Jörg Buttgereit kommt ins Venus & Apoll

Superhelden, Vampire, Nazis

Die, die den krassesten Stuff produzieren, sind als Menschen oft sehr umgänglich. Jörg Buttgereit zum Beispiel. Der Berliner ist seit vielen Jahren eine der zentralen Figuren der deutschen Horror- und Splatterszene. Weil seine Machwerke aber nun weit hinausgehen über die Grenzen der genannten Genres, wird Buttgereit auch gerne dem Autorenkino zugerechnet. Das klingt doch schon wieder ganz anders. Nicht nach stumpfen Blut-und-Knochen-Orgien, sondern nach hehrer Kunst. Und wo hehre Kunst ist, ist Julia Stoschek meist nicht weit. Für morgen Abend hat die Düsseldorfer Kunstsammlerin und Mäzenin Herrn Buttgereit eingeladen. Nicht nach Oberkassel, sondern in den Projektraum „Venus & Apoll“ am Worringer Platz. Dem Mann aus der Hauptstadt dürfte der eher raue Charme der Gegend gefallen. Gerne stellt Buttgereit in seinen Filmen Personen in Extremzuständen dar, greift Tabuthemen wie Serienmord oder Nekrophilie auf. Zusätzlich zu seinen Filmen arbeitet er seit einiger Zeit auch an Buchprojekten („Monster aus Japan greifen an“), Hörspielen („Sexy Sushi“) sowie Fernsehrproduktionen. Auch hat er seine Liebe fürs Theater entdeckt. Sein Stück „Kannibale und Liebe“ (merke, Buttgereit ist ein Meister des griffigen Titels!) läuft derzeit am Theater Dortmund. Im Venus & Apoll zeigt der Hauptstädter morgen Abend ab 19:30 Uhr zunächst den Theaterfilm „Captain Berlin versus Hitler“ aus dem Jahr 2009, bevor das zwei Minuten kurze Werk „Ein Moment der Stille am Grab von Ed Gein“ als Deutschlandpremiere über die Leinwand geht. Wer danach noch nicht im Eimer ist, kann Buttgereit noch im Gespräch mit Andreas Korte erleben, so er sich mutmaßlich wieder von einer ganz anderen Seite zeigen wird: von der umgänglichen.