanden direkt beleidigt.
http://farm9.static.flickr.com/8109/8660802396_72a32db41e_z.jpg
Tim (33)
Sabrina (26)
Ich komme ursprünglich aus Sachsen-Anhalt und bin nur für wenige Monate hier in Dortmund. Eigentlich heißt es oft, dass gerade in den kleinen Dörfern im Osten Ausländerfeindlichkeit vorherrschen würde. Ich muss aber sagen, dass wir immer viele Leute aus Osteuropa, Russland, Kasachstan im Freundeskreis hatten. Und das war nie ein Problem. Ich habe wirklich noch nie was in die Richtung mitbekommen.
http://farm9.static.flickr.com/8112/8660802730_99a2eeed89_z.jpg
Sabrina (26)
Peter Pan (alt genug)
Ich bin jemand, der absolut sensibel für Alltagssituationen geworden ist. Das fehlt vielen Leuten, glaube ich. Letztens saß ich im Bus, und eine Frau mit Bierflasche kam herein. Man merke schon, dass ihre Laune nicht besonders war. Sie wollte sich auf die Rückbank setzen, wo einige Jugendliche Platz genommen hatten. Die Jungs rückten sogar beiseite und nahmen ihre Taschen weg. Und trotzdem fing sie an, in sich hinein zu nuscheln: irgendwas von wegen, dass die Rasierklingen unter den Armen hätten und Ankara für sie ja wohl der schönere Ort wäre. So was regt mich auf!
http://farm9.static.flickr.com/8117/8659701373_3e83a2c3ac_z.jpg
Peter Pan (alt genug)