Musikzentrum - Nehmt die Spaten in die Hand

Noch ist das Musikzentrum nur Modell | Foto: Presseamt Bochum

Ich gebe es zu: Wenn am 30. April auf der Brache an der Marienkirche die Spaten geschwungen werden, bin ich erleichtert. Das Musikzentrum soll endlich gebaut werden. Ein gut klingender Konzertsaal ist mir allemal lieber als nicht fristgerechte Bürgerbegehren von „Bäh-Bürgern“ und Pornosternchen, die für „grüne Plantagen“ demonstrieren. Ein Kommentar von Honke Rambow.

Mag sein, dass eine Stadt, die so hochverschuldet wie Bochum ist, sich keinen neuen Kulturbau leisten kann. Mag auch sein, dass vielleicht die Betriebskosten höher werden, als zur Zeit angenommen. Genauso gut könnte auch Kulturdezernent Michael Townsend recht behalten, wenn er sagt, dass die zwei Millionen, die die Stadt zu den Baukosten beisteuert, durch Steuereinnahmen mehr als wieder rein kommen, wenn man nur genug Betriebe aus der Stadt beauftragt. Es kann auch gut sein, dass auf Bochum erhebliche Kosten zukommen, wenn die Stadt die Jahrhunderthalle vom Land übernehmen muss. Irgendwann steht da bestimmt die nächste teure Sanierung an.

Ohne Risiko geht es nicht

Kann alles richtig sein, muss es aber nicht. Viel zu spekulativ sind die Zahlen, mit denen da hantiert wird. Und so ist Stadtentwicklung nun einmal. Ohne Risiko geht es nicht. Wer eine Baukosten-Explosion wie bei Elbphilharmonie, Berliner Flughafen oder Stuttgart21 erwartet, liegt aber sicher falsch. Der Musikzentrum-Entwurf von Bez und Kock ist kein unberechenbares architektonisches Experiment und kann solide durchgeplant werden. Und die Stadt Bochum wird auch nicht während des Baus auf die Idee kommen, dass man vielleicht doch noch ein Stockwerk oben drauf bauen könnte. Ob der Backstein-Bau an der Viktoriastraße wirklich ein architektonischer Gewinn für die Stadt ist, ist zu einem guten Teil auch einfach Geschmackssache. Die Einbindung der Marienkirche als Foyer zwischen großem und kleinem Saal ist sicherlich eine gelungene Idee, weil sie einen zusätzlichen Raum schafft, wie Michael Townsend anmerkt.

Ein offenes Haus für die Musiker der Stadt

Was bei allen Diskussionen ums Geld immer wieder ins Hintertreffen gerät, ist die Frage nach dem Inhalt. Es soll ja kein Konzerthaus entstehen, sondern ein Musikzentrum, das für alle musikalisch Aktiven der Stadt offen steht. Eben nicht nur der Tempel für Steven Sloane, der Intendant des Hauses werden wird, und seine Symphoniker, sondern genauso ein Raum für die Schüler und Ensembles einer der größten Musikschulen Deutschlands, für den Philharmonischen Chor und andere Gesangsensembles und nicht zuletzt auch für die Konzerte Bochumer Jazz- und Pop-Initiativen. Mindestens 30 Prozent der Nutzung, erklärt Michael Townsend, müssen auf Musiker entfallen, die nicht zu den BoSys gehören – so will es das Land NRW. Wie das tatsächlich zu garantieren ist, wer sich um die schwierige Abstimmung der Interessenten kümmert – das ist derzeit wohl die wichtigste Frage. Wenn es aber tatsächlich funktioniert, dass das Musikzentrum ein offenes Haus für die Musiker der Stadt wird, werden auch die heute noch schärfsten Kritiker wohl bald stolz auf einen gelungenen Modellversuch sein, der durchaus Chancen hat, von anderen Städten kopiert zu werden.

 

Spatenstich mit Konzertprogramm: 30.4. Platz an der Marienkirche, Bochum

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Kommentare

  1. von Volker Steude 01.05.13 (16:01 Uhr)

    "Mag sein" ist keine gute Grundlage für eine Argumentation. Der Autor, selbst Musiker hat offensichtlich keine Lust gehabt, sich mit den Realitäten und Positionen auseinander zu setzen, sie zu bewerten und dann dazu eine Meinung zu fassen.

    Der Kommentator hat recht, wenn es so kommt, wie er hofft, wäre alles gut.

    Das ist aber leider unrealistisch. Man kann natürlich Gutachten, Einschätzungen des Bund der Steuerzahler ignorieren. Am Ende wird sich so fast alles rechtfertigen lassen. Derartige Kommentare zeugen aber von einer für die Stadtkasse gefährlichen Naivität eines Musikers in ökonomischen Belangen.

    PS: Das Bürgerbegehren war fristgerecht. Die gerichtliche Entscheidung im Hauptverfahren steht noch aus. Auch hier ist die Realität eine andere.

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